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Debatte vorbei: Klinikumskonzept beschlossen

Entscheidung der Regionsversammlung Debatte vorbei: Klinikumskonzept beschlossen

Das Krankenhaus Großburgwedel soll am bisherigen Standort neu gebaut werden, das Lehrter Klinikum bleibt erhalten und soll aufgewertet werden. Das hat die Regionsversammlung am Dienstag einstimmig bei einer Enthaltung beschlossen.

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Hannover. Der große Tusch blieb aus in der Regionsversammlung, schließlich stand das, was am Ende beschlossen wurde, längst in der Zeitung. Und doch war Erleichterung spürbar. Einstimmig, bei Enthaltung eines Fraktionslosen, beschloss das Gremium das am Wochenende ausgehandelte Kompromisspapier zum Klinikum Region Hannover (KRH).

Der Kompromissantrag, den SPD, CDU und Grüne nach langem Hin und Her ausgearbeitet hatten, legt fest, dass Großburgwedel einen Neubau auf dem Gelände der bisherigen Klinik bekommen soll. Zusätzlich zum bisherigen Angebot erhält das Haus eine sogenannte Stroke Unit für die schnelle Behandlung von Schlaganfallpatienten, außerdem soll es eine Spezialabteilung für Herzkatheterpatienten geben. Lehrte soll, anders als ursprünglich geplant, sein Krankenhaus samt Innerer Medizin, Chirurgie und Notaufnahme nicht nur behalten. Die Geschäftsführung soll zudem den Aufbau eines Schwerpunkts für Wirbelsäulenerkrankungen prüfen. Außerdem wünscht sich die Mehrheit der Versammlung für Lehrte ein geriatrisches Zentrum. All das soll die Geschäftsführung in ein förderfähiges Konzept gießen.

Eben diese Förderfähigkeit könnte jedoch zum springenden Punkt werden. Vor gut anderthalb Jahren, als die Klinikums-Geschäftsführung ihre „Medizinstrategie 2018“ präsentierte, hatte das beim Land zuständige Sozialministerium deutlich gemacht, dass Fördergelder durchaus realistisch seien – sofern beim Klinikum der ernsthafte Wille nach Veränderungen erkennbar sei. Ob das Land diesen Willen angesichts der Beschlüsse der Regionsversammlung noch sieht, ist indes fraglich. Im Klinikum jedenfalls herrscht durchaus große Skepsis. Denn wenn es nach der Geschäftsführung gegangen wäre, wäre eine der Kliniken geschlossen worden.
Die ersten Stellungnahmen der maßgeblichen Akteure fallen höflich, aber nichtssagend aus. Etwa die der Geschäftsführung des Klinikums: Man freue sich, dass es eine breite Mehrheit gebe, sagt Geschäftsführer Matthias Bracht. Und mit Blick auf die notwendige finanzielle Förderung sei auch weiterhin ein Konsens in der Politik nötig.

Die Standorte im Überblick

Die Standorte im Überblick

Quelle: haz

Auswirkungen auf die Standorte

1. Krankenhaus Neustadt: Keine größeren Änderungen. Die Klinik ist beliebt, die Abläufe funktionieren. Verbesserungen soll es in der Notaufnahme geben.

2. Wunstorf: Dort sind psychiatrische Abteilungen untergebracht. Diese blieben vom Medizinkonzept weitgehend unberührt.

3. Gehrden: Das Klinikum Robert Koch musste das Springer Krankenhaus komplett integrieren. Anschließend wurde Springe geschlossen. Gehrden erhält jetzt zusätzlich eine Geriatrie. Gemeinsam mit dem Siloah und Großburgwedel bildet Gehrden ein Schwerpunktzentrum für Urologie.

4. Springe: Das Springer Krankenhaus ist geschlossen. Übrig geblieben ist dort jetzt nur noch eine Notfallaufnahme mit sechs Notfallbetten. Patienten aus Springe sollen sich in Gehrden behandeln lassen.

5. und 6. Langenhagen: In Langenhagen betreibt das Klinikum eine Psychiatrie und eine Geriatrie. Die beiden Standorte sind von der Medizinstrategie nicht direkt betroffen.

7. Großburgwedel: Die Geschäftsführung wollte anstelle der Krankenhäuser Burgwedel und Lehrte den Neubau auf einer grünen Wiese. Jetzt soll das Krankenhaus Burgwedel am derzeitigen Standort neu gebaut werden. Dann soll es dort auch eine sogenannte Stroke Unit für die Behandlung von Schlaganfallpatienten und eine Abteilung für Herzkathederpatienten geben.

8. Nordstadtkrankenhaus: Die Geburtshilfe am Nordstadtkrankenhaus ist geschlossen worden, die Gynäkologie wurde ins Siloah-Krankenhaus ausgelagert. An einer Verbesserung der Situation der Notaufnahme arbeitet das Klinikum. Unter anderem werden Patienten jetzt direkt nach ihrer Ankunft nach bestimmten Kriterien beurteilt, um die Dringlichkeit der Behandlung einzuordnen. Das Problem mit dem neu gebauten Bettenhaus, das wegen eines Wasserschadens nicht in Betrieb gehen kann, ist noch nicht gelöst. Derzeit laufen Verhandlungen mit den Versicherungen. Im Klinikum heißt es, es habe sich bei dem Wasserschaden um Sabotage gehandelt.

