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Aus der Stadt Stadt erwartet nächstes Jahr 7000 Flüchtlinge
Hannover Aus der Stadt Stadt erwartet nächstes Jahr 7000 Flüchtlinge
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00:24 23.08.2015
Von Gunnar Menkens
Unterkunft auf Zeit: Einzige Flüchtlingsunterkunft in Kirchrode ist das ehemalige Seniorenheim der AWO in der Zweibrückenerstraße, das bald abgerissen werden soll. Quelle: (Foto: Katrin Kutter)
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Hannover

Berlin hatte die für Deutschland erwartete Flüchtlingszahl für das aktuelle Jahr von 450.000 auf 800.000 drastisch angehoben, 74.900 von ihnen nimmt Niedersachsen auf. Gestern war noch unklar, wie hoch Hannovers neuer Anteil bemessen sein wird. „Wir haben noch keine neue Quote zugewiesen bekommen“, sagte ein Rathaussprecher. Derzeit leben 3200 Asylbewerber in Hannover, weitere 2000 kommen bis Ende 2015 dazu, bis zwölf Monate später die Zahl von 7000 Flüchtlingen erreicht wäre.

Die Nachricht aus Berlin trifft die Stadt in einer Zeit, in der die Skepsis bei vielen Anwohnern wächst. Informiert die Verwaltung auf Informationsabenden in Stadtteilen über Pläne für weitere Flüchtlingsunterkünfte, sind die Säle regelmäßig voll besetzt. Immer stärker in den Vordergrund rückt dabei die Frage, ob die Unterkünfte innerhalb des Stadtgebietes angemessen und gerecht verteilt sind. Gemeint ist oft: Bei uns in der Gegend geht nichts mehr.

Im Stadtbezirk Kirchrode-Bemerode-Wülferode wird diese Debatte gerade geführt. Anwohner beklagen, dass die Stadt allein im Norden des Wohngebiets Kronsberg (rund 7300 Einwohner) vier Unterkünfte plane, Hotels und Container auf einer Strecke von wenigen Hundert Metern. Im benachbarten, wohlsituierten Kirchrode (11.698 Einwohner) dagegen existiere nur ein einziges Heim, das zudem in zwei Jahren geschlossen werde. Ein Anwohner sagt: „Vier Unterkünfte überfordern massiv die Integrationsfähigkeit des Stadtteils. Bei den Bewohnern erzeugt das sehr viel Unverständnis und Unmut und das Gegenteil von freundlicher Willkommenskultur.“ Bundesweit werde bei der Verteilung der Flüchtlinge auf die Länder auch auf die Finanzkraft der Einwohner geachtet - der sogenannte Königsteiner Schlüssel -, in Hannover dagegen habe man das Gefühl, gerade die gut situierten Stadtteile würden verschont.

Wenn im Zooviertel nur 30 aller 3200 in der Stadt untergebrachten Flüchtlinge leben, spricht sich das herum. Nicht nur bis Groß-Buchholz, wo mehr als 700 Menschen im früheren Oststadtkrankenhaus leben. In dem Bezirk sollen Asylbewerber an sechs weiteren Standorten leben, in Containern, Wohnungen und in Heimen. Die Stadt kratzt zusammen, was es an freien Flächen gibt. Etliche Nachbarn dagegen sorgen sich um steigende Kriminalität, obwohl es dafür keine Belege gibt. Andere fürchten, als Bürger auf der Strecke zu bleiben, wie jüngst in einer Versammlung, wo es hieß, Millionen würden für Unterkünfte ausgegeben, aber der Roderbruchmarkt bleibe unsaniert. Solche Aufrechnungen gehören ebenso zur Flüchtlingsdebatte wie die Zahlen aus anderen Stadtvierteln.

Nun kommen 2016 mindestens 2000 weitere Flüchtlinge. Wenn die Stadt die begonnene Verteilungsdebatte nicht überzeugend moderiert, könnte aus der Debatte ein Verteilungskampf werden. Für die Stadtspitze dürfte die Debatte bedeuten, dass sie in Zukunft noch klarer erklären muss, warum ein Standort ausgewählt und ein anderer verworfen wurde. Politiker haben die Stimmung in Teilen der Bevölkerung aufgenommen. So etwa, als der Sozialdemokrat Gerd Andres vor Kurzem in der HAZ erklärte: „Ich finde es nicht anrüchig, wenn man darüber diskutiert, wie viele Standorte ein Stadtbezirk verkraften kann.“ Und die Fraktionsvorsitzende der CDU in Döhren-Wülfel, Gabriele Jakob, erklärte entschieden: „Das ist viel zu viel, das wird dieser Stadtteil nicht verkraften.“ Da hatte sie eben erfahren, dass die Stadtverwaltung allein für Mittelfeld fünf Standorte ins Auge gefasst hat.

Welche Möglichkeiten gibt es vor Ort?

Ein Stadtsprecher sagte am Donnerstag, die Verwaltung verteile Flüchtlingsunterkünfte gleichmäßig über das ganze Stadtgebiet. „Man muss aber berücksichtigen, welche Möglichkeiten es vor Ort gibt.“ Es gehe auch darum, welche Gebäude das Rathaus angeboten bekomme und wo städtische Grundstücke zur Verfügung stünden.

Eine exakte Schätzung über unterzubringende Asylbewerber ist nach Darstellung der Stadt schwierig, weil viele Flüchtlinge die Stadt zwischenzeitlich verließen. Bisher bekam die Landeshauptstadt 6,7 Prozent aller niedersächsischen Asylbewerber zugewiesen. Für das Umland Hannovers gilt eine Quote von 7,7 Prozent. Maßstab sind die Einwohnerzahlen. Diese Quote wird neu berechnet, weil sie noch Daten vom November 2014 berücksichtigt. Unabhängig davon vermutet ein Insider im Rathaus, dass die Zahl von 7000 Menschen, angepeilt für Ende 2016, „wohl nicht zu halten sein wird“.

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