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Plenargebäude

Denkmalkommission kritisiert Abrissplan für Landtagsbau


Die erst vor wenigen Monaten vom Kulturminister eingesetzte Landesdenkmalkommission hat „große Bedenken“ gegen die Pläne zum Abriss des Plenarsaalgebäudes am Landtag geäußert. Sie warnt vor einer „Aushöhlung der kulturpolitischen Glaubwürdigkeit“.
Abriss oder Umbau: Für das Plenargebäude am Leineschloss will der Landtag sein Denkmalgesetz aushebeln.

Abriss oder Umbau: Für das Plenargebäude am Leineschloss will der Landtag sein Denkmalgesetz aushebeln.

© Michael Thomas

In einem Brief an Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU) und zahlreiche Politiker aller Fraktionen hat die 18-köpfige Landesdenkmalkommission vor „erheblichen und weitreichenden Auswirkungen auf den Denkmalschutz in Niedersachsen“ gewarnt, falls der Landtag tatsächlich sein eigenes Denkmalgesetz umgeht und den unter Schutz gestellten Nachkriegsbau abreißt. Die Entscheidung für den Brandbrief sei einvernehmlich gefallen, teilte der Kommissionsvorsitzende Wolfgang Rüther mit: Kein einziger Experte hat demnach eine abweichende Meinung geäußert.

Im August 2009 hatte Minister Lutz Stratmann die Kommission eingesetzt. Sie soll sein Ministerium und das Landesdenkmalamt „in grundsätzlichen Fragen zur Denkmalpflege und ihrer Entwicklung im Lande“ beraten. Jetzt hat sie erstmals öffentlich Stellung bezogen – und das Land an seine eigenen Gesetze erinnert. Immerhin heißt es im Niedersächsischen Denkmalrecht, dem Land, den Kommunen und anderen Kommunalverbänden obliege „die besondere Pflicht, die ihnen gehörenden und die von ihnen genutzten Kulturdenkmale zu pflegen“. In dem sich abzeichnenden Abriss des Plenarsaaldenkmals sieht die Kommission eine „Aushöhlung der kulturpolitischen Glaubwürdigkeit“ – schließlich sei Privatleuten kaum noch zu vermitteln, warum sie sich künftig an Denkmalauflagen halten sollen, wenn das Land ohne zwingenden Grund seine Gebäude abreißen lasse.

Wie berichtet, strebt der Landtag wegen der schlechten Arbeitsbedingungen im derzeitigen Plenarsaal eine räumliche Erneuerung an. Den Gewinnerentwurf des Architektenwettbewerbs von 2002, der eine denkmalgerechte Umgestaltung des 1962 von Architekt Dieter Oesterlen geschaffenen Plenargebäudes nach Plänen des Büros Koch/Panse vorsah, wollte das Landtagspräsidium aber nicht weiterverfolgen und hat daher einen neuen Wettbewerb ausgelobt. Die Jury hat kürzlich einen Entwurf des Kölner Büros Yi zum Gewinner gekürt. Er sieht den Abriss des Oesterlen-Baus vor und – etwas versetzt – einen freistehenden Neubau mit tempelartigen Säulen und viel Glas. Ein Entwurf des Büros Gebhardt aus Hamburg, der das Oesterlen-Plenargebäude erhalten und mit großen Fensteröffnungen zeitgemäß umbauen wollte, landete auf dem zweiten Platz. Die endgültige Entscheidung über die 45 Millionen Euro teure Investition fällt die Baukommission des Landtags im März.

Conrad von Meding

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  • Landtags,-Museums-, Schloßneubau Arnold Kunze – 28.02.10
    Bevor solche Luxusbauten verwirklicht werden, müssen erstmal die morbiden Straßenwege im Großraum Hannover saniert werden. Der Zustand befindet sich in einem erbärmlichen Zustand. Wenn dies realisiert ist, kann man weiterdenken. Aber vorher nicht .
  • Landtagbau u. Bannmeile ich – 27.02.10
    Da hat man sich ja wohl gleich wieder rigorose Maßnahmen ausgedacht. Wehe, Ihr nähert Euch dem geplanten "Glaspalast" in einer DEMO, dann geht es ab in den "KNAST". Schade, man hätte so schön "Eierwerfen" veranstalten können u. dann hätten die Fensterreiniger etwas zu tun, also eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme!!!
  • Worum geht es hier eigentlich? Belo Horizonte – 26.02.10
    Wenn ich mir die Beiträge und die bisherige Entwicklung vergegenwärtige, so gewinne ich immer mehr den Eindruck, daß der Einfluß einzelner Personen eine nicht ganz unerhebliche Rolle bei der Entscheidung des 2. Wettbewerbes gespielt haben muß.

    Kann es sein, daß der zweite Preis von den Fachleuten der Jury entschieden wurde und der 1. Preis ein Zugeständnis z.B. an den Landtagspräsidenten war?...

    Mit dem zweiten Preis könnte man sich als Bürger noch identifizieren, weil das Wahrzeichen Landtag behutsam verändert würde.

