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Aus der Stadt „Der Glaube macht mir Mut“
Hannover Aus der Stadt „Der Glaube macht mir Mut“
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08:00 04.06.2017
Von Simon Benne
"Wenn ich glaube, merke ich, dass ich nicht alleine bin": Felix in der Nazarethkirche. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Er ist mit dem Roller gekommen. Jetzt sitzt er in der Bank der Nazarethkirche in der Südstadt und schaut nach oben: „Hohe Kirchenfenster sind cool“, sagt er. „Als ich getauft wurde, strahlte ganz farbiges Licht in die Kirche hinein.“

Das war vor einem Jahr. Felix Meyer, damals acht Jahre alt, wurde als Kind konfessionsloser Eltern geboren, die ohne Glauben glücklich sind. Als er im Kindergartenalter zufällig in eine Kirche geriet, war er fasziniert. Später blätterte er in jeder Bibel, die er in die Hand bekam. Er wollte wissen, woher die Welt kommt - und landete irgendwann bei Gott. Nach langem Quengeln gaben seine Eltern schließlich nach. Felix durfte sich taufen lassen, auf eigenen Wunsch - und das im ARD-Pfingstgottesdienst, vor Hunderttausenden von Fernsehzuschauern.

"Von einer Woge der Zuneigung überströmt"

„Danach wurden wir von einer Woge der Zuneigung überströmt“, sagt Sabine Meyer, seine Mutter. Stapelweise kam Post mit Geschenken und Segenswünschen aus halb Europa. Beim ökumenischen Pfingstfest auf dem Stephansplatz wurde Felix den Besuchern vorgestellt, und alle applaudierten. Ein alter Herr kam mit Tränen in den Augen auf die Mutter zu: „Danke, dass sie ihrem Sohn das erlaubt haben - ich selbst durfte mich erst als Erwachsener taufen lassen.“

Ein weltfremder Frömmler ist Felix seither nicht geworden. Der Fünftklässler spielt Basketball, hört Max Giesinger und liest „Lustige Taschenbücher“. Aber er geht eben auch gelegentlich in die Kirche. Ostern las er in seiner Bibel die Ostergeschichte nach. In der Schule hatte er bislang Werte und Normen, im Sommer wechselt er jetzt zu evangelischer Religion: „Ich möchte auch in der Schule etwas über den Glauben lernen“, sagt er. Und Pfingstsonntag, an seinem zehnten Geburtstag, will er zum Gottesdienst in die Nazarethkirche gehen.

Selbstbewusster seit der Taufe

„Wenn ich glaube, merke ich, dass ich nicht alleine bin“, sagt Felix. Seit seiner Taufe sei er selbstbewusster geworden: „Wenn ich mal was nicht schaffe, macht mir der Glaube Mut weiterzumachen - zum Beispiel bei Klassenarbeiten.“ Und wenn andere über Gott lästern? „Dann lasse ich mich nicht beirren“, sagt er. „Ich glaube, was ich glauben will.“

Ganz ungewöhnlich ist die Geschichte von Felix nicht, sagt Pastorin Anke Merscher-Schüler, die den Jungen damals getauft hat: Inzwischen gebe es in jedem Konfirmandenkurs mehrere Teilnehmer, die aus völlig kirchenfernen Elternhäusern kommen und irgendwie Interesse am Glauben gefunden hätten, „auf welchem Wege auch immer“.

Familie bleibt konfessionslos

Früher gehörte es zum guten Ton, in der Kirche zu sein, heute ist die Mitgliedschaft oft Resultat einer bewussten Entscheidung. Die alte Volkskirche wandelt sich zur kleineren Bekenntniskirche. Manchmal gebe eine berührende Begegnung den Ausschlag, sagt Pastorin Merscher-Schüler, manchmal mache der Klang von Kirchenglocken jemanden neugierig. „Dafür haben wir ja den Heiligen Geist in der Firma“, sagt sie und lacht.

Felix’ Familie ist nicht auf den Geschmack gekommen; seine Eltern und sein großer Bruder Moritz bleiben weiterhin konfessionslos. Und trotzdem sind seine Eltern am Karfreitag mit Felix zusammen in die Kirche gegangen, und seine Mutter hilft sogar, kindgerechte Gottesdienste für Felix zu finden. „Wir sind tolerant“, sagt Sabine Meyer. „Wir begleiten Felix auf seinem Weg - auch, wenn es nicht der unsere ist.“

Was feiern wir zu Pfingsten? Gottesdienste zum „Geburtstag der Kirche“

Am Pfingstfest erinnern sich Christen daran, wie die Jünger vom Heiligen Geist erfüllt wurden und nach der Himmelfahrt Christi eine neue Gemeinschaft bildeten. Das Fest gilt auch als „Geburtstag der Kirche“. Dazu stehen in Hannover einige außergewöhnliche Gottesdienste auf dem Programm.

  • Landesbischof Ralf Meister predigt am Pfingstsonntag, 10 Uhr, im Gottesdienst in der Marktkirche.
  • Einen Regenbogengottesdienst mit Aids-Seelsorger Axel Kawalla gibt es am Pfingstsonntag um 13 Uhr auf dem Opernplatz.
  • Ein Ökumenischer Pilgerweg zu verschiedenen Kirchen startet am Pfingstmontag um 10 Uhr mit einer Andacht in der St.-Nicolai-Kirche, Sutelstraße 19.
  •  Ein Jazzgottesdienst mit der Gruppe Waves beginnt am Pfingstmontag, 11 Uhr, in der Apostelkirche, Celler Straße 78.
  • Auf dem Stephansplatz beginnt am Pfingstmontag, 10.30 Uhr, ein ökumenisches Familienfest.
  • Im Sprengel-Museum beginnt am Pfingstmontag, 11.15 Uhr, ein Kunstgottesdienst mit Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann.
  • Propst Martin Tenge spendet am Pfingstmontag, 10 Uhr, in der Messe in der Basilika St. Clemens das Sakrament der Krankensalbung.

Drachenbootrennen, Gartenfestival, Bierfest und Christopher Street Day gehen weiter, die Kunstschau "Made in Germany drei" lockt in die Museen, die Lichtshow im Großen Garten endet – das und vieles mehr ist am Pfingstsonntag in Hannover los.

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