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„Das war eine sensationelle Ersthilfe“

Chefarzt im Interview „Das war eine sensationelle Ersthilfe“

Wie holt man ein kleines Mädchen ins Leben zurück? Nach dem spontanen Rettungseinsatz einer 23-jährigen Kleefelderin an einem ertrinkenden Kind im Lister Bad gibt Mathias Gnielinski, Chefarzt im DRK-Clementinenhaus, im HAZ-Interview Tipps zur Ersthilfe.

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Erste Hilfe lässt sich lernen: Übungen mit Besuchern am Wiederbelebungstag 2015 im Clementinenhaus.

Quelle: Wallmüller/Archiv

Hannover. Herr Gnielinski, haben Sie von dem lebensrettenden Einsatz der jungen Kleefelderin im Lister Bad gehört?

Ja, das war eine sensationelle Ersthilfe. Ich habe das heute früh in der Zeitung gelesen. Was mich doppelt freut: Erstens hat die junge Frau wirklich alles richtig gemacht, und zweitens schaffen Sie als Zeitung mit Ihren Berichten eine positive Öffentlichkeit für solche Hilfe. Wir brauchen couragierte Menschen, die im Notfall einfach zupacken und anderen Menschen helfen. Dass sie in dem Fall sogar einem Kind das Leben gerettet hat, geht noch einmal besonders zu Herzen.

Die 23-Jährige ist von Beruf Arzthelferin, sie hat uns erzählt, dass sie in einer Augenarztpraxis in Kleefeld arbeitet. Braucht man eine medizinische Ausbildung, um Ersthilfe zu leisten?

Überhaupt nicht! Jeder erwachsene Mensch ist in der Lage, einen Verunglückten ins Leben zurückzuholen. Natürlich mag das Menschen etwas leichter fallen, die im Gesundheitswesen arbeiten. Aber das schmälert weder den Einsatz der jungen Arzthelferin, noch darf es als Ausrede dienen, dass jemand im Ernstfall keine Ersthilfe leistet. Es ist wirklich einfach - und ich rate jedem, die Kenntnisse immer mal wieder aufzufrischen.

In Ordnung, dann fangen wir doch mal an. Wie reanimiere ich?

Viele glauben, sie müssten mit der Mund-zu-Mund-Beatmung anfangen. Das ruft bei einigen Zurückhaltung hervor, weil es direkten Körperkontakt bedeutet, und diese Reihenfolge wäre auch nicht optimal. Die Wiederbelebung startet mit der Herz-Lungen-Massage. Denn meist ist noch genug Sauerstoff im Blut - es muss nur dringend schnell ganz ins Hirn transportiert werden, damit dort keine Zellen absterben. Genau das hat die 23-Jährige absolut richtig gemacht.

Jeder fragt sich: Wie schnell soll ich drücken?

Die Kampagne heißt nicht ohne Grund: „100 pro Reanimation - ein Leben retten“. Bei der Herz-Lungen-Massage muss der Brustkorb etwa 100-mal pro Minute kräftig gedrückt werden. Also fast zweimal pro Sekunde.

Nun kommt das im Ernstfall jedem viel zu schnell vor, deshalb haben Notfallmediziner eine musikalische Eselsbrücke ...

Genau: Es ist das Stück „Staying Alive“ von den Bee Gees. Das kennt heute fast jeder, es ist ein echter Gassenhauer. Wenn Sie die Refrainzeile „Stay-, Stay-, Stay-, Stay-, Staying Alive“ singen, während sie den Brustkorb drücken, dann haben Sie automatisch das richtige Tempo gefunden. Im Übrigen ist es ja auch ein passender Text - übersetzt heißt die Zeile schließlich: „Am Leben bleiben.“

Nun hat die junge Frau im Lister Bad ja ein Kind wiederbelebt. Darf man da so fest drücken wie bei einem Erwachsenen? Oder ist das Risiko nicht zu groß, dass alle Rippen brechen und die Lunge punktiert wird?

Erinnern Sie sich an den Fall des ehemaligen Gehrdener Bürgermeisters Heldermann, der in der Masch einen Infarkt hatte und ebenfalls von einem Ersthelfer gerettet wurde. Der musste sehr lange reanimiert werden, weil der Notarzt den Weg nicht gefunden hat. Bei ihm waren alle Rippen gebrochen. Das war später sehr schmerzhaft - aber er hat überlebt! Allein das zählt. Zu Ihrer Frage mit dem Brustkorb eines Kindes: Sicherlich sollte man ein ganz bisschen rücksichtsvoller sein, andererseits haben Kinder noch viele Knorpel dort, wo bei uns alles verhärtet ist: Da bricht nichts so schnell.

Können Interessierte auch in diesem Jahr wieder bei Ihnen die Reanimation üben?

Am Mittwoch, 21. September, 16 Uhr, beginnt bei uns im DRK-Krankenhaus Clementinenhaus in der List, Lützerodestraße 1, anlässlich der „Woche der Wiederbelebung“ wieder ein Vortrag mit anschließenden Übungen. Alles kostenfrei, ohne Anmeldung - und eigentlich auch immer sehr unterhaltsam.

Interview: Conrad von Meding

Dem Mädchen geht es besser

Drei Tage nach dem Badeunfall im Lister Bad geht es dem kleinen Mädchen den Umständen entsprechend gut. Am Montag sollte sie aus der MHH entlassen werden. Anders als zunächst angenommen, ist das Kind nicht vier, sondern nur etwas älter als drei Jahre sein. Wie der Unfall genau passiert ist, darüber hat die Polizei allerdings immer noch kein genaues Bild. „Wir konnten mit der Mutter noch nicht sprechen“, sagt Polizeisprecher Sören Zimbal. Deswegen sei weiter unklar, weshalb die Mutter das Mädchen am Babybecken allein ließ und wie lange es unter Wasser war.
Jedoch soll es ein gleichaltriges Kind gewesen sein, das die Mutter auf den Unfall aufmerksam machte, indem es auf den leblosen Körper im Wasser zeigte. Andere erwachsene Badegäste sollen den Vorfall erst mitbekommen haben, als die Mutter ihre Tochter bereits aus dem Wasser gezogen hatte und schreiend über das Gelände lief. Insgesamt waren an dem Tag laut Stadtsprecher Udo Möller 8000 Besucher im Bad.
Es ist dem schnellen Eingreifen der Arzthelferin Canan Genc und dem Bademeister zu verdanken, dass das Mädchen wiederbelebt werden konnte. Die 23-Jährige übernahm die Herz-Lungen-Massage, der Schwimmmeister die Mund-zu-Mund-Beatmung. Auch eine Polizistin, die privat im Schwimmbad war, soll geholfen haben. „Ich hoffe, dass ich eines Tages das Mädchen kennenlernen darf“, sagte Genc der HAZ.

isc/ewo     

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