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Dem Schützenfest rennen die Besucher weg

Schlechte Zahlen Dem Schützenfest rennen die Besucher weg

Das hannoversche Schützenfest leidet unter starkem Besucherschwund. Organisator Klaus Timaeus hofft, bis zum Ende am Sonntag die Marke von einer Million Besucher zu knacken. In den vergangenen Jahren kamen nach offiziellen Angaben im Schnitt 1,5 Millionen auf das größte Schützenfest der Welt. Muss sich die Veranstaltung verändern?

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Die große Leere: So wie am Freitagnachmittag sah es in dieser Woche häufig aus auf dem Schützenfest.

Quelle: Dillenberg

Hannover. Ausnahme war lediglich das vorige Jahr: Damals kamen etwa eine Million Besucher. 2015 war es während des Schützenfestes sehr heiß. All diese Zahlen sind allerdings stets mit Vorsicht zu genießen, beruhen sie doch auf Schätzungen der Veranstalter.

Auf der Suche nach Gründen verweist Stadtsprecherin Konstanze Kalmus neben der Fußball-Europameisterschaft auch auf das Wetter und die Sommerferien. Allerdings hat die Stadt erkannt, dass erneut Veränderungen beim Fest nötig sind, um die Attraktivität zu steigern. „Es gibt immer Optimierungsbedarf“, sagt Kalmus. Bereits vor fünf Jahren sei überlegt worden, wie das Schützenfest besser „in das Herz der Stadt“ verankert werden könne. Das sei gelungen.

Derzeit werde an Ideen für eine Steigerung der Attraktivität gearbeitet. Die neuen Konzepte lägen jedoch noch nicht vor. Wie berichtet soll der städtische Eventmanager Ralf Sonnenberg Timaeus als Cheforganisator des Schützenfestes ablösen.

Zu viel Party, zu wenig Rummel?

Diesen Neuanfang fordern auch verschiedene Mitglieder des Rates. Aus ihren Reihen heißt es, es fehle an preiswerten Fahrgeschäften, wie es sie beim Frühlingsfest oder beim Oktoberfest gebe. „Das Schützenfest hat zu viel Party-Charakter, es fehlt der Rummel-Charakter“, sagt einer von ihnen.

Philipp Aulich vom Brauhaus Ernst August, der am Rondell in der Platzmitte das Brauhaus-Zelt betreibt, sieht die Zukunft dagegen eher in einem stärkeren Engagement der hannoverschen Wirte. „Den Multiplikatoreffekt darf man nicht unterschätzen. Die Gastronomen ziehen ihre Leute mit auf das Fest. Das Brauhaus-Publikum kommt in diesen Tagen zu uns auf das Schützenfest.“ Das Maschseefest nutze unter anderem diesen Effekt, um das Publikum anzulocken. Auch Aulich wünscht sich neue Ideen für das Volksfest. Für viele Besucher sei es nicht attraktiv, fünf oder sechs Buden mit dem immer wieder gleichen Angebot zu sehen. Stattdessen könnte man beispielsweise darüber nachdenken, eine Ecke des Schützenplatzes mit einer Messe zu bestücken, „die thematisch passt wie zum Beispiel die Pferd & Jagd“.

In diesem Jahr setzt Organisator Timaeus noch auf das Wochenende: An den Abschlusstagen werde erfahrungsgemäß der meiste Umsatz gemacht, sagt er. Dem Fest komme dabei zugute, dass die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft ausgeschieden sei. Anstatt den Sonntagabend vor dem Fernsehgerät oder beim Public Viewing zu verbringen, könnte es viele Hannoveraner nun auf das Festgelände ziehen, hofft er.

Die Masse der Festbesucher sei allerdings nicht entscheidend, meint Timaeus. „Man sollte ein Fest nicht an der Masse der Besucher messen.“ Ihm seien die Zufriedenheit der Besucher des Schützenfestes und die Vielfalt auf dem Platz wichtiger.

„Vielleicht sind die Leute übersättigt“: Das sagen die Schausteller

Als „miserabel“ bezeichnet Standbesitzer Manuel Bern die Beucherzahl auf dem Schützenplatz. Seit etlichen Jahren verkauft er in seinem Imbiss heißen Schafskäse im Fladenbrot. In den vergangenen zehn Jahren habe die Zahl der Besucher auf dem hannoverschen Volksfest kontinuierlich abgebaut, sagt er. „Alles wird teurer“, begründet er diese Entwicklung – so auch die Waren, die er für die Zubereitung seines Produkts benötigt. „Die Leute wollen einfach nicht mehr so viel Geld ausgeben“, sagt Bern. Lediglich an den Wochenenden und am Mittwoch, dem Familientag, seien die Besucherzahlen noch gut.

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Gleiches gilt für den Gastronomie-Stand von Christa Vorlop, der nach Aussage eines Mitarbeiters seit 60 Jahren auf dem Schützenfest dabei ist. „Seitdem es den Euro gibt“ sei der Ansturm auf das Schützenfest zurückgegangen, sagt der junge Mann am Tresen. Die Gastronomie komme zwar noch besser an als die Fahrgeschäfte – jedoch müssten die Leuten eben erst einmal auf das Fest kommen. Am Schießstand von Marina und Stephan Weber ist man mit dem Besucherrückgang seit Jahren von anderen Volksfesten vertraut. Die Schaustellerfamilie ist in diesem Jahr erstmals auf den Hannoverschen Festplatz gekommen. Dass Besucher den Volksfesten fern blieben, sei nicht nur beim hiesigen Fest zu beobachten, sondern überall, sagt Marina Weber. „Es ist ein Wandel der Zeit“, pflichtet ihr Standbetreiber Stephan Weber bei. Auch die Fülle an Festen in Hannover sei „brutal“. Mit dem Frühlingsfest, Schützenfest, Maschseefest, Oktoberfest und Weihnachtsmarkt gibt es beinahe das ganze Jahr über einen Grund zum Feiern. „Das kenne ich so gar nicht. Vielleicht sind die Leute auch einfach übersättigt“, mutmaßt die Schaustellerin.

„An starken Tagen ist es immer gleich geblieben“, berichtet DRK-Bereitschaftsleiter Florian Peters. Einbußen bei den Besucherzahlen würden sich besonders wochentags zwischen 14 und 18 Uhr bemerkbar machen. „Die Leute haben nicht mehr so viel Geld. Es ist auch relativ teuer auf dem Platz“, fasst er die Situation zusammen. „Da überlegt man sich als Familie schon, ob man hingeht.“ Ein Rückgang der Besucher ist auch schon in der „Las Vegas Star Gambling Hall“ von Jacqueline Rasch aufgefallen. „Das Problem ist natürlich die Fußball-EM“, sagt dort der Mann an der Kasse. Für die Geschäfte der Schausteller dort gelte aber: „Es könnte immer mehr los sein.“

Von Uwe Janssen, Mathias Klein und Nils Oehlschläger

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