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Keine Klarheit über Hinrich Wilhelm Kopf

Beirat vertagt Votum erneut Keine Klarheit über Hinrich Wilhelm Kopf

Der Beirat zum Überprüfen von Straßennamen auf Nazi-Vergangenheit hat sein Votum zu Hinrich Wilhelm Kopf erneut vertagt. Nach Darstellung von Teilnehmern hat es intensive Debatten darüber gegeben, wie man überhaupt zu einem Ergebnis kommen will.

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Heikles Thema: der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz.

Quelle: dpa

Hannover. Laut Satzung muss ausdrücklich Einvernehmen hergestellt werden. Der Ton soll konstruktiv, aber durchaus engagiert gewesen sein. In dem Gremium, das von der Stadt berufen wurde, treffen Verfechter einer Löschung des Straßennamens auf Verfechter einer weniger radikalen Lösung. Kulturdezernentin Marlis Drevermann, die der Runde vorsteht, sagte am Dienstag, es werde wohl kein einmütiges Votum geben - aber das sei angesichts des komplexen Themas nicht schlimm.

Mit Hinrich Wilhelm Kopf, dem ersten Ministerpräsidenten Niedersachsens, hat sich der Beirat gleich zu Beginn das schwerste Thema vorgenommen. Nicht nur wegen der Popularität von Kopf, sondern auch, weil die Diskussion um seine umstrittene Vergangenheit mittlerweile politisch sehr aufgeladen ist. Eine Doktorarbeit hat nachgewiesen, dass Kopf sich während der Nazi-Zeit am Vermögen von Juden bereichert hat.

400 Straßennamen will der Beirat insgesamt prüfen - doch mittlerweile ist die dritte Sitzung des Beirats verstrichen, ohne dass es zu einem einzigen Namen ein Votum gibt. „Alle geben sich Mühe, den schwierigen Fall ausgewogen zu diskutieren“, sagte Dezernentin Drevermann gestern. Ohnehin sei aller Anfang schwer: „Wir erarbeiten uns jetzt ja auch das Augenmaß, das für alle anderen Fälle nötig ist.“ In seiner jüngsten Sitzung habe das Gremium sich auch mit der Frage beschäftigt, wie mit der Forderung nach Einvernehmen umzugehen sei - und eine klare Vereinbarung getroffen. „Der Beirat bildet ein Spektrum der Stadtgesellschaft ab - es müssen nicht alle die gleiche Haltung haben.“ Daher könne der vom Beirat am Ende verabschiedeten Einschätzung zu einer Person durchaus auch ein Minderheitenvotum mit abweichender Einschätzung beigefügt werden. „Das würden wir gut aushalten, und es befördert ja auch die Transparenz“, sagt Drevermann.

Dem Beirat gehören unter anderem die Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften und Historiker an. Er soll im Auftrag der Stadt die etwa 400 Fälle untersuchen, in denen Straßennamen nach Persönlichkeiten benannt sind, die 1933 volljährig waren. Das Gremium gibt aber nur Empfehlungen ab - die Entscheidung, ob einem Namen die Ehrung einer Straßenbenennung entzogen wird, muss der Bezirksrat oder, bei überregional wichtigen Straßen, der Rat treffen. Geprüft werden auch Ehrengräber und Namen von Institutionen, etwa Schulen.

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"Mitwirkung in Unrechtsregime"
Hinrich Wilhelm Kopf wurde 1946 der erste Ministerpräsident in Niedersachsen und gilt als Gründungsvater des Landes. Die Debatte um die Umbenennung des Platzes vor dem niedersächsischen Landtag war aufgekommen, weil Kopf sich in der NS-Zeit auf Kosten verfolgter Juden bereichert hatte.

Anfang Februar will Hannovers neuer Straßennamenbeirat eine Empfehlung zum Umgang mit dem Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz geben. Das Gremium hat am Montagabend erstmals getagt und das weitere Vorgehen abgestimmt.

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