Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Böllerverbot: „Grober Unfug“ oder richtiger Vorstoß?
Hannover Aus der Stadt Böllerverbot: „Grober Unfug“ oder richtiger Vorstoß?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 16.02.2017
Viel Rauch um nichts? Die Idee der Grünen wird heftig diskutiert. Quelle: Tobias Kleinschmidt
Hannover

Die Bilder gleichen sich am Ende eines jeden Jahres: Leuchtkugeln und Raketen fliegen auf dem Kröpcke, dem Opernplatz und auch auf diversen Stadtteilplätzen nicht nur in den Neujahrshimmel, sondern auch in Menschenmengen. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser haben alle Hände voll zu tun, und auch für die Polizei bedeutet die Silvester-Böllerei jedes Jahr eine Menge Arbeit. Die Feinstaubkurve schlägt deutlich nach oben aus, insbesondere, wenn Wind und Witterung ungünstig sind. Warum also nicht die schädliche Silvesterböllerei eindämmen, haben sich die Grünen in Hannover gefragt. Bestimmte Zonen in der Stadt sollten von der Knallerei verschont bleiben, meinen sie. Möglicherweise könne das Silvesterfeuerwerk in Stadtbezirken zentralisiert und von Profi-Feuerwerkern abgebrannt werden. Aus Sicht der Feuerwehr kann man dem Vorstoß durchaus etwas abgewinnen - aber in der Ratspolitik sind die Meinungen geteilt.

Weniger Risiken bei Profi-Böllerei

Für Rettungskräfte bedeutet die Silvesternacht stets Hochbetrieb. 718 Einsätze koordinierte die Regionsleitstelle beim jüngsten Jahreswechsel, der Rettungsdienst rückte zu 247 Notfalleinsätzen aus, die Feuerwehr musste 99 Brände bekämpfen. Spielverderber will Feuerwehrsprecher Michael Hintz zwar nicht sein. „Wir wollen natürlich niemanden bei dem privaten Feuerwerk zu Silvester einschränken“, sagt er. Fachlich aber sei richtig: „Ein Feuerwerk aus professionellen Händen würde viele Risiken in der Silvesternacht minimieren.“

Auch die Rats-SPD hält die Initiative durchaus für bedenkenswert. „Die Frage nach Einschränkungen für die Silvesterböllerei geht in Ordnung. Wir müssen uns aber über die rechtlichen Möglichkeiten klar werden“, sagt SPD-Fraktionsvize Jens Menge. Ein Schnellschuss sei unangebracht. Ein zentrales Feuerwerk für ganz Hannover hält er für schwierig, die Idee der Grünen, in den Stadtbezirken eigene Profi-Feuerwerke abzubrennen, eher für praktikabel: „Die Leute wollen doch vor Ort in ihrem Stadtteil feiern.“

Die CDU kann sich vorstellen, zumindest die Zeitspanne für die Böllerei zu beschränken, etwa auf wenige Stunden rund um Mitternacht. „Aber grundsätzlich sollte die Tradition des Silvesterfeuerwerks nicht verboten werden“, sagt CDU-Fraktionsvize Kerstin Seitz. CDU-Bezirkspolitiker Gerd Sommerkamp stichelt auf den Grünen-Vorschlag hin, er verstehe nicht, ob es plötzlich guten Feinstaub (von öffentlichen Großfeuerwerken wie in Herrenhausen) und schlechten Feinstaub (von privaten Raketen) gebe.

Auch bei der FDP herrscht Kopfschütteln. „Die Grünen sind Spaßbremsen“, haut FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke in die beliebte Kerbe. Engelke hält ein Verbot auch nicht für durchsetzbar. „Sollen die städtischen Ordnungshüter um Mitternacht losziehen und Strafzettel verteilen?“, fragt er. Für die Fraktion Linke/Piraten ist der Vorstoß der Grünen „grober Unfug“. Fraktionschef Dirk Machentanz meint: „Wenn auf einem zentralen Platz geböllert wird, wird es noch gefährlicher für die Menschen.“ Alle stünden dicht zusammen, und die Gefahr, von Feuerwerkskörpern erwischt zu werden, steige. Die AfD lehnt den Vorstoß ebenfalls ab. Damit schärften „die Grünen eindrucksvoll ihr Profil als Verbotspartei“, findet Fraktionschef Sören Hauptstein: „Die aktuelle Gesetzeslage ist meines Erachtens vollkommen ausreichend.“

