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"Sonderstreifen gegen Steintor-Raser"

Neue HAZ-Serie "Hannover vor 50 Jahren" "Sonderstreifen gegen Steintor-Raser"

Was kann gegen Raser am Steintor getan werden? Welche Farbe soll das Theater am Aegi bekommen? Und was zum Henker hat Jerry Cotton im Niedersachsenstadion verloren? Für unsere neue HAZ-Serie "Hannover vor 50 Jahren" haben wir zehn Geschichten aus dem Archiv geholt, die HAZ-Leser in der ersten Juni-Woche 1966 beschäftigt haben.

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Schon vor 50 Jahren hat das Steintor für Schlagzeilen in der HAZ gesorgt.

Quelle: Archiv/M
1. Juni 1966: Theater am Aegi - wieder schwarz?
Das Theater am Aegi war am 20. Dezember 1964 ausgebrannt.

Das Theater am Aegi war am 20. Dezember 1964 ausgebrannt.

Quelle: Hauschild

Anfang Juni 1966 debattiert Hannover über die Farbe des Theaters am Aegi. Eineinhalb Jahre nach dem verheerenden Feuer lief der Wiederaufbau nach Plan. Nur bei der Wandfarbe war man sich nicht ganz einig, wie am 1. Juni der HAZ zu entnehmen war. "Schwarzer Walfisch" wurde das Gebäude einst genannt, doch nach dem Brand sollten jetzt helle Wandpaletten her. Das Problem: Für den Neubau war ein Kupferdach geplant, das mit der Zeit wiederum eine grüne Färbungen annehmen würde - und so überlegten die Architekten und die Bauverwaltung gründlich, ob das mit den hellen Wandpaletten wirklich so eine gute Idee gewesen war. Dann doch lieber wieder schwarz? Entscheiden sollte der Bauausschuss. Zu welchem Entschluss die Ratsherren später kamen, ist noch heute am Aegi zu sehen.

1. Juni 1966: Bohrer gegen Lehrling

"Früher war alles besser", sagt manch einer gerne. Dass sich aber leider auch vor 50 Jahren schwere Verbrechen ereigneten, zeigt dieser Bericht der HAZ vom 1. Juni. Ein Kraftfahrzeugmeister hatte seinem Lehrling eine Bohrmaschine in den Magen gestoßen und ihn schwer verletzt. Anlass für die Tat: Der Meister hatte sich über die Arbeit des Lehrlings geärgert.

2. Juni 1966: Sonderstreifen gegen "Steintor-Rennfahrer"
Der Blick auf den Steintorplatz im Jahr 1959.

Der Blick auf den Steintorplatz im Jahr 1959.

Quelle: Hauschild

Raser, die in der Innenstadt laute und waghalsige Rennen fahren, sind nicht erst seit diesen Tagen ein Problem in Hannover. Schon am 2. Juni 1966 berichtete die HAZ von den rauen Sitten am Steintorkreisel. "Besonders am Wochenende sieht man abends alkoholbeschwingte Fußgänger auf der Fahrbahn entlang wandern, mit Halbwüchsigen besetzte Kleinwagen Rennen fahren und anderes Unerfreuliches mehr“, heißt es in dem Bericht. Der Polizei waren diese Zustände "ein rechtes Ärgernis“. Die Lösung: Sonderstreifen, die zum Teil mit Motorrädern ausgerüstet sind.

3. Juni 1966: Bald Anschluss an der Zuschlagstraße
Die Zuschlagstraße (Bild links) führt zum Messeschnellweg. An der Bemeroder Straße (Bild rechts) gehen die Bauarbeiten dem Ende zu.

Die Zuschlagstraße (Bild links) führt zum Messeschnellweg. An der Bemeroder Straße (Bild rechts) gehen die Bauarbeiten dem Ende zu.

Quelle: Hauschild

Viele Autofahrer, die in Hannover auf den Messeschnellweg wollen, nutzen die Auffahrt an der Zuschlagstraße. Anfang Juni vor 50 Jahren war die Straße so gut wie fertig. Vier Wochen noch sollte es dauern, hieß es am 3. Juni 1966 in der HAZ, bis die vierspurige Verbindung zwischen Bemeroder Straße und Schnellweg schließlich befahrbar war.

6. Juni 1966: Friedhofsschändung ein Racheakt?
Ein Unbekannter hat 46 Gräber in Godshorn geschändet.

Ein Unbekannter hat 46 Gräber in Godshorn geschändet.

