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War Belästigung im Schwimmbad ein Einzelfall?

Nach Vorfall im AquaLaatzium War Belästigung im Schwimmbad ein Einzelfall?

Ein 17-jähriger Afghane soll im AquaLaatzium zwei Mädchen und eine junge Frau sexuell belästigt haben. Ist das nun ein singuläres Vorkommnis? Oder zeugt das, was da im Aqua Laatzium geschehen ist, von einem Zusammenprall zweier Kulturen?

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Im Hallenfreibad am Nassen Berg sind die Verhaltensmaßregeln jetzt auch in arabischer Sprache ausgehängt.

Quelle: Dege

Laatzen/Hannover. AquaLaatzium-Geschäftsführer Carsten Otte bemüht sich nach dem Vorfall, die Wogen zu glätten: Weitere Vorfälle im Zusammenhang mit Flüchtlingen seien ihm bislang nicht bekannt geworden: „Jeder Fall wird sofort der Polizei übergeben, Täter erhalten ein lebenslanges Hausverbot“, sagt er.

Die Polizei kann keine statistischen Angaben zu sexuellen Übergriffen in Schwimmbädern machen, da diese nicht gesondert erfasst werden. „Sexuelle Übergriffe in Bädern sind selten, aber nach meiner Einschätzung sind sie häufiger geworden, seit viele Männer aus anderen Kulturkreisen im Land sind, die mit unseren Umgangsformen nicht vertraut sind“, sagt Horst Kruse, Landesvorsitzender vom Bundesverband Deutscher Schwimmmeister. In den meisten hannoverschen Bädern haben Mitarbeiter allerdings keine Kenntnis von Übergriffen durch Flüchtlinge: Im Ricklinger Bad sind gar keine derartigen Vorfälle bekannt. „Unsere Schwimmmeister sind sehr aufmerksam“, sagt der Vorsitzende des Schwimmvereins Aegir, Gerd Weßling. Sein Verein betreibt das Freibad an den Ricklinger Teichen. Außerdem setzt Weßling an stark frequentierten Tagen einen Sicherheitsdienst ein, der sichtbar über das Gelände patrouilliert. „Das schreckt ab“, sagt er.

Gleichwohl hat der Laatzener Vorfall in Hannovers Ratspolitik Entrüstung ausgelöst. „Der Täter muss bestraft werden, ganz gleich welcher Herkunft er ist“, sagt der sportpolitische Sprecher der CDU, Thomas Klapproth. Einig sind sich die großen Fraktionen darin, dass Übergriffe in Bädern keinesfalls auf einen ausländischen Täterkreis beschränkt sind. „Es gibt leider immer wieder Einzelfälle“, sagt Grünen-Sportpolitiker Mark Bindert, der selbst in einem Schwimmverein engagiert ist. Zugleich beobachte er, dass Bademeister schnell eingreifen, wenn es nötig sei. „Neue Baderegeln brauchen wir nicht“, sagt er.

In Münchner Schwimmhallen hängen seit einiger Zeit Benimmregeln und comichafte Illustrationen aus. „Keine verbale und körperliche sexuelle Belästigung gegenüber Frauen“ ist unter anderem darauf zu lesen, illustriert mit einer gezeichneten Frau im Bikini und einer durchgestrichenen Hand, die sich ihr nähert.

Auch in der Region Hannover stellen sich die Bäder auf die wachsende Zahl von Flüchtlingen ein: Im Burgdorfer Hallenfreibad hängen seit einigen Wochen Baderegeln auch auf Arabisch aus, und auch im Aqua Laatzium sind inzwischen Hinweise auf Arabisch, Englisch und Französisch angebracht worden. Hinweise auf sexuelle Normen sind allerdings nicht darunter – es gehe vor allem um die Badesicherheit, sagt Otte: Es sei auffällig, dass sich männliche Heranwachsende oft besonders wild gebärdeten, etwa indem sie vom Beckenrand direkt neben badende Mädchen springen. „Und außerdem können 40 bis 50 Prozent der Gäste mit Migrationshintergrund nicht schwimmen.“

"Nicht spezifisch für Flüchtlinge"

Alltägliche Gewalt: Nach dem sexuellen Übergriff im Aqua Laatzium warnt die Fachberatungsstelle Violetta davor, Flüchtlinge pauschal zu verdächtigen: „Wir haben keine erhöhten Anfragen im Zusammenhang mit Flüchtlingen zu verzeichnen“, sagt Violetta-Geschäftsführerin Barbara David. Ihre Einrichtung kümmert sich um sexuell missbrauchte Mädchen. „Sexualisierte Gewalt ist leider alltäglich – das ist allerdings seit Jahren so, und es ist nicht spezifisch für Flüchtlinge.“ Im Sportbereich, auch in Bädern, seien immer wieder Übergriffe zu verzeichnen, sagt David. Sie halte es für sinnvoll, in Bädern Piktogramme oder Verhaltensregeln in verschiedenen Sprachen aufzuhängen. „Und es ist wichtig, dass andere Badegäste und Schwimmmeister sensibel auf Klagen von Opfern reagierten und mutmaßliche Täter zur Rede stellten.“

Von Simon Benne, Mathias Klein, Andreas Schinkel und Johannes Dorndorf

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