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Aus der Stadt Der Maschsee erscheint in einem neuen Licht
Hannover Aus der Stadt Der Maschsee erscheint in einem neuen Licht
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18:10 10.02.2009
Von Juliane Kaune
Farbenprächtig: Künstlerin Leni Hoffmann hat einen der Maschsee-Bäume am Ostufer in Szene gesetzt. Quelle: Christian Burkert

Trotz des nasskalten Wetters. Die Familie aus Hämelerwald hatte sich fest vorgenommen, bei der Premiere des Kunstprojekts „Neulicht am See“ dabeizusein. An dieser Entscheidung änderte auch der Dauerregen nichts. In Thermojacken brachen die Seydaks gut gelaunt zu ihrem Spaziergang auf, um die 20 Kunstwerke zu bestaunen, die seit Sonnabend allabendlich am See illuminiert werden. Wegen des Regens konnten allerdings zwei der Installationen am Wochenende nicht gezeigt werden, eine dritte wurde offenbar mutwillig beschädigt. Und am Sonntagabend musste wegen des starken Windes auch noch der Spiegel, der dem „Fackelträger“ am Nordufer mit einem Kran vorgehalten wird, in eine windstillere Richtung gedreht werden.

Entmutigen ließen sich die hannoverschen Künstler Markus Hutter (50) und Olav Raschke (44), die das umfangreiche Lichtprojekt länger als zwei Jahre mit dem städtischen Kulturbüro vorbereitet hatten, von dem viel zu feuchten Start aber nicht. „Das war Pech, aber das ist nun mal das Risiko einer Freiluftausstellung“, meinte Hutter. Schließlich bleibt noch genug Zeit für bessere Witterungsverhältnisse: „Neulicht am See“ läuft bis zum 15. März, täglich von 18.30 bis 6.30 Uhr. Die beeindruckende Inszenierung ist zugleich der Auftakt zum Programm „Gartenregion“, das die 21 Städte und Gemeinden der Region Hannover gemeinsam veranstalten.

Trotz des widrigen Wetters fiel die Premiere des Kunstrundgangs um den Maschsee nicht ins Wasser. Nach der offiziellen Eröffnung mit Oberbürgermeister Stephan Weil (50), Regionspräsident Hauke Jagau (47) und dem Seemannschor Hannover im Neuen Rathaus spannte noch ein guter Teil der etwa 250 Gäste den Schirm auf und machte sich auf den Weg zum See. „Ich will einmal ganz rum“, kündigte Uwe Thedsen (62) vom hannoverschen Jazz Club voller Entdeckerfreude an. Weil und Jagau behielten dagegen saubere Schuhe, weil sie am frühen Abend einen Anschlusstermin beim Karnevalsverein „Leinespatzen“ hatten.

20 Kunstwerke illuminiert täglich von 18.30 bis 6.30 Uhr den Maschsee. Das Projekt „Neulicht am See“ läuft noch bis zum 15. März. Die Inszenierung ist Teil der Gartenregion“, die die 21 Städte und Gemeinden der Region Hannover gemeinsam veranstalten.

Vom „Fackelträger“ am Nordufer ging es im Uhrzeigersinn am Ostufer entlang. Beinahe gespenstisch wirkte die Szenerie in Höhe der Waldorfschule. Kahle Äste ragten im Dunkeln in die Höhe, ein orange-grünes Licht ließ sie noch mächtiger wirken – und mit etwas Phantasie sah der winterliche Baum, den Künstlerin Leni Hoffmann präpariert hatte, wie ein verwunschenes Wesen aus einem Zauberwald aus. Norma June (10), Roman (8), Carla (12) und Luis (7) hatten jede Menge Phantasie, und sie gruselten sich gern ein bisschen. An der Löwenbastion schickte Performance-Künstlerin Suse Weber mit Leuchtpistolen, die sonst in der Seefahrt zum Einsatz kommen, ein minimalistisches rot-grünes Feuerwerk in den Nachthimmel.

Den Wechsel zum Westufer machten deutlich weniger Ausstellungsbesucher mit. Nur vereinzelt waren dort Passanten unterwegs, um etwa die Installation „Lichtung“ in Augenschein zu nehmen – 15 altmodische Stehlampen, die als Wohnzimmerdekoration ausgedient hatten. Dass es auf dieser Seite dunkler blieb, lag daran, dass die Leuchtwerbung verschiedener Firmen, die Stefan Mauck zu einem Kunstwerk kombiniert hatte, wegen eines Wasserschadens nicht voll betriebsfähig war. Wegen des Matsches am Ufer konnte eine großformatige Lichtprojektion von Ernst Thoma gar nicht erst aufgebaut werden. Die begehbare Plattform „Silent Dancefloor“ blieb bisher unbeleuchtet, weil Unbekannte die Elektrokabel durchschnitten hatten. Heute sollten aber alle Kunstwerke in voller Leuchtkraft präsentiert werden, versicherte Koordinator Olav Raschke.

Denise-Marie hatte am Sonnabend schnell ihren Favoriten gefunden und testete schwungvoll die in zartem Blau leuchtende Glasschaukel am Nordufer. Aus ihrer Sicht war die Installation des Künstlerduos Wolfgang Winter und Berthold Hörbelt spielplatztauglich. Ihre Eltern probierten den praktischen Nutzwert der Kunst eine Station weiter aus: Sie ließen sich auf einer der drei Sitzbänke am Westufer nieder, die die Künstlergruppe „Häkelkreis“ mit weißem Spezialgarn umhäkelt hatte, das durch Schwarzlicht eine geheimnisvolle Note bekam.

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