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Hannovers Abiturienten sind fertig Raus ins Leben

Die Noten werden gemeinhin immer besser, die Abiturienten bald wieder älter. Denn ab dem nächsten Schuljahr sollen in Niedersachsen auch die Gymnasiasten schrittweise wieder neun Jahre Zeit bis zum Abitur haben. Wir waren bei den Abschiedsreden dabei.

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Das Abitur in der Tasche, den Doktorhut auf dem Kopf: Abiturienten der Goetheschule feiern sich selbst und das Ende ihrer Schulzeit.

Quelle: Privat

Hannover. Die Noten werden gemeinhin immer besser, die Abiturienten bald wieder älter. Denn ab dem nächsten Schuljahr sollen in Niedersachsen auch die Gymnasiasten schrittweise wieder neun Jahre Zeit bis zum Abitur haben. Der letzte Jahrgang, der das auf zwölf Jahre verkürzte Abitur machen wird, sind die jetzigen Achtklässler.

Noch stehen die Prüfungsergebnisse im Stadtvergleich nicht fest, aber sicher ist, dass sich auch in diesem Jahr der Trend zu immer besseren Noten fortsetzen wird. Viele Abiturienten haben in ihrem Zeugnis eine 1 vor dem Komma. An der Sophienschule (Notendurchschnitt im Allgemeinen 2,3) im Zooviertel waren es in diesem Jahr sogar 31 Prozent – ein so hoher Wert, wie ihn Direktorin Brigitte Helm in den vergangenen 14 Jahren nicht verkünden konnte.

Manchen Bildungsexperten machen die guten Ergebnisse zunehmend Sorgen. Sie fürchten eine Verflachung der Reifeprüfung. Martin Thunich, Schulleiter der Wilhelm-Raabe-Schule in der Südstadt, hat dies in seiner Rede bei der Abi-Entlassungsfeier aufgespießt und rät den Schülern, sich ihren Erfolg nicht kaputt reden zu lassen. Aber wichtiger als Zensuren – das wird in den Reden der Direktoren bei den Entlassungsfeiern deutlich – ist die eigene Reife, das Vertrauen in sich selbst und der Mut, auch mal die falsche Entscheidung zu treffen. Die Schulleiter haben Tipps für ihre Abiturienten, die sie ins Leben entlassen. Und sie freuen sich, wenn alle die Abiturprüfung bestanden haben.

Es sind keine klugen Ratschläge, die mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommen, es sind eher väterliche oder mütterliche Empfehlungen von Menschen, die schon länger im Leben stehen und gemerkt haben, dass man mit Gelassenheit, guter Allgemeinbildung, Freunden und Eltern, die einen begleiten, keine Angst vor der Zukunft haben muss. Und vom Wert des Abiturs sind alle Redner überzeugt.

Das sagen die Schulleiter:

„Achten Sie auf die großen Dinge!“

Wenn Sie alle Ihre Zeit und Ihre Energie auf die kleinen unwichtigen Dinge des Lebens verwenden, bleibt kein Platz für die großen Dinge. Passen Sie auf die Dinge auf, die essenziell sind in Ihrem Leben. Setzen Sie Prioritäten. (...) Einen Einblick in die Diversität der Welt, in der Sie leben, haben Sie hier erhalten. (...) Dabei war es uns wichtig, dass Sie nicht nur mathematische Gleichungen, ein reichhaltiges fremdsprachliches Vokabular, die Merkmale des Funktionalismus und vieles, vieles mehr gelernt haben, sondern dass Sie dieses Wissen benutzen können, um Probleme zu lösen.

Beate Günther, Schillerschule

 

„Einige brauchen einfach eine Auszeit“

Warum es manchmal so schwierig ist, eine Entscheidung für eine Ausbildung oder ein Studium zu treffen, darüber kann ich nur spekulieren. Vielleicht liegt es an der auf zwölf Jahre verkürzten Schulzeit, vielleicht an dem unübersichtlichen Angebot, vielleicht an der hohen Arbeitsbelastung in den letzten drei Schuljahren, sodass die nötige Muße für eine Entscheidung fehlt. Einige brauchen einfach eine Auszeit.

Kurt Veith, Leibnizschule

 

„Zuversicht ist wichtiger als Note“

26 Schülerinnen und Schüler haben das Abitur mit einer 1 vor dem Komma abgeschlossen. Das sind 31 Prozent des Jahrgangs. Das ist das beste Ergebnis, das ich in den vergangenen 14 Jahren verkünden konnte. Bravo und Kompliment! (...) Vielleicht glauben Sie, dass eine gute Abi-Note einen automatischen Türöffner darstellt. Aber so einfach ist das nicht. Entscheidend sind Ihre Lebenseinstellung und Zuversicht.