    Ich hoffe, daß das Parlament klug abwägen wird, zwischen notwendiger Erneuerung, dem kritischen Sachverstand der Denkmalschutzkomission und den Argumenten der Bürger, die sich nicht umsonst rege an der Diskussion beteiligen!

    Oder geht es am Ende doch nur um die berühmte 'Duftmarke' die hier gesetzt werden soll..... um eines Tages sagen zu können: "Siehst Du, das hat Opi zwar nicht entworfen aber durchgeboxt!!"
  • ein Palast für den Präsidenten? Arnulf Neumann – 25.02.10
    @ Blindfisch...

    im Unterschied zu Ihnen glaube ich nicht daß der Präsident des niedersächsischen Landtages so dumm sein wird, sich über das einstimmige Votum der Denkmal-Kommission völlig hinwegzusetzen - oder sich historisch gesehen damit einen großen Gefallen tun würde, wenn er Volkes Stimme (siehe Abstimmung der HAZ zu Abriss / Neubau / Umbau) einfach ignorieren würde.

    warum? weil ich ihn für klüger halte!





  • @ Landesdenkmalkommission Blindfischbekämpfer – 25.02.10
    "Aushöhlung der kulturpolitischen Glaubwürdigkeit"
    Glauben Sie eigentlich, dass das Herrn Dinkla überhaupt interessiert. Wer nach dem eindeutigen Wettbewerb 2002/2003 einen weiteren auslobt weil ihm das Ergebnis des ersten nicht gefällt, ignoriert auch Ihre gutgemeinten Ratschläge.
  • Wettbewerbsaufgabe Bürger – 25.02.10
    @Frank. Es geht hier zunächst um den durch die Jury erstplazierten Wettbewerbsentwurf- also um den idellen Entwurf gemäß der eingereichten Wettbwerbsunterlagen und Modell, nicht um die Bauwerksplanung. Man muss sich schon gedanklich darauf einlassen. Wer war eigentlich Fachpreisrichter und gab es sachverständige Berater? Es wird normalerweise die Entwurfsidee/Leitgedanke, die städtebauliche Einbindung, die Gestaltung/Gebäudekonzept (Identität/Symbolik/Proportionen/Raumqualitäten etc.), Funktionen/Nutzungskonzeptionen, Technische Konzeptionen/Wirtschaftlichkeit (Konstruktionen/baulicher Aufwand, Technikkonzept etc.) bewertet. Ensprechend der Empfehlung des Preisgerichts, wird nun die weitere Berarbeitung der Aufgabe, zumindest bestimmer Leisungsphasen, schrittweise dem Sieger übertragen.
  • Neubau - na klar! Frank – 25.02.10
    Ich bin für einen repräsentativen und modernen Landtagsneubau. Klar, eine schöne Sache. WENN DAS GELD DAFÜR IN DEN STAATSKASSEN AUSREICHEND VORHANDEN IST! Solange dem nicht so ist und für marode Straßen, gammelden Schulen kein Geld da ist und die Neuerschuldung immens wächst -> KEIN GELD FÜR PRESTIGEBAUTEN von verwöhnten Abgeordneten!
  • Zum Siegerentwurf des Wettbewerbs Bürger – 25.02.10
    Das der Plenarsaal kreisförmig angelegt ist, um die Gleichberechtigung aller Volksvertreter zu betonen ist gut. 2. Gemäß der Vorstellung von einer transparenten Regierungsform sollte möglichst viel verglast werden. Das ist eine rationalistische Sprache. 3. Indiskutabel ist die Erscheinungsform: Ein symbolischer Tempel als Architekturauffassung. Die Alten stellten sich vor, dass die Welt auf Säulen ruht, oder sich um eine große Weltsäule dreht. Mehr als zweitausend Jahre lang war für die Architekten bestimmend, wie das Verhältnis der verschiedenen Teile einer Steinsäule festgelegt wird. Säulen waren damals auch keine Formphantasie, sondern es war Resultat des Fühlens und Vorstellens der Völker. Die „Säulen“ des Entwurfs zitieren nur sich selbst, sie sind lediglich Symbol. Man kann das machen, wenn z.B. 12 Säulen im sakralen Bauen z.B. die 12 Apostel bedeuten. Für das Tragen der Lasten sind sie technisch nicht notwendig. Das Verhältnis von Form und Technik hat sich gewandelt. Die „Säulen“ sind nur eine „formale“ Würdigung einer technischen Notwendigkeit. Die „Säule“ wurde lediglich adaptiert und in einen neuen Zusammenhang gebracht, in eine Projektion, in ein Bild. Wir können heute jedoch ganz anders Bauen. Wir haben neue Techniken, die neue zeitgemäße Formen erzeugen. Man sollte Wissen: In diktatorisch regierten Staaten (im Deutschen Reich, in Italien und der Sowjetunion) wurde dieser Neo-Klassizismus in Anlehnung an die Bauweise griechischer Tempel, Renaissancepaläste und barocker Baukörper aufgrund des Monumentaldenkens seiner verantwortlichen Politiker und Städteplaner, Architekten als staatlich legitimierter Baustil bestimmend (Nazi- und Stalin-Klassizismus). Noch einmal heißt es also rückwärtsgewand. Enthüllend für die Befindlichkeit der Architekten und der Jury. Das ist nichts mehr als der Wille zur Fassade. Die „Säule“ ist keine Darstellungsweise kollektiver Inhalte mehr. Man wird begreifen müssen, dass jede Baukunst an ihre Zeit gebunden bleibt. Der Entwurf ist bedeutungslos, mit welchem Elan auch das Falsche getan wird. Man kann nicht mit rückwärtsgewandetem Blick nach vorne schreiten und Träger eines Zeitwillens sein. Auch ist es schon entscheidend, wenn man zu einem Wettbwerb einlädt. Wenn man den Überblick über die Architekturszene nicht hat, kommen halt solche Ergebnisse dabei heraus.





