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14:07 12.02.2010
Hans-Josef Hecking kümmert sich um bedürftige und behinderte Kinder. Quelle: Kris Finn

Stirnrunzelnd lässt er seinen Blick schweifen und bemerkt: „Der Rasen ist seit mindestens drei Tagen nicht geschnitten worden, da muss ich dringend ran.“ Die Pflege seines Gartens ist Hecking eine Herzensangelegenheit, seit er vor nunmehr 19 Jahren in Pension ging. Um seine Geranien, die Rosen und den Rasen hinter seinem Häuschen im Zooviertel kümmert sich der in Emsdetten geborene 83-Jährige ebenso leidenschaftlich, zuverlässig und korrekt, wie er alle Aufgaben in seinem Leben erledigt hat. Und das waren viele. Der Jurist und Bankkaufmann, der 22 Jahre lang die Filiale der Commerzbank in der Theaterstraße leitete, hatte Dutzende von „Pöstchen“, wie er sein gesellschaftliches und berufliches Engagement humorvoll und etwas distanziert nennt.

Hecking war Präsident der Börse in Hannover, Vorsitzender des Fördervereins der Musikhochschule, zweiter Vorsitzender des Instituts der niedersächsischen Wirtschaft, Aufsichtsratsmitglied bei Stiebel Eltron, er engagierte sich bei der Zahnärztekammer, der Industrie- und Handelskammer und bei zahlreicheren Organisationen mehr. Fragt man ihn, wann das alles war, antwortet er lachend: „Du lieber Herrgott, das weiß ich doch heute nicht mehr.“

Eines weiß Hecking aber auch, ohne in seine Unterlagen schauen zu müssen, ganz genau. Seit 30 Jahren ist der dreifache Vater Vorsitzender der Friedrich- und Dora-Rauch-Stiftung, die sich um behinderte und bedürftige Kinder in der Region Hannover kümmert. Diese Aufgabe liegt ihm am meisten am Herzen. Stolze drei Millionen Euro flossen unter seiner Regie an die Arbeiterwohlfahrt, an das Stephansstift, das Annastift, den Diakonischen Dienst, die Caritas, die Pestalozzistiftung Burgwedel, an Projekte für taubblinde Kinder und viele soziale Initiativen mehr.

Die Frage nach den Gründen für sein gesellschaftliches Engagement ist Hecking unangenehm. Sein Blick wandert von dem Bundesverdienstkreuz am Bande, das er für sein Engagement verliehen bekam und das nun neben der silbernen Kaffeekanne auf dem Couchtisch liegt, zu seiner Frau Marie-Theres, mit der er seit mehr als 50 Jahren verheiratet ist. Sie sitzt ihm in dem hellen Wohnzimmer in der Gneisenaustraße gegenüber und lächelt ihn an. Heckings Blick wandert zum Bücherregal. Dort stehen Ian Ker-shaws Hitler-Biografie sowie Bücher über das Leben von Bill Clinton, Martin Luther und Marcel Reich-Ranicki, Kolumbus und Alexander den Großen. Darunter stapeln sich Bildbände ferner Länder und Kunstkataloge, auch der aktuelle der „Marc, Macke und Delaunay“-Ausstellung im Sprengel Museum. Die Standuhr tickt leise, dann antwortet Hecking: „Ich finde, dass das, was ich tue, eine Selbstverständlichkeit ist.“

Die Geschichte, wie er zur Friedrich und Dora Rauch-Stiftung kam, erzählt der leidenschaftliche Golfer und Norderney-Urlauber dagegen gern. Kein Wunder, denn die Parallelen zwischen Friedrich Rauch und Hans-Josef Hecking sind enorm. Der im Jahr 1890 geborene Rauch war wie Hecking Jurist und Banker. Auch er arbeitete für die Commerzbank in Hannover, Hecking lernte ihn allerdings erst kennen, als Rauch bereits Pensionär war. „Er häufte zu Lebzeiten ein kleines Vermögen an. Seine Frau Dora und er blieben kinderlos“, erzählt Hecking. Als Rauch dann ein Jahr vor seinem Tod - seine Frau war bereits gestorben - die Stiftung zugunsten bedürftiger Kinder gründete und Hecking in den Vorstand bat, sagte der damals 53-Jährige sofort zu.

Heute weiß Hecking, der vor seinem Umzug in die Gneisenaustraße im Jahr 1990 in dem Haus von Altkanzler Gerhard Schröder der Plathnerstraße wohnte, aufgrund der unzähligen Begegnungen mit den Eltern behinderter Kinder und armer Familien, wie groß das Elend vielerorts ist und wie wichtig das private Engagement. „Denn die Not wird nicht weniger, sie wird größer“, sagt er und betrachtet erneut kritisch seinen Rasen.

von Julia Pennigsdorf

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