Brigitte Helm, Sophienschule

 

„Abitur ist eine Sprachprüfung“

Sie stehen am Anfang eines großen Hürdenlaufs, der Leben heißt. Egal, was Sie machen werden, Sie können stolz und selbstbewusst sein, sollten aber nicht überheblich damit umgehen. (...) Über den Wert des Abiturs entscheidet jeder für sich selbst. Das Gymnasium basiert auf Sprache und eigenständigem Lernen. Das Abitur ist eine reine Sprachprüfung. (...) Eine Schule ist schon dann gut, wenn sie die Schere zwischen Besseren und Schwächeren nicht weiter aufgehen lässt. Ich freue mich besonders über jede Abiturientin und jeden Abiturienten mit einem anderen kulturellen Hintergrund.

Wilhelm Bredthauer, Goetheschule

 

„Eigene Stärken kennen“

Wichtig ist, dass Sie unsere Schule verlassen als selbstbewusste und verantwortungsvolle Charaktere, die um ihre eigenen Stärken und Schwächen wissen. (...) Die Nähe zu den anderen muss immer wieder neu gesichert werden. „Ich sitze gerade in der Abi-Entlassung und denke an dich.“ „Sitze zwei Reihen hinter dir – schönes Kleid übrigens.“ Wir schmunzeln vielleicht ob des Eindrucks der Technik auf uns, aber ändern wir unser Verhalten deshalb? Bewahren Sie es sich, Zeit zu haben, um für sich zu sein. Wählen Sie bewusst etwas aus, anstatt nur dem aus dem Weg zu gehen, was Sie vermeiden wollen.

Ruth Völker, KWRG

 

„Unsicherheit ist eine Chance“

Ich wünsche Ihnen, dass Sie nicht der Mut verlässt, wenn Sie gar nicht so genau wissen, was Sie sich für die nächsten Jahre nun wünschen sollen. In dieser Unsicherheit, diesem Fragezeichen, was vor einigen, vielleicht sogar vor vielen steht, darin steckt auch eine große Chance. (...) Wie langweilig wäre unser Leben, wenn wir schon wüssten, was die Zukunft so alles bringt. (...) Ich wünsche Ihnen so sehr, dass Sie bei allen Kompromissen, die man hier und da sicherlich eingehen muss, bei den entscheidenden Weichenstellungen in Ihrem Leben auf sich selbst vertrauen, dass Sie wissen, wer Sie sind.

Dieter Wignanek, Riccarda-Huch-Schule

 

„Kurz wie eine Liebeserklärung“

Abschiedsworte sollen so kurz sein wie eine Liebeserklärung. Wie lange Zeit dauert, wissen Sie. Wie lang ist eine Stunde, wenn man im Deutschunterricht sitzt und keinen wirklichen Plan davon hat, was Faust von Gretchen wollte oder umgekehrt? Unsere Lebenserwartung ist so hoch wie nie, bei Männern 76, bei Frauen 82 Jahre. Eine ganze Menge an Zeit – die braucht man aber auch, wenn man bedenkt, dass wir cirka ein Jahr damit verbringen, verloren gegangene Dinge wiederzufinden. Konferenzen und Besprechungen kosten drei Lebensjahre, Wartezeiten bei Ärzten und Behörden sogar fünf. Zeit ist kostbar.

Kathleen Fleer, IGS Kronsberg

 

„Breites Allgemeinwissen wie nie“

Anlässlich solcher Übergangsrituale wie dieser Abiturfeier erliegen Redner nicht selten der Versuchung, Ihnen jetzt schnell noch einmal all das mit auf den Weg geben zu wollen, von dem sie bezweifeln, ob es bisher auch in Ihren Köpfen und Herzen angekommen ist. Die Sinnlosigkeit eines solchen Unterfangens habe ich am Selbstversuch nachgewiesen – nicht einen Gedanken der Abiturrede meines Direktors vor 41 Jahren kann ich noch erinnern. (...) Wer es zulässt, dass sein Abitur auf den reinen Notenwert beschränkt wird, der reduziert seine Leistung auf ein simples Ranking. Nie wieder werden Sie über eine so breite Allgemeinbildung verfügen wie heute am Ende Ihrer Schulzeit.

Martin Thunich, Wilhelm-Raabe-Schule

 

„Habt Vertrauen zu Euch selbst!“

Gut gemeinte Ratschläge? Sicher nein! Appelle an die Vernunft und ein moralisch korrektes Leben? Ebenso ein klares Nein! Blick in die Zukunft? Langweilig und nicht gerade originell? Tu, was du für richtig hältst! Es gibt keine falschen Wege. Die guten und richtigen Wege stärken unser Selbst, die irrigen Wege schärfen unsere Sinne, die Reflexion und setzen kreative Potenziale frei. Habt Vertrauen – nicht zu den Weisen und jenen, die sich dafür ausgeben, nicht zu den Maschinen und zu den Fahnen, sondern zu Euch selbst, zu Eurer Intelligenz, zum Instinkt Eurer Liebe.

Heinrich Frommeyer, Bismarckschule

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