9. Siloah: Die Inbetriebnahme des neu gebauten Krankenhauses Siloah war einer der wichtigsten Punkte der Medizinstrategie. Im Siloah wird unter anderem ein Schwerpunkt für Krebserkrankungen aufgebaut. Zudem ist das Krankenhaus Schwerpunktzentrum für Lungenerkrankungen. Die entsprechende Station ist bereits vergrößert worden.

10. Laatzen: Das Klinikum Agnes Karll soll zu einem Endoprothetik-Zentrum für den Einsatz künstlicher Gelenke aufgebaut werden. Start soll in der zweiten Hälfte dieses Jahres sein.

11. Lehrte: Nach dem Beschluss der Regionsversammlung soll das Lehrter Krankenhaus erhalten bleiben – mit rund 200 Betten. Die Geschäftsführung bevorzugte die Schließung von Lehrte und einen Neubau auf der grünen Wiese, gleichzeitig auch als Ersatz für Burgwedel. Jetzt soll Lehrte aber eine Geriatrie erhalten. Zudem schlagen die Politiker vor, dort eine Spezialabteilung für die Behandlung von Wirbelsäulenschäden einzurichten.

Das niedersächsische Sozialministerium wiederum sagt, man erkenne die Anstrengungen der Region, das Klinikum wirtschaftlich zu sichern, an. Zu einer möglichen Förderung könne man jedoch ohne konkrete Pläne nichts sagen. Gefördert würden nur Projekte, die eine „zukunftsfeste, gut erreichbare medizinische Versorgung“ der Menschen sicherstellten. Gut erreichbar wären die Kliniken nach den Plänen der Regionsversammlung. Aber auch zukunftsfest?
Davon, dass die Aussichten auf Verwirklichung reichlich vage sind, lassen sich die Mitglieder der Regionsversammlung nicht irritieren. Nacheinander treten die Vorsitzenden und die Experten der Fraktionen ans Mikrofon und loben jeweils die anderen Fraktionen für die große Gesprächsbereitschaft und dann vor allem ihre eigene Partei für die bisherige Haltung. Paul Krause (SPD) sagt an die Adresse der CDU, dass man das Ganze schon viel früher hätte erreichen können, „ohne Blitz und Donner“. Und dass die Region den Umstrukturierungsprozess des Klinikums auch weiterhin finanziell fördern müsse. Doris Klawunde (Grüne) sagt, sie freue sich, dass die CDU nun den Weg der Spezialisierung mitgehe. Und Oliver Brandt (CDU) betont, dass die CDU schon immer für den Erhalt der beiden Standorte gewesen sei. Das zu betonen ist wichtig, bald ist Wahl.

Jagau: "Gut, aber anspruchsvoll"

Und dann äußert sich auch erstmals seit dem vergangenen September Regionspräsident Hauke Jagau, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrats ist. Jagau spricht von einer „guten Lösung“, schränkt aber ein, dass es sich um „anspruchsvolle Voraussetzungen“ handele.

Aber dann ist da noch Willi Franz. Er hat sich an diesem Tag auf den Weg in die Regionsversammlung gemacht und sich für die Bürgerfragestunde gemeldet. Franz erzählt also, dass er aus Springe kommt. Und er sagt, dass man den Springern das Krankenhaus weggenommen hat. Doch selbst für die Notaufnahme, die es immerhin noch gibt, fehlten die Hinweisschilder, sie seien verschwunden. Aber um neue Schilder für die Notaufnahme kümmere sich einfach niemand, sagt Franz, und er klingt richtig ärgerlich.

Warum, klingt in den Fragen mit, haben die Politiker in Springe durchgezogen, wovor sie nun zurückschrecken?
Das sagt ihm niemand.

Ein Kommentar von Mathias Klein

Solch eine Harmonie hat es schon lange nicht mehr in der Regionsversammlung gegeben: Zwei Jahre stritten sich die großen Parteien um den richtigen Weg beim Klinikum – jetzt liegen sich die ehemaligen Streithähne glückselig in den Armen. Und nebenbei versucht jede Partei, für sich in Anspruch zu nehmen, man habe es so schon immer gewollt, wie es jetzt gekommen ist. Trotzdem soll die Harmonie – zumindest beim Thema Klinikum – erst einmal so anhalten. Das zeitliche Ziel ist die Kommunalwahl am 11. September, alle scheuen sich vor einer Auseinandersetzung im Wahlkampf zum Thema Krankenhäuser. Denn seit der Schließung von Springe schrecken alle Politiker davor zurück, auch nur über die Schließung von ein oder zwei Krankenhäusern laut nachzudenken, auch wenn es dann wesentlich mehr Fördergelder für den Bau einer neuen Klinik geben würde.

Aber die Entscheidung am Dienstag ist nicht das Ende der Geschichte und sie ist nicht das Ende des Streits um das Klinikum. Spätestens direkt nach der Wahl wird die Debatte losgehen, wie es mit dem verlustreichen Nordstadtkrankenhaus weitergehen wird. Und wenn die Politiker sehen, wie viel Geld die Region aus Steuermitteln für die Krankenhäuser in Großburgwedel und Lehrte dazu schießen muss – dann ist es mit der Harmonie vorbei.

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