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Das sagt eine Design-Expertin zum neuen Üstra-Logo

Schriftzug Das sagt eine Design-Expertin zum neuen Üstra-Logo

Rund 20 Jahre hatten die letzten beiden Logos der Üstra Bestand. Zum 125-Jährigen gibt es nun wieder einen neuen Schriftzug. Design-Professorin Dorothee Weinlich spricht im Interview über den neuen Üstra-Schriftzug – und einen kunstvollen Bauch im R.

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Groß, klein, gestaucht oder dick: So hat sich das Üstra-Logo im Laufe der Jahre verändert.

Quelle: Collage: HAZ

Hannover. Dorothee Weinlich ist Professorin für interdisziplinäre Design-Grundlagen an der Hochschule Hannover. Von 1995 bis 2000 arbeitete sie für die Firma MetaDesign, die jetzt das Üstra-Logo entworfen hat. Am Donnerstag um 17 Uhr zeigen ihre Studenten im Theatermuseum Hannover Arbeiten, die sich mit Kurt Schwitters und dessen typografisch-künstlerischen Experimenten auseinandersetzen.

Frau Weinlich, wie finden Sie das neue Logo der Üstra?

Die neue Wort-Bildmarke ist markant, sie ist dominant durch die schwarzen Großbuchstaben. Das frische Üstra-Grün, die Hausfarbe, die auch gelernt ist in der Bevölkerung, findet sich nur noch in den verbundenen Punkten des Ü. Erstaunlich ist, dass man die sympathischen Kleinbuchstaben aufgibt für die großen, etwas sperrigen Buchstaben - die aber im Trend sind. Die Üstra-Logos von 1929 bis 1996 waren bereits versal gestaltet, auf diesen Zug wurde aus den damals und heute richtigen Gründen quasi wieder aufgesprungen. Auch die Stadt Hannover zeigt sich so, und mich hat das Üstra-Logo entfernt auch an das Bayer-Kreuz erinnert, das ähnliche Buchstaben grafisch bewältigt.

Mit solchen Dingen werden große Agenturen beauftragt, die oft für viel Geld recht wenig verändern. Kann das der Azubi in der Werbeabteilung nicht auch?

Kleinbuchstaben fügen sich harmonisch aneinander, sie sind dafür gemacht. Bei sperrigen, unhomogenen Großbuchstaben stolpert das Auge eher. Das Wort „ÜSTRA“ hat ein paar besondere Stolpersteine, vor allem zwischen dem R und dem A. Die Aufgabe des Typografen ist es, so lange an den Buchstabenzwischenräumen zu feilen, dass sich kein optisches Loch mehr ergibt. Hier hat das R eine größere Ausbuchtung. Das ist sehr gut gemacht. Dieser Kunstgriff muss in allen Formaten funktionieren, vom Kugelschreiber bis zur Fahrzeugkennzeichnung, auf dem Handy und in hinterleuchteten Schriftzügen. So eine Logofamilie hat oft mehr als 50 Mitglieder. Das können nur Experten.

So sieht das neue Üstra-Logo aus.

Quelle: Üstra

Muss Typografie auffallen?

Gute Typografie ist unsichtbar. Und trotzdem wird immer ein Schriftcharakter mittransportiert. Die Schrift ist an die klassische Moderne angelehnt, vom Bauhaus inspiriert greift sie auf geometrische Formen zurück, das R kokettiert mit Art Deco und wirkt sympathisch. Die visuelle Erscheinung des Schriftzuges geht in die Richtung der Nivea-Marke oder des Wortes „Volkswagen.

Schnörkellose Großbuchstaben – was sagt das über das Unternehmen aus?

Die serifenlosen Großbuchstaben spiegeln Verlässlichkeit, die schwarze Farbe lässt das Logo klarer und stabiler wirken. Und da die Üstra mehr auf Smartphone-Nutzung setzt, war eine gewisse Coolness wohl auch gewünscht. Es ist schon ein Logo unserer Zeit.

Auch die verbundenen Ü-Punkte, das „ücon“?

Sie eignen sich wunderbar, um in digitalen Medien animiert zu werden. Sie nehmen ein Fahrplanelement auf, könnten sich bewegen, aufleuchten, wirken als spielerisches Element gegen das Statische und verleihen dem Logo Leichtigkeit. Das Ü wird so zum Emoticon.

Was meinen Sie?

Wie gefällt Ihnen das neue Logo der Üstra?

Wie viel Schriftzug landet in unserem Unterbewusstsein?

Viel. Wenn wir das Ikea-Logo auf Arabisch sehen, wissen wir, dass es Ikea ist. Oder denken Sie an die Schriften von Mercedes oder VW. Damit der Konsument so was lernt, muss eine Marke mit Image und Wiedererkennungspotenzial aufgeladen werden. Wichtig ist, dass die Üstra jetzt die geplanten Implementierungskampagnen fährt. Dann ist die Wirkung und der Wiedererkennungswert schnell da.

Darf man eine Marke auch radikal verändern?

Natürlich. Siehe BP oder Langnese. Aber ein mutiges Redesign braucht einen mutigen Kunden. Und ein alteingesessenes Unternehmen entfernt sich nicht mal eben so von tradierten Dingen. Die Üstra hätte auch über ein Renaming nachdenken können, wie viele Stadtwerke es tun, die nicht mehr Stawag oder so heißen, sondern zeitgemäßer, zum Beispiel Eon. Das Ü in Üstra kommt vom Wort Überland. Daran festzuhalten, ist schon wieder richtig cool.

Klingt der Slogan „Wir bringen Hannover nach morgen“ ein bisschen entgleist? Oder ist das gut, weil man dran hängen bleibt?

Es hakelt ein bisschen, aber es hat was Ehrliches. Hannover ist drin. Und: Ich finde gut, dass es auf Deutsch ist. Ein Ü im Namen, und dann ein englischer Spruch drunter - das hätte nicht gepasst.

Kann man Schriftzüge Epochen zuordnen?

In der Nachkriegszeit sollten alle Logos propagandafrei und neutral sein. Das geht aber nicht. Fast alle großen Unternehmen nutzten nach dem Krieg die Schrift Helvetica. Mit dem Ergebnis, dass die Helvetica zum langweiligen Merkmal der deutschen Wirtschaftswunder-Großindustrie wurde. „You can not not communicate“, hat schon Paul Watzlawick gesagt. In den Neunzigern kam das Kleinschreiben als Zeichen für freche Bürgernähe. Auch bei der Üstra.

Wem würden Sie in Hannover gern mal ein neues Corporate Design verpassen?

Ach, die Stadt hat ja vor Kurzem erst ein neues bekommen. Aber so als Nachfolge von Kurt Schwitters, der das ja in den Zwanzigerjahren als Brotjob gemacht hat, jede Urkunde und jedes Dokument in jeder städtischen Einrichtung durchzugestalten - das wäre schon was.

"Mehr als von A nach B"

Design der veränderten Mediennutzung der Üstra-Kunden Rechnung tragen, die mehr und mehr zum Smartphone greifen, um Tickets zu buchen und sich über Fahrpläne und Zeiten zu informieren. „Wir wollen mehr sein als ein Verkehrsunternehmen, das seine Fahrgäste von A nach B bringt“, sagt Üstra-Chef André Neiß, „unser Anspruch ist es, die Menschen und die Stadt zu bewegen.“ Dazu passt der neue Slogan: „Wir bringen Hannover nach morgen“

Interview: Uwe Janssen

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