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Aus der Stadt Der Meister des Augenblicks
Hannover Aus der Stadt Der Meister des Augenblicks
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13:58 12.02.2010
Von Daniel Behrendt
Fotograf Dirk Meußling vor seinen Bildern Quelle: Martin Steiner

Dabei ist viel Geduld und Können gefragt – gerade wenn die Models nicht stillhalten wollen. Dieses Problem kennt so mancher Hobbykoch: Man schmökert in dem Kochbuch irgendeines Gastropapstes und wird von den opulenten Abbildungen der Leckereien zum Nachkochen inspiriert. Man gibt sein Bestes, doch nie sieht das, was man nach stundenlangem Kochen, Blanchieren und Brutzeln auf dem Teller anrichtet, auch nur annähernd so appetitlich aus wie auf den Hochglanzfotos im Kochbuch. Praktisch unerreichbar ist die Vorlage aus zwei Gründen: zum einen, weil Sterneköche jahrelange Übung im kunstvollen Arrangieren von Speisen haben. Zum anderen, weil ein „Food“-Fotograf natürlich genau weiß, welche Kniffe er anwenden muss, um das Fleisch noch saftiger, die Erdbeeren noch praller und die Mousse noch cremiger aussehen zu lassen. Einer, der dieses Handwerk aus dem Effeff versteht, ist der in Isernhagen lebende Fotograf Dirk Meußling. Anders als manche Kollegen, die das Aussehen der Speisen durch allerhand Substanzen anhübschen, die im Essen eigentlich nichts zu suchen haben, erzielt der 41-Jährige seine Bildwirkungen nach eigenen Angaben alleine mit den klassischen Mitteln der Fotografie: mit Zeit, Blende, Lichtführung –˚und dem exakten Abpassen des perfekten Augenblicks.

„Dies war ein wirklich heikles Motiv“, sagt Meußling. Er hat einen Fotoband aufgeschlagen, ein Gemeinschaftswerk mit Sven Elverfeld, dem mit zwei Michelin-Sternen dekorierten Chefkoch des Restaurants „Aqua“ im Wolfsburger Ritz Carlton Hotel. Das Bild zeigt ein „Crème-Sorbet vom Rosé-Champagner“, eine sahnige Mousse, die von schäumenden Schampus umspült wird. „Hätte ich nur einen Sekundenbruchteil später auf den Auslöser gedrückt, wäre der Schaum längst zusammengefallen gewesen“, sagt Meußling. Der Künstler, der ein Gourmetmenü nicht nur aus fotografischen Gründen zu schätzen weiß, blättert weiter. Der Blick fällt auf kunstvoll angerichtete Leckereien wie „Atlantik-Rochenflügel“ oder „Offener Ravioli vom bretonischen Hummer“. Fünf Köche seien gleichzeitig im Einsatz gewesen, um diese filigranen Lebensmittelskulpturen fotogen zu machen, sagt Meußling, und scheint selbst ein wenig über diesen enormen Aufwand zu staunen.

Natürlich sind nicht alle seine Arbeiten derart arbeitsintensiv und hochglänzend. In Meußlings heller, weitläufiger Atelierwohnung in einer gründerzeitlichen Türmchenvilla hängt eine Serie kleinformatiger Schwarz-Weiß-Abzüge. Venedig im Herbst, menschenleer und melancholisch – eine Stimmung, die fast ein wenig konträr zu dem jungenhaft-unbekümmerten Wesen des Künstlers wirkt. Das Fotografieren in Schwarz-Weiß, die Arbeit in der Dunkelkammer, sagt Meußling, habe etwas Verletzliches. „Ein winziger handwerklicher Fehler, und die Arbeit von Stunden kann zerstört sein“, sagt Meußling. Doch allen Unberechenbarkeiten zum Trotz schätzt Meußling die analoge Schwarz-Weiß-Fotografie, die im Vergleich zur Digitalfotografie nur sehr begrenzte Manipulationsmöglichkeiten zulässt.

Wie vollendet der einstige Schüler des renommierten hannoverschen Fotografen Joachim Giesel die klassische Technik beherrscht, zeigt seine inzwischen rund 60 Arbeiten umfassende Serie von überlebensgroßen Schriftstellerporträts, die Meußling vor zwei Jahren im Auftrag des Theatermuseums Hannover begann. Günter Grass, Stefan Heym, Cees Nooteboom, Marcel Reich-Ranicki mit Gattin Theophila, Martin Walser und Dieter Hildebrandt schauen mal ernst, mal forschend, mal entrückt von den Studiowänden. „Hildebrandt war am schwierigsten, definitiv“, sagt Meußling. Er sei zwar ein netter, lustiger Typ, aber stillhalten, das könne er einfach nicht. Fast zwei Stunden lang musste der Fotograf bändigend auf sein prominentes Modell einwirken, ehe das Foto im Kasten war. Dass man dem Bild, das Hildebrandt ausgelassen lachend zeigt, die Mühen seines Entstehens nicht im Geringsten ansieht, spricht für die Geduld des Fotografen – und für sein Können.

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