  • Landtagsumbau / Schulen Susanne – 25.02.10
    Da werden jahrzehntelang die Schulen nicht saniert, die Kinder müssen unter Entwicklungslandniveau lernen, die Ausstattung der Schulen ist eine einzige Katastrophe. Es wird nur billigstes Material angeschafft. Moderne Technik gibt es nicht, oder kaum. Die Kommunalaufsicht blockt fast jede Investition in die Bildung.
    Der Straßenzustand in Hannover ist eine einzige Katastrophe. Aber die Politiker, das von uns gewählte Gremium, bedient sich wie in einem Selbstbedienungsgeschäft, ohne Rücksicht auf Verluste. Da wird denn eben mal der Landtag umgebaut. Ruckzuck finden alle das für notwendig. Kommunalaufsicht klar! Ist doch CDU ! Dafür das sich unsere Politiker ein paar Mal im Jahr treffen muß doch genug Platz da sein und sie muüssen auch genug Luft zum Atmen haben. Die Schüler, die sind noch jung, da kann man schon mal was aushalten. Es ist zum K..... mit der Selbstbedienungspolitik. Ich würde mir ein Frau Käßmann in der Politik wünschen. Wie wäre es ??
  • Mehrfacheinträge bitte löschen Arnulf Neumann – 25.02.10
    liebe Redaktion,
    bitte die beiden kürzeren Beitrage (die unteren) löschen!
  • schlechte Arbeitsbedingungen? Arnulf Neumann – 25.02.10
    immer wieder wurde als Begründung für das bevorstehende Millionengrab (mögliche Realisierung des 1. Preises) der Begriff "schlechte Arbeitsbedingungen" für unsere Abgeordneten als Schlagwort in den Raum gestellt.

    Frage: Hatte jemand diese angeblich schlechten Arbeitsbedingungen zu irgend einer Zeit einmal konkret analysiert und begutachtet? Und wurde dieses Gutachten bekannt gegeben?

    Nur so wäre in etwa abzuschätzen, welcher tatsächliche Aufwand (z.B. eine Sanierung) gegebenenfalls gerechtfertigt wäre!

    (natürlich könnte sich auf diesem Wege herausstellen, daß das Ausschreiben von mehreren kostspieligen Wettbewerben nicht sonderlich angemessen war.

    der z w e i t e Preis des 2. Wettbewerbes ist mir gleichwohl sympathisch, weil er in seiner "Einfachheit" viele Vorteile auf sich vereint und weil er für mich überzeugender ist als die Lösung des Vorgängerwttbewerbes.

    Während einerseits die sog. Transparenz des Ganzen (durch Öffnen von Plenarsaal,Fassade und Dach) erheblich gesteigert wird, beweist dieses Konzept wie kein anderer Entwurf Respekt vor den gewachsenen Beziehungen. (Sicht-Verbindungen, Beziehungen von Wegen und Plätzen).

    Die Würdigung des Urgesteins hannoverscher Architektur (Prof. Dieter Öesterlen) ergibt sich wie beiläufig aus der Sache heraus, nämlich durch gekonnten Umgang mit dem äußerlichen eher mauerhaften Eindruck.

    Dabei kommt der 2. Preisträger im Wesentlichen mit der bisherigen Bausubstanz aus und dürfte deshalb bei den Realisierungskosten im unteren Bereich liegen.

    Vom "minimalistischen" Umgang des Konzeptes mit Raum und Materiel, bezogen auf die Aufgabenstellung, bin ich geradezu faziniert (!)

    Einer Landesregierung mit ihrer Vorbildfunktion beim Thema Werte und Tugenden, (z.B. Bescheidenheit), sollte diese bauliche Lösung gut zu Gesicht stehen!
  • In Schulen investieren? Andreas – 25.02.10
    Das Intressiert die doch sowieso nicht wie es in den Schulen aussieht. Erstmal kommen unsere Volksvertreter dran, danach wird etwas für die Öffentlichkeit getan. Aber dann sind ja die Kassen "wieder" leer^^.
  • 45 mar – 25.02.10
    die 45 millionen sollten sie lieber in schulen investieren, dort herschen ebenso schlechte "arbeitsbedingungen"

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