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Aus der Stadt Der Garten-Geschichtler
Hannover Aus der Stadt Der Garten-Geschichtler
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17:16 12.02.2009
Professor Joachim Wolschke Buhlman an seinem Schreibtisch Quelle: Martin Steiner

Und wenn der Experte für historische Gärten vor sein Institut tritt, sind die Barockanlagen Herrenhausens nur einen kurzen Fußmarsch entfernt. „Einen schöneren Arbeitsplatz kann ich mir nicht vorstellen“, sagt er.

Vor zwölf Jahren hat Wolschke-Bulmahn seinen Lehrstuhl an der hannoverschen Uni angetreten. Sein Spezialgebiet ist breit gefächert: „Ich beschäftige mich mit der Geschichte der Gärten von der Antike bis zur Gegenwart“, erklärt der 56-Jährige. Von diesem weitreichenden Wissen profitieren seine Studenten. Künftige Landschaftsarchitekten sollten nicht nur lernen, Gartenanlagen zu entwerfen, betont er. „Sie müssen auch wissen, welchen Ursprung die heutigen Gestaltungsformen für Parks und Gärten haben.“

Gerade in Hannover gebe es viele Anschauungsobjekte jenseits des Hörsaals, schwärmt der Professor. Ganz vorneweg die Herrenhäuser Gärten, aber auch der Hinübersche Garten in Marienwerder, die Friedhofsanlagen oder die frühere Israelitische Gartenbauschule in Ahlem. Viele der Orte, deren Geschichte Wolschke-Bulmahn heute seinen Studenten näherbringt, hat er früher selbst als Student der hannoverschen Uni bei Exkursionen besucht.

1973 kam der gebürtige Westfale in die niedersächsische Landeshauptstadt. In der Lindener Studenten-WG lernte er im gleichen Jahr eine Lehramtsstudentin mit politischen Ambitionen kennen. Sie hieß Edelgard Bulmahn – und wurde seine Frau, noch bevor sie sich als SPD-Bundestagsabgeordnete und später als Bundesbildungsministerin einen Namen machte. Wolschke-Bulmahn hat keine Probleme mit der Prominenz seiner Frau. Der ausgesprochen ruhige Professor ist niemand, der sich in den Vordergrund drängt. Und seit Edelgard Bulmahn im Ministeramt abgelöst wurde, muss er, wie er schmunzelnd sagt, auch keine Bitten von Studenten oder Hochschulkollegen mehr abwehren, „ob ich nicht mal eben in Berlin anrufen könne“.

Die Ehe hält seit 29 Jahren und hat auch einer fünfjährigen Bewährungsprobe standgehalten. Von 1991 bis 1996 forschte Wolschke-Bulmahn an dem renommierten Forschungsinstitut Dumbarton Oaks der Harvard University in Washington. „Das war eine Traumstelle“, sagt er noch heute. Doch als eine Verlängerung des Jobs in Aussicht stand, sagte er ab. „Meine Frau und ich wollten nicht länger eine transatlantische Beziehung führen.“

Die Verbindung zu den US-Kollegen ist nicht abgerissen. Zweimal im Jahr fliegt Wolschke-Bulmahn zu Kongressen über den großen Teich. Die amerikanischen Gartenexperten waren auch schon hier – als Gäste bei Tagungen, die das „Zentrum für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur“ organisiert. Wolschke-Bulmahn ist im Vorstand des 2002 gegründeten Forschungsinstituts der Uni. „Wir bleiben nicht im akademischen Elfenbeinturm“, betont er. Ziel sei es, Gartenthemen einem breiten Publikum zugänglich zu machen – gemeinsam mit städtischen Grünexperten. Eines der Ergebnisse, eine 2007 gezeigte aufwendige Ausstellung zur Geschichte des Großen Gartens, haben rund 45000 Besucher gesehen.

In seiner Freizeit spielt Wolschke-Bulmahn Querflöte. Zweimal pro Woche joggt er um den Benther Berg. Doch er wohnt noch immer in Linden, seit elf Jahren in der Nähe des Von-Alten-Gartens. Dort muss der Gartenfachmann mit einem Balkon vorliebnehmen. Am Wochenende versuchen er und seine Frau so häufig wie möglich in deren Elternhaus an der Weser zu sein. Das hat einen gut 1000 Quadratmeter großen Garten.

von Juliane Kaune

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