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Dealer nutzt Kopfsteinpflaster als Marihuana-Versteck

Gerichtsprozess in Hannover Dealer nutzt Kopfsteinpflaster als Marihuana-Versteck

Ein 22-Jähriger ist in Hannover wegen Dealerei zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er hatte mehrfach im Steintorviertel Marihuana verkauft. Aufgeflogen war er, weil ihn ein Passant dabei beobachtet hatte, wie er seine Ware zwischen den Ritzen des Kopfsteinpflasters versteckte.

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Tatort Reuterstraße: Hier deponierte der Verurteilte das im Finger eines Gummihandschuhs verpackte Marihuana zwischen den Pflastersteinen.

Quelle: Zgoll

Im Grunde ist das Verfahren nicht sonderlich spektakulär: Ein 22-jähriger Asylbewerber wird im Steintorviertel binnen drei Tagen zweimal beim Hantieren mit Marihuana erwischt. Das Amtsgericht verurteilt Oumar S. – unter Einbeziehung eines Urteils vom Juli wegen einer ähnlichen Tat – zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten und zur Ableistung von 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Eine Besonderheit aber weist der Fall doch auf. Schließlich war es ein Passant, der den Dealer bei seiner „Arbeit“ beobachtete, der sich einmischte und von diesem bedroht wurde. Und es war genau dieser Zeuge, der der Polizei das wichtigste Beweisstück lieferte.

Der 56-Jährige sieht an einem Dienstagnachmittag im Mai, wie sich Oumar S. in der Reuterstraße merkwürdig verhält: Er lässt die abschnittene Fingerhülse eines schwarzen Gummihandschuhs auf das Kopfsteinpflaster fallen und schiebt sie mit dem Fuß in eine Ritze. Da der Passant früher selbst in der Drogenszene unterwegs war, kennt er das Bemühen der Händler um gute Verstecke für ihren Stoff. Als sich der 22-Jährige entfernt, geht der Ältere zu dem Ablageplatz zwischen den Steinen, hebt die Fingerhülse auf. Plötzlich steht S. vor ihm, in bedrohlicher Haltung, schreit ihn an. Der Zeuge gibt Fersengeld, doch S. folgt ihm, holt ein Fahrrad-Spiralschloss aus der Tasche. Erst als ihn der Ältere seinerseits anbrüllt, trollt sich der aus Mali stammende Mann. Der Passant verständigt die Polizei. Die findet wenig später in den Taschen des Dealers zwei weitere abgeschnittene Fingerlinge – leer. Die gefüllte Hülse hat der Zeuge bei seiner Flucht verloren, findet sie aber mit einiger Mühe wieder. Und hier sind tatsächlich 1,32 Gramm Marihuana verborgen.

Zwei Tage zuvor waren zwei Polizisten Am Marstall Zeugen eines Marihuanahandels geworden, hatten S. auf frischer Tat ertappt. Auch hier war die Menge des gefundenen Cannabis gering: 1,36 Gramm.

Vor Gericht musste sich S. wegen gewerbsmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln verantworten. Der Staatsanwalt plädierte für eine Geldstrafe von 1200 Euro, doch das hielt Amtsrichter Burkhard Littger nicht für ausreichend. Zwar habe S. nur mit kleinen Mengen einer weichen Droge gehandelt, doch könne man schon von einer Kette artähnlicher Taten binnen kurzer Zeit sprechen, die entsprechend geahndet werden müsse. Offenkundig, so der Richter, sei der Angeklagte schwer belehrbar.

Der Passant, der großen Anteil an der Aufklärung dieses Falls hatte, begrüßte das seiner Einschätzung nach harte Urteil. Überhaupt scheinen ihn seine eigenen Rauschmittel-Erfahrungen zu einem Kämpfer gegen die Drogenszene verwandelt zu haben: Nach eigenem Bekunden war dies bereits das fünfte Mal, dass er der Polizei einen Tipp zur Ergreifung von Rauschgifthändlern gab. „Man muss nur mit offenen Augen durch das Steintorviertel gehen“, sagt der 56-Jährige, „dann sieht man die Dealer auch.“

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