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Dieses Labor in Hannover sucht Produkttester

Supernasen gesucht Dieses Labor in Hannover sucht Produkttester

Im Sensoriklabor Inspe-ct sind die Sinne gefragt. Die Wissenschaftler untersuchen dabei unterschiedlichste Faktoren und sind ständig auf der Suche nach neuen Produkttestern. Gefragt sind besonders gute Riech- und Schmeckfähigkeiten.

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Was mag das sein? Michaela Stolpe reicht Geschmacksproben durch eine Luke.

Quelle: Körner

Hannover. Die Hannoveranerin Patricia Feyzi aus der Nordstadt schnuppert gern an allem Möglichen. „Ich habe das schon als Kind getan und auch Sachen geschmeckt, die sonst keiner erkennt“, erzählt sie. Bei einem Essen in einem Restaurant auf Teneriffa habe sie zum Erstaunen des Kochs sämtliche Zutaten und Gewürze identifiziert. Wie gut Feyzi in diesem Metier wirklich ist, hat sie am Donnerstagnachmittag professionell überprüfen lassen. Sie saß im Sensoriklabor Inspe-ct in der Schillerstraße, das für regelmäßige Produkttests Prüfpersonen mit besonders guten Riech- und Schmeckfähigkeiten sucht.

Das Sensoriklabor Inspe-ct führt professionelle Geruchs- und Geschmackstests durch.

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Der Name Inspe-ct steht für „Innovationsmanagement, sensorische Produktevaluation und Consumer Trends“. Heißt übersetzt: „Wir begleiten und beraten Unternehmen der Nahrungs- und Genussmittelindustrie bei Innovationen und Qualitätssicherung“, sagt Geschäftsführer Prof. Thorsten Sander, der auch am Fachbereich Oekotrophologie (Haushalts- und Ernährungswissenschaften) der Fachhochschule Münster zum Thema lehrt.
Wohl jeder kennt die Geschichte mit den Äpfeln. Viele Kunden würden sich für einen glatten, unversehrten, rot-grün leuchtenden entscheiden, wenn das Konkurrenzangebot schrumpelig ist und braune Druckstellen hat. Dabei könnte es ja durchaus sein, dass der Schrumpelapfel besser schmeckt. Das Aussehen hat entschieden und damit ein sensorischer Aspekt.3

Optische und geschmackliche Eindrücke

Unter den Begriff fallen optische und geschmackliche Eindrücke, Gerüche sowie Empfindungen bei Berührung und das Gefühl im Mund. Auch das Ohr macht mit. „Wenn jemand eine Flasche Mineralwasser mit Kronkorken öffnet und es kein stilles Wasser ist, erwartet er – meistens unbewusst – ein leises Zischen“, schildert Sander.

Seit etwa einem Vierteljahrhundert widmet die Nahrungs- und Genussmittelindustrie diesem Feld erhöhte Aufmerksamkeit. „Sie will Flops bei Markteinführungen neuer Produkte vermeiden, die sehr kostspielig sein können“, sagt Sander. Ferner spielt Qualitätssicherung eine wichtige Rolle. Generell legten die Konsumenten, die es sich leisten können, höheren Wert auf Genuss. Dem müssen die Hersteller gerecht werden.

Der Geschäftsführer nennt als Beispiel einen Versuch mit einem Mischgetränk einer bekannten Marke. Testpersonen, die den Namen wussten, hätten gute Noten erteilt. Bei einer Blindverkostung sei das Getränk dann von den Testern abgestraft worden. „Das bedeutet, dass das Marketing funktioniert, sich aber möglicherweise irgendwann Handlungsbedarf bei der Qualität ergibt“, folgert Sander.

Das Labor in Hannover ist eines der wenigen in Deutschland, das diese speziellen Leistungen anbietet. Zu den Kunden von Inspe-ct zählen neben Getränkeherstellern Feinkostproduzenten, Unternehmen der Genussmittelbranche und die Hersteller von Backwaren und Snacks. „Wir führen nicht nur Tests durch, sondern erarbeiten anhand der Ergebnisse auch Maßnahmen, wenn ein Produkt zu optimieren ist“, sagt Sander. Möglich sei das, weil die ausgewählten und geschulten Testpersonen Geschmacks- und Geruchsempfindungen nicht nur beschreiben, sondern auch begründen können. „Das geht weit über übliche Konsumentenbefragungen hinaus“, erklärt Sander.

