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Aus der Stadt Der Rastlose
Hannover Aus der Stadt Der Rastlose
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16:19 15.06.2010
Erhielt das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement im Radsport: Reinhard Kramer.

Manchmal entwickelt sich eine Leidenschaft eher zufällig. So entstand die Begeisterung für den Radsport bei Reinhard Kramer einst auf dem Weg zur Schule. Da durchquert der junge Reinhard fast jeden Morgen die Eilenriede mit seinem alten Fahrrad und begegnet dabei den immer selben Mitschülern. Einer fährt Rennrad, ein anderer fordert Reinhard auf, doch mit ihnen um die Wette zu fahren. Der versucht es und kann mithalten, mehr noch, er fährt dem ehrgeizigen Rennradfahrer davon. Die neuen Bekannten sind voller Respekt. Sie überreden den Schüler, in den Hannoverschen Radsport Club (HRC) einzutreten, er tut es - und wird mit den Jahren zum Aushängeschild des hannoverschen Radsports.

Die „Nacht von Hannover“, das alljährliche große Rennen in der Innenstadt, hat Kramer mehr als 30 Jahre lang organisiert. Gestern wurde der 72-Jährige im Rathaus für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet - nachdem er zuvor noch mal schnell 25 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt hatte.

Die Leidenschaft für den Radsport hat Kramer seit seinem ersten, kleinen Rennen in der Eilenriede nie losgelassen. Auf einer Bank vor den Klubräumen des HRC lehnt er sich zurück, blinzelt durch seine dunkle Brille in die Sonne und erzählt vom Gefühl, schnell unterwegs zu sein. „Es ist der Reiz der Geschwindigkeit, der Kampf Ellenbogen an Ellenbogen, das Empfinden der persönlichen Grenze“, beschreibt Kramer seine Begeisterung.

Auf dem Rennrad müsse man sich überwinden. Darum fahre er auch heute noch 50, 60 oder 70 Kilometer, am besten jeden Tag. „Einmal um die Marienburg und zurück“, sagt Kramer. Eine große Sache will er daraus auch mit über 70 Jahren nicht machen. Er fahre eben gern, sagt er mit ruhiger Stimme. Und besonders erfolgreich sei er bei Sportwettkämpfen ja auch gar nicht gewesen. „Ich habe nie ein Rennen gewonnen.“ Höchstens Zweiter oder Dritter sei er geworden.

Es ist diese besondere Mischung aus Bescheidenheit und Leistungswillen, die Kramer als Organisator von Radrennen bundesweit bekannt gemacht hat. Immer wieder klopfte er nach seiner aktiven Sportlerlaufbahn an Rathaustüren, sprach bei Sponsoren vor, verhandelte mit seinem langjährigen Arbeitgeber, der Volksbank, pflegte Kontakte und schuf etwas Unbezahlbares: Vertrauen. „Die Stadt weiß, dass sie sich auf mich verlassen kann und dass wir immer bis ins Detail planen“, sagt Kramer. So verwundert es auch nicht, dass man ihm zuhörte, als er einst von einer Reise in die Niederlande zurückkehrte und danach ein Radrennen mitten in der Stadt vorschlug, bei Nacht. Man versprach Unterstützung - und es entstand die „Nacht von Hannover“.

Die „Nacht“, wie sie Kramer liebevoll nennt, ist seit 1975 eine der größten Sportveranstaltungen der Stadt. Für Kramer sind die Rennen persönliche Karrierehöhepunkte. Bis zu 80 000 Menschen haben sich die Wettbewerbe jeweils angeschaut. Kramer holte Erik Zabel, Jan Ullrich und Mario Cipollini nach Hannover und wird noch heute von Radsportlegenden wie Rudi Altig regelmäßig zum Geburtstag angerufen. Als er sich im vergangenen Jahr aus der Organisation zurückzog, drehte er zum Abschied mit Ehrengast Jan Ullrich eine Ehrenrunde. „Solche Leute braucht der Radsport“, lobte der Profi, und Kramer wurde bejubelt, als hätte er gerade selbst ein Rennen gewonnen.

Insgesamt hat Kramer mehr als 300 Radrennen veranstaltet. „Mit vielen Fahrern habe ich ein freundschaftliches Verhältnis“, erzählt der 72-Jährige, der immer noch Spaß am Organisieren hat. „Ich sitze jeden Tag zwei Stunden am Computer und plane.“ Das 9. Döhrener Jazz-Festival auf dem Fiedelerplatz am 29. Mai zum Beispiel. Oder das neue Hobbyfahrerrennen am 27. Juni, die „Velo Challenge“, die er zusammen mit Detlef Rehbock plant. Mehr als 1000 Anmeldungen liegen schon vor. Kramer rechnet mit 2000 Fahrern, das gab es in Hannover noch nie.

„Wenn ich morgens aufstehe und wüsste, ich habe nichts zu tun, wäre ich nicht zufrieden“, sagt er. Und doch möchte er kürzertreten. „Wenn ich auf dem Schreibtisch mehr als vier oder fünf zu erledigende Sachen gleichzeitig liegen habe, werde ich inzwischen krabbelig“, sagt Kramer. Darum hat der aktive Karnevalist in diesem Jahr auch seinen letzten Narrenumzug für das Komitee Hannoverscher Karneval organisiert. Es wurde zu viel. Im kommenden Jahr wird Kramer natürlich dennoch hingehen und mitfeiern. Und aufzuhören, sich für den Radsport zu begeistern, wird er vermutlich nie.

Dass er für diese Leidenschaft nun auch noch das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, freut ihn. „Es ist für mich etwas ganz Besonderes“, sagt er und strahlt, als hätte er wieder eine Etappe gewonnen. Beim großen Rennen, das Leben heißt.

Jan Sedelies

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