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Fristlose Kündigung

Der „Teewurst-Fall“ empört die Politik


Mit Befremden und Empörung reagiert die hannoversche Stadtpolitik auf die fristlose Kündigung einer Mitarbeiterin der Caritas Seniorendienste Hannover. Die körperbehinderte Pflegehelferin, die 18 Jahre lang im Misburger Seniorenzentrum St. Martinshof beschäftigt war, wurde entlassen, weil sie sich ein Brot mit einem Stück Teewurst bestrichen hatte, das eigentlich für die Heimbewohner bestimmt war.

Die Frau hat gegen die Kündigung vor dem Arbeitsgericht Hannover geklagt, verhandelt wird am 2. Dezember.

Die Entscheidung der Caritas ist für den hannoverschen SPD-Chef Walter Meinhold nur schwer nachvollziehbar. „Ich bin menschlich sehr erschrocken“, sagte er am Donnerstag. „Im Angesicht dessen, was wir an Vergeudung von Millionensummen erlebt haben, passt da etwas nicht mehr.“ Zwar entschuldige der geringe Wert, um den es in dem Fall gehe, ein Fehlverhalten wie das der Arbeitnehmerin nicht. „Aber der Druck, der durch solch harte Sanktionen ausgeübt wird, trägt in den Betrieben nicht zum guten Klima bei.“

Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer, Vorsitzender des Rechtsausschusses des Niedersächsischen Landtages, mahnt neue gesetzliche Regelungen für Fälle wie den hannoverschen Teewurst-Diebstahl an. „Die bestehende Rechtsprechung ist aberwitzig“, sagt Toepffer. Seine Kritik richtet sich gegen den Umstand, dass Arbeitgeber nach geltendem Recht den Diebstahl sogenannter geringwertiger Sachen ohne Abmahnung mit dem Rausschmiss quittieren können. „Das Problem ist, dass man solche Dinge vorschieben kann, wenn man einen Mitarbeiter loswerden will.“

Die 40-jährige Pflegehelferin allerdings hatte bereits vor der fristlosen Kündigung Abmahnungen erhalten, wie ihre Anwältin Sabine Kiemstedt am Donnerstag bestätigte. Dies deutet nach Auffassung von Kiemstedt aber nur darauf hin, dass die Caritas eine Trennung von der Mitarbeiterin habe forcieren wollen. Wilfried Engelke, FDP-Fraktionschef im hannoverschen Rat und Handwerksmeister, kann die Entscheidung der Caritas für die fristlose Kündigung „nachvollziehen“, eben weil es zuvor bereits Abmahnungen gegeben habe. Linken-Fraktionschef Michael Höntsch dagegen zeigt sich von dem Teewurst-Fall „als Christ und als Linker entsetzt“. Tina Kolbeck, Sprecherin des DGB-Niedersachsen, nennt die Kündigung „empörend“ angesichts „dicker Abfindungen“ für Banker, die „viel weitreichendere Fehler machen“. Für den DGB ist die Häufung von Kündigungen aus nichtigen Anlässen eine Folge der Finanzkrise.

Der Sprecher des hannoverschen Arbeitsgerichts, Kilian Wucherpfennig, räumt zwar ein, dass sich die Zahl der Verfahren gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent erhöht habe. Er betont aber, dass es auch in der Vergangenheit fristlose Kündigungen bei geringwertigem Diebstahl gegeben habe – Kündigungen, die zumeist von den Arbeitsgerichten bestätigt wurden.

