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Aus der Stadt Datenschützer warnen vor neuer Girokarte
Hannover Aus der Stadt Datenschützer warnen vor neuer Girokarte
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21:46 20.06.2012
Von Mathias Klein
Die Sparkasse hatte vor einigen Wochen die neuen Karten in einer Esso-Tankstelle in Hannover präsentiert. Quelle: Heusel
Hannover

Die Hannoveraner sollen die neuen Girokarten in einem Großversuch testen, der Landesdatenschutzbeauftrage Joachim Wahlbrink hat allerdings erhebliche Sicherheitsbedenken gegen die neue Technik. Die Karten mit einem schnellen Funkchipgirogo“ zum schnellen Bezahlen kleinerer Beträge könnten zu leicht von Betrügern ausgelesen und missbraucht werden, sagt Wahlbrink. 

Die Karten werden derzeit im Auftrag der Deutschen Kreditwirtschaft im Großraum Hannover getestet. Alle Kunden von Sparkasse und Volksbanken erhalten nach und nach die  Girokarten mit dem neuen Chip „girogo“. Auf den Chip können Kunden maximal 200 Euro aufladen. In den Geschäften müssen Kunden ihre Karte nur vor ein zigarettenschachtelgroßes Lesegerät halten, das bucht den zu zahlenden Betrag in Sekundenschnelle ab.

Genauso einfach ist es nach Angaben der Datenschützer für Kriminelle, Daten aus dem Chip herauszulesen. Entsprechende Geräte gebe es im Internet oder sie könnten mit im Elektronikhandel erhältlichen Bauteilen zusammengebaut werden, berichtet der Referatsleiter Technik beim Datenschutzbeauftragten, Uwe Robra. Es gebe sogar schon Apps für Smartphones mit einer Auslesefunktion. Dabei müssten die Kriminellen mit ihren Lesegeräten gar nicht dicht an die Geldbörsen ihrer Opfer herankommen. „Ein entsprechendes Gerät kann ich auch an einem Türrahmen montieren, dann wird jede Karte beim Reinkommen ausgelesen“, berichtet der Sicherheitsexperte.

Kriminelle könnten die Kartennummer auslesen sowie die 15 letzten Transaktionen. „In Kombinationen mit anderen Daten könnte man so zum Beispiel unter anderem an die Namen der Kunden kommen“, sagt Robra. Allerdings sei bisher nicht bekannt, dass Kriminelle das Geld von der Karte herunterladen könnten. „Aber wer weiß, ob das demnächst nicht auch ein Hacker schafft“, sagt Robra.

Betroffen sind 170.000 Kunden der Sparkasse Hannover, die bislang die neue Karte erhalten haben. Die Hannoversche Volksbank, die bisher 50.000 Karten mit „girogo“ an ihre Kunden versandt hat, hat die Auslesefunktion gesperrt. Die Sparkasse wollte am Mittwoch zu den Sicherheitsbedenken nichts sagen und verwies an den niedersächsischen Sparkassenverband. Auch dort gab es keine Auskunft. Eine Sprecherin der Deutschen Kreditwirtschaft in Berlin sagte, der Chip sei sicher. „girogo“ erfülle die hohen Sicherheitsanforderungen, die die Kreditwirtschaft an Kartenzahlverfahren stelle.

Datenschützer Robra sagt, es wäre ein höherer Sicherheitsstandard möglich gewesen. Dann aber hätten die Daten nach einem besseren Verfahren verschlüsselt werden müssen, was wiederum mehr Geld gekostet hätte.
Am besten sei es, eine solche Karte gar nicht zu besitzen, sagt Robra. Aber die Kunden könnten sich dagegen nicht wehren, da jede neue Karte auch mit diesem Chip ausgerüstet werde. Auch er hat „girogo“ in seinem Portemonnaie. In einer speziellen Hülle mit Alufolie schützt er sie vor dem Auslesen.

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