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Arbeitskampf

Der MHH drohen Ärztestreik und Defizit

Von Juliane Kaune

Häufig macht die Medizinische Hochschule (MHH) mit Innovationen aus der Forschung von sich reden. Nun ist die Hochschulklinik mit einer ganz anderen Botschaft in die Schlagzeilen geraten. Erstmals seit sieben Jahren drohen rote Zahlen in der Bilanz – das hat Vizepräsident Holger Baumann verkündet.
Dreifache Leistung zu einem Preis: Ende September machten die MHH-Mediziner mit einem Warnstreik auf ihr Anliegen aufmerksam.

Dreifache Leistung zu einem Preis: Ende September machten die MHH-Mediziner mit einem Warnstreik auf ihr Anliegen aufmerksam.

© Christian Behrens

Hannover. Um die Kosten im Rahmen zu halten, soll Personal abgebaut werden, Investitionen müssen wohl warten. Dass der MHH nun noch ein unbefristeter Streik ihrer Ärzte ins Haus steht, der das Defizit vergrößern könnte, dürfte aus Sicht des Präsidiums eine Nachricht zur Unzeit sein.

Anders sehen das die Mediziner, die in den Arbeitskampf ziehen wollen. Nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen für die an 23 deutschen Uni-Kliniken beschäftigten Ärzte hätten auch die Kollegen an der MHH keine andere Wahl, sagt Philipp Ivanyi. Der Internist spricht von einer „nicht mehr hinnehmbaren Arbeitsbelastung ohne adäquaten Ausgleich“. Die Ärzte an Uni-Kliniken seien den dreifachen Anforderungen von Krankenversorgung, Forschung und Lehre ausgesetzt, würden im Vergleich zu anderen Krankenhausärzten aber am schlechtesten bezahlt. „Dagegen müssen wir uns wehren.“ Das habe man jüngst auch dem MHH-Präsidium mitgeteilt. Das Ergebnis der bundesweiten Urabstimmung wird am 21. Oktober erwartet.

Ivanyi hat die Nachricht von dem drohenden Defizit der MHH nicht überrascht. Das System der Hochleistungsmedizin sei unterfinanziert. In diesem Jahr komme erschwerend hinzu, dass die Kosten für die Bewältigung der EHEC-Krise zu gering vergütet worden seien. Allein deswegen fehlten bis zu drei Millionen Euro in der Kasse, heißt es an der MHH. Spielraum, um Stellen abzubauen, sieht Ivanyi nicht: „Schon jetzt gibt es Kollegen, die bis zu 80 Stunden pro Woche arbeiten.“ Laut Tarifvertrag gilt für Ärzte an Uni-Kliniken eine Wochenarbeitszeit von 42 Stunden pro Woche

Betriebsbedingte Kündigungen sind an der MHH bis 2013 ausgeschlossen. Ein Besetzungsstopp von frei werdenden Stellen, wie sie Vizepräsident Baumann ins Gespräch gebracht hat, sorge bei den Beschäftigten für Unruhe, sagt Brigitte Stryk vom Personalrat, der die rund 9300 Mitarbeiter vertritt. Es sei eine dem Präsidium unterstellte Arbeitsgruppe eingesetzt worden, die über die Neubesetzung jeder vakanten Stelle entscheide.

Baumann hatte beklagt, dass die von den Krankenkassen gezahlten Basispreise für stationäre Behandlungen in Niedersachsen gesunken seien. Zudem werde die besondere Rolle der MHH als Hochleistungsklinik mit sehr großem Personalbestand bei der Kostenerstattung nicht angemessen berücksichtigt. In einer Umfrage des Verbands der Universitätskliniken Deutschlands gaben von 28 Kliniken 88 Prozent an, sie erhielten keine ausreichende Finanzierung von „Extremkostenfällen“. Die MHH stehe im Bundesvergleich an der Spitze der Kliniken mit den am schwersten erkrankten Patienten, sagt Verbandssprecherin Kordula Merk. Bereits 2010 habe etwa ein Viertel der Uni-Kliniken rote Zahlen geschrieben.

Der Verband der Ersatzkassen erklärt, in den vergangenen Jahren seien die Einnahmen aller Krankenhäuser in Niedersachsen gestiegen. Den höheren Ausgaben der Uni-Kliniken werde durch gesonderte Kalkulationen Rechnung getragen. Ein Sprecher räumte ein, dass es in den Bundesländern verschiedene Basispreise gebe. Vorgesehen sei, sie bis 2014 anzugleichen.

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