Quelle: Reinhold Stäck

46 Grabsteine hatte ein Unbekannter Anfang Juni vor 50 Jahren auf dem Friedhof Godshorn umgeworfen - dabei war dabei offenbar selbst zu Fall gekommen. "An einem Grab fanden die Beamten im Sand einen Gesäßabdruck. Sie nehmen an, dass der Täter beim Umwerfen des Grabsteines zu Boden gefallen ist", heißt es im Bericht der HAZ. Möglicherweise war es ein Racheakt gegen die Gemeindeverwaltung, ließ sich damals der Gemeindedirektor zitieren. Die Verwaltung setzte 300 Mark für sachdienliche Hinweise aus - der Abdruck des Hinterns reichte offenbar nicht aus, um den Täter ausfindig zu machen.

6. Juni 1966: Am 6.6.66: 66 Jahre alt

Schon vor 50 Jahren war das mit Journalisten und Mathematik mitunter so eine Sache. "Fünfmal kommt die Sechs bei denen vor, die heute Geburtstag haben und 1900 geboren wurden", war am 6. Juni in einer Meldung der HAZ zu lesen. Dabei reicht doch ein kurzer Blick auf die Überschrift "Am 6.6.66: 66 Jahre alt", um zu erkennen, dass dort sechsmal die Sechs steht.

7. Juni 1966: Auch die "kleinen Eichmänner" müssen bestraft werden

21 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Hannover zum Schauplatz eines NS-Prozesses: Zwei SS-Männer wurden tags zuvor vor dem Schwurgericht Hannover verurteilt. Wegen Beihilfe zum Mord in 3832 Fällen erhielt ein ehemaliger Polizeimajor und SS-Sturmbannführer aus Barsinghausen im sogenannten Gaswagenprozess sieben Jahre Zuchthaus. Ein ehemaliger SS-Untersturmführer aus Selbitz (Oberfranken) wurde zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. In der Woche zuvor hatten die Verteidiger auf Freispruch plädiert. Der Barsinghäuser hatte als Leiter des Referats Kraftfahrwesen im Reichssicherheitshauptamt mindestens 13 Gaswagen an Einsatzorte geschickt, an denen etwa 6000 Menschen starben. Der SS-Untersturmführer hatte die Wagen zum Teil mitgebaut.

7. Juni 1966: Hannoversche Stadtmodelle sollen sechs Monate lang russisch reden
Wilfried Knauer hat drei Stadtmodellen das Sprechen beigebracht.

Wilfried Knauer hat drei Stadtmodellen das Sprechen beigebracht.

Quelle: Hauschild

Im Neuen Rathaus wird ja für gewöhnlich eher deutsch gesprochen. Im Sommer 1966 mussten aber drei Rathausbewohner russisch lernen: Hannoversche Stadtmodelle sollten Anfang Juli 1966 nach Russland reisen und in Leningrad, Kiew und Moskau "vom planerischen Ruhme Hannovers künden", wie die HAZ am 7. Juni schrieb. "Zu diesem Behufe musste man den bislang stummen, auf die Erläuterung durch Stadtführer angewiesenen Modellen zunächst das Reden beibringen – dazu bot sich das Magnetofon an." Wilfried Knauer, seines Zeichens hannoverscher Spezialist für Tüfteleien, habe den Stadtmodellen ein Maulwerk gebaut. Jetzt mussten sie nur noch russisch lernen. Dafür war dann das Auswärtige Amt in Bonn zuständig.

7. Juni 1966: Mit allen technischen Einrichtungen
Die Bank für Gemeinwirtschaft hat einen neuen Kassenraum.

Die Bank für Gemeinwirtschaft hat einen neuen Kassenraum.

Quelle: Hauschild

Während heutzutage viele Menschen ihre Kontoangelegenheiten vom heimischen Sofa aus steuern, war der Gang zur Bankfiliale vor 50 Jahren unausweichlich. Entsprechend einladend und modern sollten die Kassenräume sein und so dauerten die Umbauarbeiten bei der Bank für Gemeinwirtschaft fast ein Jahr. Im Juni 1966 wurde die neue Schalterhalle an der Rathenaustraße 3 dann endlich eröffnet. Die "moderne technische Einrichtung" begeisterte: Ein Förderband zum Transport der Belege sorgte im Kassenraum für eine "zügige Geschäftsabwicklung", berichtet die HAZ.

7. Juni 1966: Trotz Hitze eiskalt serviert
Jerry Cotton (George Nader, rechts) stellt die Verbrecher im leeren Niedersachsenstadion.

Jerry Cotton (George Nader, rechts) stellt die Verbrecher im leeren Niedersachsenstadion.

Quelle: Hauschild

Ein echter Filmstar in Hannover: George Nader alias Jerry Cotton servierte "zwei finsteren Burschen der New Yorker Unterwelt seine Rechnung" - und das im leeren Niedersachsenstadion. Der Film wurde eigentlich in Hamburg gedreht, doch weil die Produktionsleitung keine Drehgenehmigung im Hamburger Stadion bekam, spielte die entscheidende Action-Szene in Hannover.

Von Johanna Stein

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