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Teurer Fadenabriss

Roter Faden ist verblasst Teurer Fadenabriss

Er leitet die Touristen durch Hannover – doch jetzt ist der rote Faden verblasst und sogar an einigen Stellen entfernt worden. Grund dafür ist der Wandel in der Stadt und den Baustellen. Der Kultpfad soll erneuert werden – auch wenn das mit 15.000 Euro ein teurer Spaß ist.

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Schon deutlich verblasst, aber noch zu erkennen: Der rote Faden hat auf dem Pflaster der Georgstraße in Höhe von Oper und GOP-Varieté an Signalwirkung verloren, gibt dem nach Sehenswürdigkeiten Suchenden jedoch weiterhin die Linie vor.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Die junge Studentin aus Leipzig schaut sich Hilfe suchend auf dem Platz der Weltausstellung um. Sie blickt immer wieder zu Boden, so als hätte sie etwas verloren. Aber sie vermisst weder Mobiltelefon noch Schlüssel, sondern einen roten Pinselstrich. Gerade ist sie der Markierung durch die Grupenstraße gefolgt, dann endete die Linie abrupt. Jetzt schimmert kein einziger Farbfleck auf den hellen Fliesen des Platzes. „Ich weiß nicht mehr weiter“, sagt Nina Budig.

Vielen anderen Touristen dürfte es ähnlich ergehen wie der Studentin, die übers Wochenende zu Besuch bei einer Freundin in Hannover ist. Sie wollte dem roten Faden folgen, jener aufs Pflaster gepinselten Richtschnur, die Besucher an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt vorbeiführt. Doch der Faden ist an etlichen Stellen abgerissen. Auf der Luisenstraße ist er nicht mehr zu sehen, auf dem Kröpcke fehlt er völlig, und am Hohen Ufer endet er vor einem Baustellenzaun. Und dort, wo er noch zu sehen ist, verblasst die Farbe. „Uns sind die Lücken sehr wohl bewusst“, sagt Hans Nolte, Chef der Hannover Marketing und Tourismus Gesellschaft (HMTG).

Grund für die Lücken ist der Wandel der Innenstadt. Rund um den Kröpcke ist neues Pflaster verlegt worden, ebenso auf der Luisenstraße. Am Hohen Ufer gähnt eine tiefe Baugrube. Dort errichtet die Baufirma Helma zwei Wohn- und Geschäftshäuser. Gleich nebenan lässt die Stadt Hannover ein ehemaliges Schulgebäude komplett sanieren. Im Sommer wird dort die VHS ihren neuen Hauptsitz haben. Der Trammplatz vor dem Rathaus, der ebenfalls auf der Route des roten Fadens liegt, bekommt einen neuen Bodenbelag. Die vielen Baustellen und neuen Pflastersteine haben dem roten Faden arg zugesetzt. Die Stadt Hannover kündigt an, ihn bis zum Sommer zu überarbeiten und wieder eine durchgängige Besichtigungsstrecke herzustellen. Geschätzte Kosten: rund 15 000 Euro.

Studentin Budig wäre ohne Hilfe niemals darauf gekommen, dass der rote Faden auf dem Platz der Weltausstellung und am Kröpcke eine Pause einlegt und erst auf der Bahnhofstraße wieder seine Arbeit aufnimmt. „Wer keinen Plan zur Hand hat, ist aufgeschmissen“, sagt sie. Erst mithilfe der Broschüre zum roten Faden, die für 3 Euro in der Tourist-Information gegenüber dem Hauptbahnhof erhältlich ist, wird die Route deutlich. Der Charme des roten Fadens liegt aber gerade darin, Besuchern den Blick auf Stadtkarten zu ersparen.

Der Rote Faden, der in Hannovers Innenstadt Sehenswürdigkeiten verbindet, ist verblasst und soll erneuert werden.

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Die Stadt Hannover hatte sich im Sommer vergangenen Jahres mit weißen Pfeilen auf rotem Grund beholfen. Die Bodenaufkleber sollten Orientierung auf den fadenfreien Abschnitten geben. Rund 10 Prozent der 4,2 Kilometer langen Strecke mussten auf diese Weise ersetzt werden. Überall dort, wo Baustellen den Pinselstrich durchbrochen hatten. Doch inzwischen sind die runden Aufkleber entweder abgewetzt oder gar nicht mehr vorhanden. „Es gibt sicher einige Hannoveraner, in deren Zimmer jetzt unsere Pfeile hängen“, vermutet HMTG-Chef Nolte. Auch hätten Scherzbolde manche Aufkleber abgelöst und die Pfeile dann in verkehrter Richtung wieder befestigt.

„Wir wollten testen, ob Besucher ihren Weg finden“, sagt Nolte. Trotz der geringen Haltbarkeit der Pfeil-Sticker habe sich das System bewährt. „Besucher konnten sich an den Hinweisen gut orientieren“, meint der HMTG-Chef. Jetzt gehe es darum, Faden und Pfeile zu kombinieren.

Tatsächlich will die Stadtverwaltung die neu gepflasterte City nicht mehr mit einem roten Pinselstrich übertünchen. „Das wäre nicht nur ästhetisch fragwürdig. Ein Platz wie der Kröpcke würde in zwei Hälften geteilt“, sagt Nolte. Ebenso unsinnig sei es, das Mosaik auf dem Platz der Weltausstellung mit einem roten Strich zu durchkreuzen oder gar den für knapp 3 Millionen Euro verschönerten Trammplatz.

Die letzte Renovierung des Pinselstrichs ist erst drei Jahre her. 20 000 Euro hatte die Stadt ausgegeben, um die Markierung mit einer Drei-Komponenten-Farbschicht aufzufrischen. Einer Million Fußtritte werde der Faden standhalten, hieß es damals vonseiten der Stadt. Doch man hatte offenbar nicht mit dem Reibungsverlust durch Streusand und Splitt gerechnet. Der Faden ist dünn geworden, das soll sich wieder ändern.

„Wir testen jetzt eine neue Oberflächenversieglung“, sagt der Tourismus-Chef. Bis zum Sommer soll der rote Faden wieder leuchten und Besuchern eine verlässliche Richtschnur durch die City sein - stellenweise mit Pfeilen.

Vom Werbegag 
zum Kultpfad

Eine Linie fürs Image: Der rote Faden ist keine Erfindung von Stadthistorikern, sondern stammt aus der Feder von Werbegrafikern. Anfang der Siebzigerjahre wollte sich Hannover (mal wieder) ein neues Image verpassen. Weg vom Bild der grauen Beamtenstadt, hin zur weltoffenen, innovativen Metropole sollte es gehen. Eine Düsseldorfer Werbeagentur wurde beauftragt, Kampagnen zu entwickeln und Hannover in schillerndes Licht zu tauchen. Zusammen mit dem Leiter des damaligen städtischen Verkehrsamtes, Hans von Gösseln, entwickelten die Werber die Idee, Stadtführung einmal anders aufzuziehen. Nicht mit Fähnchen und Führer vorneweg, sondern selbstständig und in eigenem Tempo. Ohne unterwegs Stadtpläne aufklappen zu müssen, sollte der Weg an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei schnell zu finden sein. Was lag da näher, als eine Linie aufs Pflaster zu malen?

asl

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