von Felix Harbart
 und Heinrich Thies

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  • Teewurst: Caritas heißt Nächstenliebe Hagen Jung – 20.11.09
    Würde ein knallharter Discounter eine Mitarbeiterin wegen eines Wurstverzehrs feuern, könnte ich nur sagen: Nun, von denen hätte ich nichts anderes erwartet. Aber: Die Caritas? Im Klartext: die christliche, die katholische Kirche. Ich könnte nun zahlreiche Bibelstellen, Jesus-Worte usw. usw. zitieren, welche die Unbarmherzigkeit derer belegen, die der Frau gekündigt haben. Caritas heißt zu deutsch unter anderem Nächstenliebe. Diese wiederum schließt auch Barmherzigkeit und Vergebung mit ein. Ich schäme mich für die katholische Kirche, der ich angehöre. In unserer Kirche liegt dann und wann eine Caritas-Sammeltüte; am liebsten würde ich eine Teewurst hineinstecken; an einer solchen misst eine sich christlich nennende Organisation offenbar menschliche Werte. Pfui!
  • Alles Wurst? wolpi – 20.11.09
    Ich kann die Krokodilstränen der Politiker nicht ganz ernst nehmen.
    Die aktuelle Politik überträgt doch mehr und mehr ihre Religion des reinen Marktes auf die Krankheits- und Pflegesysteme. Mitmenschliche Pflege wird als immer billigeres Marktgut entwertet.
    Wenn man (Johannisstift) so einen karitativen Laden kauft hat der gefälligst eine ordentliche Rendite abzuwerfen. Da sind behinderte und schlecht "performende" Mitarbeiter ein Klotz am Bein.
    An der Pflege selbst wird ohnehin gespart.

    Liebe Politiker: Beschäftigt Euch bitte mehr mit den Ursachen der Misere, als an den Symptomen herumzudoktern!
  • ein gefundenes Fressen.. Insider – 20.11.09
    Liebe Politiker und Sprücheklopfer, habt ihr nichts schlaueres zu tun als sich mit Inbrunst auf dieses Thema zu stürzen und dumme Phrasen zu dreschen? Wäre die Dame eine gute Mitarbeiterin gewesen hätte die Caritas sicherlich die Wurst verziehen und nicht als finalen Kündigungsgrund herangezogen - es gab ja schon genügend Abmahnungen im Vorfeld. Ich wünsche jedem Dummschwätzer von euch im Alter eine solche Pflegekraft! Aber vermutlich begibt sich ja keiner von euch in ein solches Heim, sondern genießt Privatpflege! Caritas, ihr seid noch viel zu gut zu manchen Mitarbeitern! Weiter so!
  • Politiker... OhneAufregung – 20.11.09
    Ich bin doch verwundert über das, was unsere Damen und Herren Politiker da mal wieder zum Besten geben. Es ist lachhaft, dass derartige Kündigungen vorgeschoben werden können, um einem Arbeitnehmer zu kündigen. Das ist völliger Quatsch und das weißt derjenige vermutlich selber. Wie soll ich jemandem wegen dieses Vertrauensbruchs kündigen, wenn er die Teewurst nicht klaut? Manchmal sollte man vielleicht erst nachdenken und dann reden.

    Der Vergleich mit den Bankern hinkt nicht, er ist völlig verfehlt. Die Banker - zumindest die in unserem Land - begehen bei ihrer Arbeit keine Straftaten. Auch wenn dabei unter Umständen mehr Geld auf dem Spiel steht, als wenn man eine Teewurst isst. Bei den Entscheidungen der Banker geht es um Entscheidungen, die im menschlichen Ermessen liegen. Und wo Menschen arbeiten, passieren Fehlentscheidungen, die in diesem Sektor meist nicht einmal vorhersehbar sind. Man kann nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.
  • Empörung JJ – 20.11.09
    Vielleicht denken all diese "rechtschaffend Empörten" mal darüber nach, wie sie selbst reagieren würden, wenn eine Pflegekraft Teile einer Malzeit, die für sie bestimmt ist,entwendet und selbst isst. Diese Leute wären doch die Ersten, die sich bei der Heimaufsicht beschweren würden
  • Kündigungen - Bestrafungen bibo – 19.11.09
    Diese Kündigungen aufgrund von Bagatell"delikten" mit den "weitreichenden Verfehlungen" von einigen Bankern zu vergleichen ist - in meine Augen: gelinde gesagt - mehr als hinkend.
    Warum ist der Gesetzgeber wohl nur so deutlich wenn es um Banalitäten geht? Und bei weitreichenden Fehlern nicht? Könnte das Absicht sein ?!
    Gibt es sowas wie: tendenziöse Gesetzgebung?!

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