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Ein AfD-Politiker und der Dialogversuch in der Moschee

Dietmar Friedhoff. Ein AfD-Politiker und der Dialogversuch in der Moschee

Die Bundeswehr verteidigt das Grundgesetz. Deshalb könne sie keine Moschee besuchen, weil dort Geschlechtertrennung herrsche, meint der AfD-Politiker Dietmar Friedhoff. Dann ging er selber zur Ahmadiyya-Gemeinde. 

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Debatte in Moschee: Dietmar Friedhoff (rechts) diskutiert mit Said Ahmed Arif (links),  Mohammad Sethi (2.v.l.) und Zubaria Ahmad (Rücken zur Kamera). 

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Beide Seiten hatten gut vorgelegt für einen streitbaren Nachmittag in der Moschee. Der AfD-Bundestagsabgeordnete Dietmar Friedhoff, 51, früher Fallschirmjäger bei der Truppe, hörte vom Besuch eines Bundeswehrseminars in der Ahmadiyya-Gemeinde am Rande von Stöckens Gewerbegebiet. Er schrieb im Netz: „Die Ausbildung deutscher Offiziere darf nicht in islamischen Moscheen stattfinden“, und er warnte, Ahmadiyya gebe sich vordergründig weltoffen, sei aber tatsächlich Wolf im Schafspelz. Das waren schneidige Worte des Oberstleutnants der Reserve. Der Vorwurf meint ja, dass Mitglieder der Gemeinde über ihre wahren Absichten bewusst täuschen. Seine Quellen für diese Behauptung fand Friedhoff, wie er sagte, „im Internet“. Er hatte Fragen an die Gemeinde, die lud ihn ein und so traf man sich zum Gespräch.

Kurz vor der Bundestagswahl erklärte die bundesweite Ahmadiyya-Organisation ebenso unmissverständlich, was sie von Äußerungen aus der Partei hält. „Hass und Hetzbotschaften der AfD-Führung machen uns  Muslime fassungslos und verletzen zutiefst. Die AfD betreibt geistige Brandstiftung für eigenen Stimmenfang und zulasten der Minderheiten in Deutschland.“

„Unterschiedliche Sicht auf die Geschlechter“

Es war also angerichtet für einen interkulturellen Dialogversuch. Ein Tisch im mit Teppich ausgelegten Gebetsraum der Moschee, wo Friedhoff wie alle anderen seine Schuhe auszog. Ein Dutzend Männer und Frauen mit Kopfbedeckung hörten im Hintergrund zu, der gemeindeeigene Fernsehsender zeichnete auf. Friedhoffs Gesprächspartner: Said Ahmed Arif, Theologe und Imam und eigens aus Berlin angereist. Gemeindemitglied Mohammad Sethi und Zubaria Ahmad von der landesweiten Frauenorganisation der Ahmadiyya. Zeilen aus dem Koran wurden zitiert, es ging um Nachbarn, die man ehren soll, auch wenn man sie nicht kennt.

Friedhoff erklärte, was ihn störte am Bundeswehrbesuch. Die Armee verteidige das Grundgesetz, sagte der Abgeordnete, „und dazu gehört die Gleichberechtigung von Mann und Frau“. Soldatinnen wurde damals nicht die Hand gegeben, und der Islam gab den Grund dafür, doch Geschlechtertrennung widerspreche der demokratischen Grundordnung. „Der Glaube darf sich aber nie über den Staat erheben“, sagte Friedhoff. Auch Zubaria Ahmad begrüßte Friedhoff ohne Handschlag, sah darin aber keinen mangelnden Respekt dem Gast gegenüber. Theologe Arif erläuterte, es gehe um die Intimsphäre der Frau, die durch diesen Verzicht auf Berührung gerade geschützt werde, „es ist eine unterschiedliche Sicht auf die Geschlechter“. 

„Die Leute wissen zu wenig, es ist ein miserabler Zustand“

Die Runde diskutierte sachlich, man hörte zu und ließ sich ausreden. Said Arif beklagte zugespitzt den Informationsstand und Vorurteile vieler Menschen über den Islam. „Wir töten keine Ungläubigen. Die Leute wissen zu wenig, es ist ein miserabler Zustand.“ Es wäre gerecht, den Islam nach seinen Werten zu beurteilen. Ob er seinen Gast aus dem Bundestag meinte? Zubaria Ahmad erklärte Friedhoff, dass die AfD durch viele ihrer Äußerungen „friedliebenden Muslimen einen Stempel aufdrückt“, dabei hätten sehr viele Muslime selbst Angst vor radikalen Islamisten. 

Friedhoff beurteilt den Islam aber offenkundig auch nach dem, was in seinem Namen gemacht wird, Terror etwa und Moscheen, die ein anderes Bild vom Zusammenleben predigten als nach Maßstäben des Grundgesetzes. „Der politische Islam gehört nicht zu Deutschland“, diesen Satz aus dem Parteiprogramm sagte der Abgeordnete auch an diesem Tag. Er wünschte sich Demonstrationen gegen Anschläge, zu denen islamische Gemeinden in Deutschland aufrufen sollten. Seine Sorge gelte dem radikalen Islam, der Freiheiten begrenzen wolle. 

Dann kam es zur Kernfrage, Mohammad Sethi stellte sie dem Abgeordneten aus dem Norden der Region Hannover: „Glauben Sie, dass strenggläubige Muslime, die nach den Regeln des Koran leben, auch nach dem Grundgesetz leben können?“ Er zeigte in die Runde, er meinte Menschen wie Frau Ahmad, Said Arif und sich selbst, die es ja täten. „Nein“, sagte Dietmar Friedhoff, „das kann ich mir nicht vorstellen.“ Es stellte sich dann heraus, dass das Wort „strenggläubig“ noch interpretiert werden müsste. Strenggläubig, dazu zählt für Friedhoff etwa, das Strafrecht der Scharia zu befürworten. Strenggläubig zu sein, das geht in der Reformgemeinde Ahmadiyya indes auch ohne die Scharia in ihrer rigiden Form zu fordern.

Am Schluss hatten in diesem Gespräch vielleicht beide Seiten etwas gelernt. Saß der AfD-Abgeordnete, dessen Partei viele Muslime selbst als Wölfe im Schafpelz betrachten,  Wölfen im Schafspelz gegenüber, wie er es geschrieben hatte? Dietmar Friedhoff korrigierte sein aus dem Internet gewonnenes Urteil: „Für diese Gemeinde können wir das ausschließen.“ Eine Annäherung der Gastgeber konnte man auch im Fazit von Moderator Sethi heraushören. „Es gibt viele Ressentiments gegen AfD-Parteimitglieder. Wir werden niemals in allem einer Meinung sein, aber das müssen wir auch nicht. Das ist Demokratie.“ Und sie betonten, wie wichtig es sei, miteinander zu reden. 

Von Gunnar Menkens

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