Eignungstests geben Auskunft

Bei den aktuellen Eignungstests, an denen auch Patricia Feyzi teilgenommen hat, geht es um ein deutsch-niederländisches Forschungsprojekt zum Geruch und Geschmack von Basilikum. Näheres darf Sander nicht berichten, aber auf jeden Fall müssen diejenigen, die später an der eigentlichen Versuchsreihe teilnehmen, besonders gut riechen und schmecken können. „Basilikum ist nicht gleich Basilikum. Es enthält Noten von Nelke, Zimt, Anis, Geranium und Linalool, einem Bestandteil vieler ätherischer Öle“, erklärt Sander. Bei unterschiedlichen Arten seien diese Noten unterschiedlich stark ausgeprägt.

Im Labor an der Schillerstraße füllen die Projektassistentinnen Sarah Hörnschemeyer und Michaela Stolpe unterschiedliche Gewürze in kleine Becher, ohne dass die freiwilligen Testpersonen das sehen können. Sie sitzen hinter verschlossenen Luken. Wenn sich die Luken öffnen, reichen die Assistentinnen Proben durch, und dann sollen die Tester sie identifizieren und beschreiben. Das klingt leichter, als es ist. Bei einer Dreierreihe an Testgläsern beispielsweise befindet sich in zwei Proben Oregano, in einer dritten Thymian. Einige Tests lassen die Labormitarbeiter unter Schwarzlicht ausführen, um spezielle sensorische Effekte zu erzielen.

Wie es um das Näschen von Patricia Feyzi wirklich bestellt ist und ob sie sich dem Basilikum widmen darf, wird sie demnächst erfahren, wenn die Testreihe abgeschlossen ist. Immerhin hat sie unter erschwerten Bedingungen Nelken und Piment auseinanderhalten können, was wegen der Ähnlichkeit der beiden Gewürze schon einmal eine Leistung ist. Außerdem ließ sich etwas lernen – beispielsweise, was es mit einer Flüssigkeit auf sich hat, die Hörnschemeyer in einen Becher gefüllt hat. Sie schmeckt brühig-fleischig, also umami, wie der Fachmann sagt. „Die Grundgeschmacksarten zeichnen sich dadurch aus, dass man sie allein mit der Zunge und damit mit verschlossener Nase definieren kann“, erklärt Sander. Seit dem Jahr 2000 zählt neben süß, sauer, salzig und bitter auch umami dazu. Das Wort stammt aus dem Japanischen; die Übersetzung lautet Wohlgeschmack. Nun ja – der Geschmack erinnert stark an Glutamat. Ob das wohlschmeckend ist, ist wohl Geschmackssache.

Natürlich gibt es sensorische Naturtalente, aber man kann sein Geruchs- und Geschmacksempfinden auch schulen. Das funktioniert individuell, wie es Feyzi getan hat, aber auch mit speziellen Schulungen für Mitarbeiter der Nahrungs- und Genussmittelbranche, die Inspe-ct ebenfalls anbietet.

Ein Tipp vom Fachmann: Wer bei einer Verkostung einen Geschmack neutralisieren wolle, tue dies in der Regel mit einem Schluck Wasser. Gehe es darum, einen bestimmten Duft aus der Nase zu bekommen, halte man diese am besten an die eigene Armbeuge und atme ein, rät Sander. „Der Eigengeruch eines Menschen ist derjenige, an den er sich gewöhnt hat und damit zur Neutralisation am besten geeignet.“

Supernasen gesucht

Für seine regelmäßigen Produkttests mit unterschiedlichen Lebensmitteln und Getränken sucht das Sensoriklabor Inspe-ct Prüfpersonen mit ausgeprägten Geruchs- und Geschmacksfähigkeiten; Geschäftsführer Thorsten Sander spricht etwas blumig von „Supernasen“. Wer herausfinden will, ob er für diese Versuchsreihen infrage kommt, kann bei Inspe-ct einen entsprechenden Eignungstest absolvieren. Er dauert in der Regel etwa eine Stunde und findet in den Laborräumen in der hannoverschen Innenstadt statt. Aktuell geht es um das Forschungsprojekt für Basilikum, demnächst wird für ein anderes Vorhaben eine spezielle Personengruppe angesprochen. „Wir suchen Interessenten, die sich vegan ernähren“, sagt Sander.

Bei den Testreihen erfahren die Teilnehmer nicht nur Näheres über die Fähigkeit ihrer Nasen und Zungen, sondern haben auch die Chance, wenigstens mittelbar an Produktentwicklungen in der Nahrungsmittelbranche teilzunehmen. Interessenten können sich per E-Mail an die Adresse testperson@inspe-ct.de anmelden.

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