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Aus der Stadt Der Rock kommt zum „Nitrofest“ nach Hause
Hannover Aus der Stadt Der Rock kommt zum „Nitrofest“ nach Hause
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00:16 24.03.2013
Von Sonja Fröhlich
Hart aber herzlich: Nitrogods-Gitarrist Henny Wolter und Motorblock-Bassist Axel Werner hauchen dem Rock neues Leben ein – so wie vor 25 Jahren. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Das Angebot klang verlockend. Eine bekannte deutsche Schlagersängerin hatte dem hannoverschen Gitarristen Henrik „Henny“ Wolter einen Job angeboten. 350 Euro pro Abend sollte es geben. Da hat Wolter schon mal überlegt, ob er das Genre wechselt. Immerhin sind die Hallen ausverkauft, wenn die Kollegen von der Volksmusik spielen.

Es gab Zeiten, da hat Wolters frühere Band Thunderhead das auch geschafft. Aber nicht mit Schnulzen, sondern mit hartem Rock und Metal: „Take It to the Highway“, „Young and Useless“ und so ähnlich hießen ihre Hits. Gut ein Vierteljahrhundert ist das her. „Damals war Hannover noch eine Rock-Metropole, in der Rocker aus der ganzen Welt spielten; Manager und Plattenfirmen suchten hier nach Talenten“, sagt Wolter wehmütig.

Auch seine damalige Band Thunderhead war bekannt, nicht ganz so wie die hannoverschen Scorpions, aber immerhin brachte sie es auf 40000 verkaufte Alben und drei Tourneen im Jahr - achtmal ging es nach Japan. Und Henny Wolter konnte sich sogar sein Traumauto leisten, eine 68er Corvette. Wenn sie in Hannover rockten, waren das Capitol und die frühere Music Hall auf dem Hanomag-Gelände brechend voll: „Da sind die Leute abgegangen wie die Ossis nach der Grenzöffnung“, schwärmt Wolter.

Unzählige Stunden verbrachten sie mit den Jungs aus der Szene in Rockbars wie der „Fledermaus“ in der Kronenstraße oder dem „Leine-Domi“ in der Altstadt. Damals schien der große Durchbruch nicht weit. Lange ist das her.

Wer heute von Hannovers Rockern spricht, meint den Rockerklub Hells Angels. Dabei sind die Höllenengel zwar für vieles Anrüchige bekannt, aber eben nicht für selbst gemachte Höllenmusik. Mittlerweile hat sich der Klub, der einst am Steintor Wache schob, nach eigenem Bekunden aufgelöst. „Wir hatten und haben keine Schnittstellen, bis vielleicht auf den gleichen Musikgeschmack“, sagt Axel Werner, Bassist bei der hannoverschen Punkrockgruppe Motorblock. Allerdings bekommen (Hard-)Rockbands in Hannover eben kaum noch eine Bühne - bis auf ein paar wenige Bars im Steintorviertel.

Denn nach dem großen Rockboom kamen die Musikstile Grunge und Techno und irgendwann Remixer wie Mousse T. Musik aus dem Computer vertrieb die puristischen Rockmusiker („Kabel in den Verstärker, und ab geht’s“) mit ihren unkontrollierten Schweißausbrüchen von der Bühne. Die Zeiten von Sex, Drugs und Rock ’n’ Roll hatten die Scorpions weit gebracht, aber Bands wie Thunderhead, Jane, Fargo und Viva (mit Barbara Schenker, Schwester von Scorpions-Gitarrist Rudolf), die immer ein bisschen hinterherhinkten, schafften es nicht, sich eine große Fangemeinde zu erhalten.

Die Abwärtsspirale führte bei Thunderhead zu Drogenproblemen und handfestem Krach - nach acht Jahren löste sich die hannoversche Band auf. Henny Wolter machte als Mietgitarrist weiter, reiste auch mit der Reihe „Rock meets Classic“ herum. Aber der Bikerrock fehlte ihm, vor knapp zwei Jahren gründete er mit den Nitrogods wieder eine eigene Band. In Süddeutschland, der Schweiz und Österreich haben sie Auftritte. Aber in Hannover, der ehemaligen „Rock-City“, findet sich kein Konzertveranstalter, der ihnen Gigs zuspielt.

Nach dem großen Rockboom kamen Musikstile wie Grunge und Techno auf den Markt. Sie vertrieben die puristischen Rockmusiker mit ihrer Lederkleidung und oft wildem Auftreten. Heutzutage gibt es für
 Hardrockbands kaum noch eine Bühne. Mit dem
„Nitrofest“ soll sich das jetzt ändern. Damals selbst in der Hardrockszene unterwegs, veranstalten Henny Wolter und Alex Werner nun das Rockfest in Hannover, um die fast vergessene Musikrichtung wieder in Erinnerung zu bringen.

Obwohl die Musiker ausgemacht haben wollen, dass das Interesse an „authentischer Rockmusik wieder steigt.“ Im vergangenen Jahr traten die Nitrogods erstmals in Hannover auf, im kleinen Alternativklub Béi Chéz Heinz. „Wir hatten gar nicht damit gerechnet, dass es so voll wird“, sagt Wolter. Leider sei deshalb auch der Whiskey alsbald leer gewesen.

Das soll am Sonnabend keinesfalls passieren, wenn Wolter und Werner ihr erstes eigenes Rockfestival veranstalten. Ihr Ansinnen: Das „Nitrofest“ soll den Rock zurück nach Hannover holen und der neuen Generation von Rockbands eine eigene Plattform bieten. Henny Wolter freut sich „tierisch“ auf den Gig und verspricht: „Bei uns werden keine kleinen Äpfel auf Computern im Hintergrund leuchten.“ Zur Volksmusik wechselt er übrigens doch nicht. Da hätte er mit Zopf und Anzug spielen müssen und Vollplayback - das Schlimmste, was es für einen Vollblutrocker gibt.

Das „Nitrofest“ beginnt am Sonnabend um 20 Uhr (Einlass 19 Uhr) im Musikzentrum, Emil-Meyer-Straße 26-28. Karten gibt es für 14 Euro (zzgl. Vorverkaufsgebühr) in den HAZ-Ticketshops im Theater am Aegi, im Üstra Service-Center, im Kaufhof Ernst-August-Platz, oder in den HAZ-Geschäftsstellen sowie für 17 Euro an der Abendkasse.

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