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Aus der Stadt Das sagen HAZ-Leser zum Umgang mit Obdachlosen
Hannover Aus der Stadt Das sagen HAZ-Leser zum Umgang mit Obdachlosen
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12:48 10.03.2018
Obdachlose gerieten bei eisiger Kälte in Lebensgefahr. Quelle: dpa

Es fehlt das Gefühl der Verantwortung

Mit Entsetzen las ich die Äußerungen des sozialpolitischen Sprechers der SPD-Ratsfraktion, Angelo Alter. Falls die Äußerungen tatsächlich so stimmen, merke ich an: Es ist peinlich, unverschämt und spricht für völlig fehlendes Verantwortungsgefühl der Verantwortlichen, wenn die regierende SPD-Ratsfraktion, statt die unsägliche Situation der Obdachlosen umgehend zu lösen, dies wegschiebt: Die Kirchen seien zuständig.

Grundsätzlich sind die Kirchen ein Organ, das von Bürgern über einen Steuerbeitrag finanziert wird. Aus dieser Situation abzuleiten, dass die Kirchen den staatlichen Instanzen das verantwortliche Handeln abzunehmen hätten, ist unglaublich. Bereits in anderen Fällen wie der unterfinanzierten Kinderbetreuung werden staatliche Aufgaben weitergeschoben.

Es ist ja löblich, wenn Angelo Alter die Stadt vor den Folgekosten eines Kältebusses schützen möchte, doch Rathaus und Ratssaal stehen sicher jede Nacht leer. Wieso handelt die SPD-Ratsfraktion nicht zügig und sozial? Oder verkennen Ratsabgeordnete ihre Verantwortung?

Birgit Geyer, Hannover

Helfen – jetzt und sofort

Wenn man bei 15 Grad minus draußen ist und wegen der Kälte alle öffentlichen Räume zum Energiesparen geschlossen wurden, dann ist „aktionistisches Angehen“ für dieses „ temporäre Problem“ das Einzige, was Leben rettet. Die Folge eines fehlenden Kältebusses kann für die Obdachlosen der Tod sein, während der sozialpolitische Sprecher der SPD-Ratsfraktion Hannover diePersonalkosten für den Bus fürchtet. Dass obdachlose Menschen kein menschliches Recht auf eine Wohnung haben, sondern in einem Sondergetto Miniapartments bekommen sollen, hilft ihnen vielleicht auf die Beine, grenzt sie aber dauerhaft aus der Gemeinschaft aus.

In einer Massenunterkunft für Obdachlose die Nacht verbringen zu müssen, heißt, kaum Schlaf zu finden: Geräusche, Gerüche, Kommen und Gehen, auf seine Sachen aufpassen zu müssen, Streit aus dem Wege zu gehen. Diesen Stress hält nicht jeder aus, insofern ist es auch keine „bewusste Entscheidung, auf der Straße zu schlafen“, sondern pure Not. Die Selbstvertretung Vereinter Wohnungsloser hat dagegen einige praktische Vorschläge zur akuten Hilfe:

Wir brauchen keinen Alkohol oder Mitleid – wir brauchen Schlafsäcke, Zelte, Socken und wärmende Schuhe. Handwärmer aus der Apotheke retten Finger und Körper. Offene Kleiderständer können Wärme spenden. Suppe, Mullbinden, Hygieneartikel helfen direkt.

Machen Sie die Augen auf. Menschen sind Menschen. Seht hin, die Kälte kann töten! Bitte helft! Wenn ihr im Winter bei Obdachlosen wegschaut, können dadurch Menschen sterben. Wenn ich sehe, dass ein Mensch friert, wird mir auch eine Möglichkeit einfallen, um eine Form von Wärme zu schenken. Menschen brauchen Wärme. Kälte ohne Hilfe ist Kälte ohne Wärme – nur Kälte.

Helfen – jetzt und sofort. Ruft die 112, wenn ihr bemerkt, dass jemand hilflos ist.

Lasst doch einmal eure Hauseingänge aufgeschlossen.

Sabrina Spörecke und Werner Franke, Berlin

Regierende versagen

Die Zustände in vielen Bereichen deutscher Innenstädte sind für mich so unerträglich, dass ich sie konsequent meide. Wenn man an einem Sommerabend in Hamburg die Mönckebergstraße entlanggeht, sieht man Dutzende von Obdachlosen, die in den Eingängen von Geschäften nächtigen und an den Regenwassergullys ihre Notdurft verrichten. In Berlin befinden sich in Parks und aufgrößeren Friedhöfen unzählige wilde Camps. Über die Zustände auf dem Raschplatz in Hannover wurde oft berichtet. Auch auf Bahnhofs- und Georgstraße wird der Einkaufsbummel ein immer unangenehmeres Erlebnis, denn alle paar Metern wird man von Bettlern belästigt.

Wenn sich die Situation jetzt durch die Kälte krisenhaft zuspitzt, muss man alles Mögliche tun, um zu verhindern, dass Menschen erfrieren. Es kann aber nicht angehen, dass man von Steuerzahlern immer größere Leistungen zugunsten von Armutsflüchtlingen fordert. Die zweifelsfrei bestehende große materielle Not in unzähligen Ländern dieser Welt kann nicht in Deutschland bewältigt werden. Nicht als politische Flüchtlinge anerkannte ausländische Obdachlose müssen schnell in ihre Heimatländer zurückkehren, denn diese sind primär für ihre Versorgung verantwortlich.

Es ist eine große Aufgabe, für sehr arme Einheimische halbwegs anständige Lebensbedingungen zu schaffen, dazu kommen die vielen Flüchtlinge aus Asien und Afrika, von denen nur einige zurückkehren und nur wenige durch Erwerbstätigkeit ihren Lebensunterhalt erwirtschaften können.

Politik und öffentliche Verwaltungen haben nicht nur das Gewalt- und Ordnungsmonopol, sondern auch die Pflicht, geordnete Verhältnisse zu erhalten. Dieser kommen sie in Deutschland seit Jahren nicht hinreichend nach. Dadurch haben sie den Nährboden geschaffen, auf dem rechte Parteien gedeihen können. Man stelle sich vor, die AfD überwindet ihre inneren Querelen – und ein Stocken der Wirtschaft führt zu hohen Arbeitslosenzahlen, dann könnte sie ohne Weiteres auf Stimmenanteile von 30 oder 40 Prozent kommen. Ich hoffe, dass dies nicht geschieht, aber wenn es passiert, wäre es ein Ausdruck des Versagens der vormals regierenden Parteien.

Armin Wasmus

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