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Streit um Fenster am Stephansplatz

Weiß oder braun? Streit um Fenster am Stephansplatz

Um die Farbe eines Fenster dreht sich ein Streit am Stephansplatz. Die dortige Wohneigentümergemeinschaft will ein weißes Fenster erneuern, die Denkmalschutzbehörde lehnt den Einbau jedoch ab - und fordert ein dunkles Fenster.

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Braun? Weiß? Welche Fensterfarbe ist schöner und welche historisch richtig?

Quelle: Christian Link

Hannover. In welchen Dimensionen darf eigentlich die Denkmalschutzbehörde denken? Um diese Frage dreht sich ein Streit zwischen einer Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) am Stephansplatz 2 und den städtischen Denkmalschützern. Anlass ist ein erneuerungsbedürftiges Fenster, das ein Eigentümer gern austauschen würde. Deswegen wandte er sich bereits 2013 mit dem Angebot des Fensterbauers an die Denkmalschutzbehörde, die den Einbau eines weißen Kunststofffensters jedoch ablehnte. Die Begründung: Weil das Wohnhaus in seinem Baujahr 1910 wahrscheinlich dunkle Holzfenster hatte, sollte der Eigentümer diesen Ursprungszustand wieder herstellen.

Die Eigentümergemeinschaft hält das für Quatsch. „Das widerspricht dem gesunden Menschenverstand, schließlich hat der gesamte Häuserzug weiße Kunststofffenster“, sagt WEG-Mitglied Tanja Rinner. Ein einzelnes dunkles Fenster unter Hunderten weißen Fenstern sei schon unsinnig genug. Mit dieser Politik würde über die Jahre hinweg ein regelrechter „Flickenteppich“ im ensemble-geschützten Straßenzug entstehen. Die Behörde habe diese Bedenken aber vom Tisch gewischt, indem sie laut Rinner sinngemäß sagte: „Die Denkmalschutzbehörde denkt in Jahrhunderten und nicht in Jahrzehnten.“

Die Stadtverwaltung will die Entscheidung ihrer Behörde nicht kommentieren. „Derzeit läuft ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, aus diesem Grund kann ich hierzu leider keine Auskunft geben“, sagt Stadtsprecher Alexis Demos. Die WEG hat Klage gegen die denkmalrechtliche Versagung eingereicht, weil es ihr einziges Mittel zum Widerspruch ist. Seit dem Wegfall der Bezirksregierungen in Niedersachsen gibt es keine Behörde mehr, die die Bescheide der städtischen Denkmalschützer aufheben könnte.

„Einen kleinen Teilsieg hatten wir schon“, sagt Rinner, „die Behörde ist davon abgerückt, dass es ein Holzfenster sein muss.“ Nach Einschätzung ihres Rechtsanwalts muss die WEG im Streit um die Fensterfarbe jedoch eine Niederlage befürchten. Die Denkmalschutzbehörde besitzt offenbar eine Fotografie, die um 1910 entstanden ist und das Gebäude Stephansplatz 6 (heute befindet sich hier das Restaurant Wienerwald) mit dunklen Fenstern zeigt. Vor Gericht könnte dieser Beweis ausreichen, um die Entscheidung der Denkmalschutzbehörde zu begründen, mutmaßt der Rechtsanwalt.

Gerecht findet Rinner das allerdings nicht. „Ich würde mich den Rest meines Lebens darüber ärgern“, sagt sie. Die Denkmalschutzbehörde messe am Stephansplatz offensichtlich mit zwei Maßstäben. Während sie auf der einen Seite des Platzes um die Fensterfarbe streitet, lasse sie auf der anderen Seite einen modernen Neubau mit bodentiefen Fenstern zu. „Da passt sich nichts an die Nachbarhäuser an“, kritisiert sie. Die Verwaltung sieht hier kein Versäumnis. Der Bauantrag für das neue Wohn- und Geschäftshaus am Stephansplatz 12 sei in Bezug auf den Ensembleschutz geprüft worden. „Voraussetzung für die denkmalrechtliche Genehmigung waren diverse Auflagen zur äußeren Gestaltung“, sagt Stadtsprecher Demos.

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