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Aus der Stadt Dealer soll kiloweise Heroin verkauft haben
Hannover Aus der Stadt Dealer soll kiloweise Heroin verkauft haben
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21:30 27.11.2017
Der Angeklagte Aydin Ö. (l.) bespricht sich mit seinen Anwälten Roman von Alvensleben (M.) und Björn Nordmann. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

 Ein Handel mit Heroin, wie es ihn in dieser Größenordnung in Hannover seit vielen Jahren nicht mehr gegeben hat, steht im Mittelpunkt eines Prozesses, der am Montag am Landgericht begonnen hat. Auf der Anklagebank sitzt der 43-jährige Aydin Ö. Er soll am Steintor ein Café betrieben haben, das ein Treffpunkt für Drogendealer sowie Sympathisanten der kurdischen Arbeiterpartei PKK war; diese gilt als terroristische Organisation. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat der Familienvater zwischen Februar und Oktober 2016 sechsmal mindestens je 500 Gramm Heroin an einen Zwischenhändler aus dem Raum Kassel verkauft , außerdem im Juni 2017 weitere 2075 Gramm. Diese gut zwei Kilo wurden nach mehrmonatigen Observationen, Lauschangriffen und Telefonüberwachungen bei einem polizeilichen Zugriff in Großburgwedel sichergestellt; die meisten Begegnungen der Dealer in der Region Hannover fanden laut Anklage aber im Steintorviertel und in Misburg-Süd statt. 

Auf den hohen Wirkstoffgehalt des beschlagnahmten Heroins von gut 25 Prozent wies Michael Schweigert, Vorsitzender Richter der 12. Großen Strafkammer, hin. Mithilfe einer vierfachen Menge an Streckmittel ergibt dies 8,3 Kilo verkaufsfähiges Heroin, das im Straßenverkauf zwischen 250.000 und 420.000 Euro wert ist. Aydan Ö. wollte für diese Menge 90.000 Euro einstreichen. Nach den Worten Schweigerts liegt das Strafmaß für einen Drogenhandel allein in dieser Größenordnung –sollte er denn bewiesen werden –bei mindestens sieben Jahren. Laut einem Belastungszeugen, dem in Kassel der Prozess gemacht wird, soll Ö. aber noch mit wesentlich größeren Mengen hantiert haben; der Richter nannte diese Mengen „gewaltig“ und untypisch für den Raum Hannover.

Observation in Misburg-Süd

Laut der Zeugenaussage eines leitenden Polizeibeamten wurden die Heroingeschäfte in Hannover, Hofgeismar und Göttingen ausgehandelt. Sie endeten  im Juni 2017 mit der Festnahme von zwei Beteiligten in einer Großburgwedeler McDonald’s-Filiale ; die gut zwei Kilo Heroin steckten in einer Lidl-Tüte. Zuvor waren die Dealer häufig in Spielhalle und Eiscafé eines kleinen Einkaufszentrums an der Anderter Straße observiert worden. Die Zwischenhändler aus der Nähe von Kassel waren einem verdeckten Ermittler der Polizei auf den Leim gegangen; sie hatten diesem zunächst die Lieferung von zehn, später  –für einen Preis von 350.000 Euro – von acht Kilo Heroin zugesagt. Laut Polizei soll Ö. einer Zeugin gegenüber geäußert haben, das Heroin direkt von der PKK zu beziehen; am Ende hatte er aber offenkundig Probleme, derartige Mengen zu beschaffen.

Der 43-jährige Angeklagte hüllte sich am ersten Verhandlungstag in Schweigen. Seine Verteidiger, Roman von Alvensleben und Björn Nordmann, versuchten vergeblich, das Gericht zu einer Aussetzung des Prozesses und einer Entlassung ihres Mandanten aus der U-Haft zu bewegen. Die Kammer hat sieben Verhandlungstage angesetzt, um zu einem Urteil zu kommen. 

Von Michael Zgoll

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