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Aus der Stadt David Garrett begeistert 11.000 Zuschauer in Hannover
Hannover Aus der Stadt David Garrett begeistert 11.000 Zuschauer in Hannover
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22:54 18.05.2011
Von Stefan Arndt
„Wollt Ihr AC/DC?“: David Garrett präsentiert in der TUI Arena die ganze Bandbreite seines Könnens, mischt Mendelssohns Violinkonzert in ein Michael-Jackson-Medley. Quelle: Frank Wilde
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Der Mann ist ein echter Quereinsteiger: Wenn David Garrett die auch bei einem Wiederholungskonzert restlos ausverkaufte TUI Arena betritt, meidet er zunächst die große Bühne. Dort haben bereits das später als Neue Philharmonie Frankfurt vorgestellte Orchester und Garretts Band Stellung bezogen. Er selbst geistert erst als Schattenriss über die Videoleinwand hinter seinen Kollegen – und taucht dann in Person am Seiteneingang mitten im Publikum auf. In der ohnehin schon animierten Halle braust der Jubel groß auf: Garrett, der Popstar, ist da. Genau das, man weiß es inzwischen, wurde ihm nicht an der Wiege gesungen: Der heute 30-Jährige startete als Jugendlicher eine vielversprechende Karriere als klassischer Geiger mit den besten Lehrern der Welt und einem frühen Exklusivvertrag bei der Deutschen Grammophon.

Das allein wäre nicht ungewöhnlich. In den vergangenen Jahrzehnten haben es auch andere Geiger in die großen Pop-Arenen geschafft. Das Besondere bei Garrett ist allerdings: Auch seine Klassikkarriere dauert noch an. Erst vor wenigen Tagen hat der 30-Jährige eine Tournee mit der altehrwürdigen Russischen Nationalphilharmonie und dem über alle Zweifel erhabenen Dirigenten Vladimir Spivakov beendet. Auf dem Programm der von Publikum und Kritik bestens aufgenommenen Tournee stand unter anderem Beethovens Violinkonzert.

Beethoven gab es auch am Mittwochabend in der TUI Arena: Etwas unbescheiden als „meine Version“ von dessen fünfter Sinfonie kündigte der Geiger ein kurzes, effektvolles Stückchen an, das höchstens diejenigen enttäuschte, die schon einmal mehr von dieser Ikone des klassischen Repertoires gehört haben als den berühmten Ta-ta-ta-ta-Auftakt. Garrett selbst, auf den das ja zutreffen müsste, scheint sich daran nicht zu stören – er, der als Mittler zwischen U- und E-Musik gilt, weiß beide Welten offensichtlich besser zu trennen, als all das Gerede vom der-Klassik-ein-junges-Publikum-gewinnen, mit dem Garrett Dauergast in Fernsehshows ist, vermuten lassen würde. Nach der Pause wird es manchmal etwas strenger klassisch: Debussys zartes „Claire de Lune“ tut dann auch verstärkt seine Wirkung, und bei einem Bach-Solo kommt Garrett sogar einmal ohne jeden Orchester- oder Bandbombast aus.

Insgesamt werden aber alle möglichen Musikhäppchen gemischt: Paul McCartneys „Live and Let Die“ folgt auf einen Extrakt aus Ravels „Bolero“, es gibt etwas aus den „Vier Jahreszeiten“, dann wieder „Walk this Way“ von Aerosmith und natürlich die Filmmelodie aus „Fluch der Karibik“. Auf die Frage „Wollt ihr AC/DC?“ folgt deren „Whole Lotta Rosie“, bevor Garrett dem großen Geigenvirtuosen Fritz Kreisler Tribut zollt. Einmal schmuggelt er ein paar Takte aus Mendelssohns Violinkonzert in ein buntes Michael-Jackson-Medley. Zu dieser ja durchaus abwechslungsreichen Musik gibt es allerlei Licht- und Feuereffekte und jede Mengen Ansagen, in denen Garrett kleine Missgeschicke und Peinlichkeiten aus dem Leben eines Superstars zum Besten gibt und dabei so etwas wie Selbstironie demonstriert.

Das alles sind gute Gründe für wenn auch nicht leidenschaftlichen, so doch immer herzlichen Beifall bei den 11.000 Zuschauern. Dass unter ihnen vor allem Frauen wären, ist übrigens ein Gerücht: In Hannover sind Männer, Frauen, Junge, Alte, ja sogar Kinder im Konzert. David Garrett wollen eben alle. Darum gibt es auch bald das nächste Konzert in der TUI Arena: Am 18. April 2012 ist der Geiger mit dem Hut wieder in der Stadt. Wieder in der TUI Arena. Der Vorverkauf hat schon begonnen.

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