Das Sprengstoffgesetz allerdings schreibt nur pauschal vor, dass der Schutz von Leben, Gesundheit und Sachen auch beim Einsatz von Pyrotechnik gewährleistet bleiben soll. Die einzige echte Einschränkung findet sich in der 1. Verordnung zum Gesetz, die das Böllern „in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern“ verbietet. Beim Land betont Uwe Hildebrandt vom Sozialministerium, dass die Kommunen zuständig seien - denen wolle man nicht reinreden. Bei der Stadt sagt Sprecher Udo Möller: „Diskutieren kann man alles - aber am Ende müsste ein Verbot kontrolliert werden, und daran würde es wohl scheitern.“

Einer von denen, die die Diskussion angeschoben hatten, ist der Döhrener Grünen-Bezirksratsherr Michael Rinker. Im Stadtteilgremium ist seine Initiative zwar an der Mehrheit gescheitert. Er lässt sich davon aber nicht unterkriegen: In den vergangenen Jahrzehnten sei schon so vieles, was in Stein gemeißelt schien, über Bord gegangen - warum nicht auch die grenzenlose und umweltgefährdende Knallerei?

In vielen Innenstädten gibt es Feuerwerksverbote

In zahlreichen deutschen Städten gibt es bereits ein Feuerwerksverbot. In der Regel gilt das für Innen- oder Altstadtbereiche – meist da, wo es viele Fachwerkhäuser oder Reetdächer gibt. In Niedersachsen gilt das etwa in Bad Gandersheim, Celle, Duderstadt, Einbeck, Goslar, Göttingen, Hann. Münden, Hessisch Oldendorf, Hildesheim, Northeim, Osterode und Wolfenbüttel. Bundesweit ist Feuerwerk in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern verboten. Auf Sylt, Amrum und Spiekeroog gelten wegen der Reetdächer ganzjährige Böllerverbote. Ebenso im Harz. Hier ist der Schutz der Tierwelt der Grund.

Auch im bayerischen Straubing galt zum vergangenen Silvester erstmals ein Feuerwerksverbot in der Innenstadt. Grund war der Brand des Rathauses im November. Auch in der Tübinger Innenstadt darf kein Feuerwerk mehr gezündet werden. Beim Jahreswechsel 2008/2009 war dort ein Fachwerkhaus am Marktplatz durch eine Rakete in Brand geraten. Auch in der Würzburger Innenstadt und auf der alten Mainbrücke sind Böller und Raketen verboten. 

In den Niederlanden hatten zu Silvester 2016 insgesamt 56 Gemeinden feuerwerksfreie Zonen eingerichtet – 30 mehr als im Jahr zuvor.

Von Andreas Schinkel, 
Conrad von Meding 
und Michael Zgoll

Nachdem ein 41-Jähriger sich im Herbst auf einem städtischen Bolzplatz den Fuß verletzt und vor Gericht Schadenersatz erstritten hatte, leiden zahlreiche Kinder in Hannover noch immer unter dem Urteil. Die Stadt richtet seither die Spielflächen wieder her, um die Sicherheit zu garantieren. 40 Plätze sind noch immer gesperrt – und die Politik wird ungeduldig.

Andreas Schinkel 16.02.2017

Die Serie von Brandstiftungen in Kleingartenkolonien in Linden-Mitte und Badenstedt ist länger als bislang bekannt. Die Polizei war von neun Fällen seit Mitte Dezember ausgegangen. Nun wurde ein zehnter Fall gemeldet.

Tobias Morchner 13.02.2017

Rund 50 Studenten der Hochschule Hannover stellen mehr als 200 eigene Bilder aus und bieten sie in einer stillen Auktion auch zum Verkauf. Der Reiz für die Besucher liegt darin, am Ende ein Original nach Hause zu tragen.

Bärbel Hilbig 13.02.2017