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Das sagen die Museumsdirektoren

Eröffnung des Sprengel-Anbaus Das sagen die Museumsdirektoren

Was sagen die Direktoren des Sprengel-Museums zum neuen Anbau? Wir haben bei Dieter Ronte, Ulrich Krempel und Reinhard Spieler nachgefragt.

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Der Anbau des Sprengel-Museums.

Quelle: dpa

Dieter Ronte, Direktor von 1989 bis 1993

Museumsleute haben selten die Gelegenheit zum Bauen. Aber die Mitbestimmung bei der Architektur ist ein nachhaltiges Moment eines Museums. Sammlungen kann man ändern, Architektur nicht. Deshalb hat mich damls der 2. Baubaschnitt gereizt, der bereits so angelegt war, dass ein dritter folgen kann. Um so spannender ist es, wenn das Unterfangen mit einer so großartigen Sammlung verbunden ist, wenn die Bilder den Bau schon mitprägen. Der Durchbruch zum ersten Bauabschnitt war ein großes Fest. Denn das Sprengelmuseum ist keine obrigkeitsstaatliche Setzung sondern das Resultat eines kulturbewussten bürgerlichen Engagements. Die Bürger der Stadt und ihre Besucher tragen das Museum mit, es ist fest in der Stadt verankert. Das hat immer wieder neue spannende Diskussionen und neue ästhetsiche Erfahrungen garantiert. Selbst bei den sich ändernden wirtschaftlichen Strukturen und dem zunehmenden Verlust privater Firmen, kann der Besucher diese Privatheit spüren, zumal diese in der Geschichte der Stadt verankert ist. Das Sprengelmuseum ist ein Haus, das mehr Fredue als Ärger (dafür wurde ich entlohnt) bereitet. Ich habe es mit Lust geleitet.

Der dritte Bauabschnitt ist ein dringend notwendiger. Das Dilemma der Museen ist, sie wachsen, weil der erste Auftrag an sie heisst: Sammeln. Eine Sammlung, die mit der klassischen Moderne beginnt, muß weiter in die unendliche Zukunft sammeln, und wenn möglich weiterhin international, was heute bei den bescheidenen Finanzen ein Kunststück ist. Der Erweiterungsbau verdeutlicht diese Ansprüche, auch wenn er das Museum noch einmal weniger überschaubar macht, der Beuscher also noch mehr Zeit investieren muß. Aber der Kontakt zum Heute  ist besonders wichtig, wenn man die ältere Kunst mit den Augen von heute verstehen will. Und nur das ist auch für den Kunsthistoriker die richtige Sicht. Da der Bau architektonisch eine Alternative zu den früheren Räumen der Architekten Trint bietet, fungiert er folgerichtig als sinnvolle und Sinn stiftende Erweiterung. Wunderbar, dass es doch noch gekplappt hat.

Ulrich Krempel, Direktor von 1993 bis 2014

Das Schatzhaus am Maschsee mit seiner phantastischen Sammlung, von Picasso bis heute, ist ein ausserordentliches Alleinstellungsmerkmal für Hannover und Niedersachsen. Da wird seit Jahrzehnten nicht nur die künstlerische Moderne in und aus Hannover vorgestellt, sondern die europäische Kunst des 20.Jahrhunderts in Sammlung und Ausstellungen präsent gehalten. Auch andere mittelgrosse Städte haben Museen: aber Sammlungen eines solchen Kalibers, dazu noch so jung und kaum, suchen ihresgleichen. Die hochkarätige Sammlung Sprengel, die Grundlage des Museums neben den Sammlungen der Stadt und des Landes, wirkte als Magnet: Schenkungen, Dauerleihgaben und Stiftungen haben Tausende von weiteren Arbeiten ins Haus gebracht, die weltweit grössten Sammlungen von Schwitters und Niki de Saint Phalle stehen heute neben den grossen Konvoluten von Picasso, Nolde, Beckmann, Klee, Max Ernst und Chagall.

Reinhard Spieler, Direktor seit 2014

Das Sprengel Museum ist für mich eine der schönsten Sammlungen moderner Kunst in Deutschland. Sie vereint die Züge von exquisitem Geschmack und Kennerblick, wie es ihn nur bei leidenschaftlichen Privatsammlern gibt, mit der Systematik, der unerhörten Qualität in der Breite und der Vielfältigkeit, die nur große Museumssammlungen aufweisen. Dazu kommen die Sammlungskonvolute zu Kurt Schwitters und Niki de Saint Phalle, die das Sprengel Museum einzigartig machen. Für Hannover und den deutschen Norden ist das Sprengel Museum die Möglichkeit, moderne Kunst auf internationalem Top-Niveau zu erleben.

Entscheidend für dieses Erlebnis war von Anfang an, dass der hohe Anspruch nicht nur an die Qualität der gezeigten Kunst, sondern in gleichem Maße auch an die Vermittlung angelegt wurde, die im Zentrum unseres Verständnisses vom Umgang mit der Kunst liegt. Bildung und Spaß, Sehen, Lernen und Machen gehören im Sprengel Museum zusammen.

Das Naturlicht im Erweiterungsbau gehört zu den schönsten Lichtsituationen, die ich im neueren Museumsbau kenne. Dazu kommen harmonische Raumproportionen, die bei aller Großzügigkeit einen menschlichen Maßstab verkörpern. Das kommt der Präsentation unserer wunderbaren Klassischen-Moderne-Bestände besonders entgegen, die nun keinen Vergleich mehr scheuen muss.

In der Entwicklung des Museums profitiert vor allem die Abteilung Fotografie und Neue Medien, die nun in den frei werdenden Flächen des Altbaus wesentlich mehr Raum erhält. Unter den Kunstmuseen in Deutschland, die sich mit Fotografie beschäftigen, sind wir damit ganz vorn dabei. Nicht zu unterschätzen für die Entwicklung sind auch die neuen Depots, die sich mit ihren hervorragenden konservatorischen Standards langfristig sehr positiv auf den Zustand unserer Sammlung auswirken werden. Schließlich bin ich davon überzeugt, dass wir mit dem spektakulären Calder-Saal auch als Veranstaltungsort in die Mitte der Stadtgesellschaft in Hannover rücken – ein Anspruch, den wir natürlich auch mit dem ganzen Museum verfolgen.

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Eröffnung des Erweiterungsbaus
Der Anbau des Sprengel-Museums.

Ein Festtag für die Kunst in Hannover: Freitag wird der Erweiterungsbau des Sprengel Museums eröffnet - und damit beginnt ein besonderes Kulturwochenende. Los geht es ab 18 Uhr mit 800 geladenen Gästen, ab Sonnabend steht das gesamte Haus dann allen Hannoveranern offen.

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