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Aus der Stadt Der Sozialmanager
Hannover Aus der Stadt Der Sozialmanager
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13:06 11.08.2009
Von Susanne Hildebrandt- Heene
Reinhold Fahlbusch kümmert sich seit seiner Pensionierung um das Sozialkaufhaus. Quelle: Frank Wilde

Es ist, als spiegele die Einrichtung seiner Wohnung in der Lister Baumbachstraße die beiden Gegensätze seines Lebens. Hier das warme Arbeitszimmer mit dem Lümmelsofa in der Ecke, dem selbst aufgearbeiteten Schreibtisch, dem alten Schrank vom Vater, den dieser 1946 aus einem zerbombten Haus geborgen hat, und den unzähligen Büchern und Erinnerungsstücken. Und dort das Wohnzimmer mit der Schrankwand, der Couchgarnitur und dem großen Fernsehgerät – fast kühl in jeder Hinsicht. Reinhold Fahlbusch war Bankmanager – und engagierte sich von Jugend an sozial. Heute ist der 61-Jährige, der sich 2005 von der Apotheker- und Ärztebank in den Ruhestand verabschiedete, Vorstandsvorsitzender der „fairKauf“-Genossenschaft, die Träger des neuen Sozialkaufhauses in der Limburgstraße ist.

Er habe stets das Gefühl gehabt, der Gesellschaft etwas wiedergeben zu müssen, sagt Fahlbusch. Der Gesellschaft, die es dem Jungen aus Linden einst ermöglichte, etwas zu werden – obwohl die Schulbildung zunächst doch „eher unzureichend“ war, wie er es formuliert.

Reinhold Fahlbusch wuchs als eines von drei Kindern in bescheidenen Verhältnissen auf. Der Vater war Maurer, die Mutter Hausfrau. Er wollte gerne zur Goetheschule gehen, doch den Eltern fehlte das Schulgeld. Der Junge besuchte schließlich die Mittelschule auf dem Lindener Berg und später die im Fössefeld. Er war fleißig, diese Disziplin hat er vom Vater geerbt. Der hat ihn auch das tägliche, intensive Zeitungsstudium gelehrt. Auch wenn es im Elternhaus wenig Bücher gegeben habe, so sei diese Lektüre für den Vater stets Pflicht gewesen, erzählt der 61-Jährige. Und so studiert Reinhold Fahlbusch auch heute tagtäglich von 5.45 bis 6.45 Uhr die HAZ. Später am Tag würde dem Vater zweier längst erwachsener Söhne die Zeit dazu fehlen. „Dann schaffe ich mein Pensum nicht.“

Nach der mittleren Reife begann Reinhold Fahlbusch eine Lehre bei der damaligen Sparkasse des Landkreises Hannover. Das Bankgeschäft lag ihm – und er ahnte, „dass er es damit weiterbringen würde als der größte Teil seiner Familie“. In den sechziger Jahren begann er sich in der katholischen Jugendarbeit zu engagieren. Für den Moment kokettierte er damit, Jugendpfleger zu werden. „Doch bei allem jugendlichen Idealismus überwog schließlich der Realismus.“ Reinhold Fahlbusch bildete sich beruflich fort, dem Engagement in den verschiedensten Laiengremien der Kirche blieb er treu. Sei es die Mitarbeit bei der Obdachlosen-Zeitung „Asphalt“ oder in der Frühstücksstube der Clemenskirche, in der Obdachlose sonnabends ein Frühstück bekommen – die Zahl seiner Ehrenämter wuchs.

Berufliche Gründe führten Reinhold Fahlbusch schließlich nach Düsseldorf. Er wurde Bereichsleiter in der Hauptverwaltung der Apotheker- und Ärztebank. Damit stand er zwar nicht an der Spitze des Unternehmens. Doch das war ihm ohnehin nie wichtig. Er sei zwar ehrgeizig, müsse sich aber nicht in den Vordergrund schieben. „Ich fühle mich als erster Mann in der zweiten Reihe am wohlsten.“ Die Sache müsse nach vorne gebracht werden. „Das ist wichtig.“ Seine Sache, das ist seit seiner Pensionierung nun das Sozialkaufhaus. Ähnliches Engagement empfiehlt Fahlbusch allen angehenden Pensionären. „Man kann den Einstieg ins Alter erleichtern, indem man das, was man kann, weitergibt. Dann ist der Eintritt in den neuen Lebensabschnitt kein Sturz-, sondern ein Gleitflug“, sagt er – und macht es sich auf seiner Lümmelecke im Arbeitszimmer bequem – zwischen den Geschichtsbüchern, seinen Fotografien und den Erinnerungen aus Kindertagen. Und manchmal, wenn ein wenig Zeit bleibt, geht er hinüber zur Lister Meile, trinkt einen Kaffee im „Panama“ – „und guckt, was der liebe Gott so alles aus seinem Garten entlassen hat“.

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