Am Dienstag gab es schon mal einen Vorgeschmack darauf: Am Landtag besetzten rund 150 Demonstranten die Treppe des Portals, einzelne Gruppen protestierten in der City, und im bestreikten Schneiderberg wurden eifrig Transparente gebastelt.
In den Räumen des Seminars für Politische Wissenschaft am Schneiderberg liegen am Dienstag Rucksäcke und Isomatten verstreut. Studenten und Schüler der Integrierten Gesamtschulen aus Linden, der List und dem Roderbruch haben Tische beiseite geschoben und malen gemeinsam Transparente, als die Nachricht eintrifft: Am Landtag will die Polizei gegen Demonstranten vorgehen. Sofort fahren einige Dutzend in die Stadt.
Vor dem Landtag halten 150 Studenten aus Hildesheim und Hannover eine Weile die Treppe besetzt, rücken aber bald friedlich aus der Bannmeile ab. „Wir kommen morgen wieder“, ruft Lisa Kirchner, 21-jährige Studentin aus Hildesheim. Ob die spontane Aktion von Studenten aus Hildesheim oder Hannover ausging, weiß später keiner mehr so genau – auch nicht Nathan Maurer, Sprecher des sogenannten Bildungsbündnisses – einer kunterbunt zusammengewürfelten Organisation aus Studenten, Schülern und linken Gruppen.
Spontaneität spielt eine große Rolle bei der Aktionswoche für Bildung. So demonstrierte am Kröpcke Dienstag eine Gruppe in Abendgarderobe, mit CDU-Fähnchen und Champagner für ein „Abi nur mit Adelstitel“ und ruft: „Ich studier’ – du Hartz IV!“ Nicht alle Passanten verstanden die Ironie.
Unklar blieb am Dienstag , ob die Kundgebung am Mittwoch symbolisch um fünf Minuten vor 12 Uhr beginnt, wie die Organisatoren vom sogenannten B-Team sagen, oder um 12 Uhr, wie vom Bildungsbündnis geplant. Sicher ist aber die Route, die vom Klagesmarkt über den Hauptbahnhof zum Aegi und nach einem Schlenker über die Georgsstraße zurück zum Ausgangspunkt führen wird. Während des Demonstrationszuges rechnet die Polizei mit temporären Behinderungen im Straßenverkehr. Bei dem Protestmarsch werden sie dann alle da sein: Lisa Kirchner, Nathan Maurer – und die Gruppe in Abendkleidung.
von Rüdiger Meise und Stephan Fuhrer
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Kommentare
Meer der Tränen noch ein besetzer – 18.06.09
Es ist schon bezeichnend, dass nun die Politik-Studenten anfangen zu jammern, dass sie daran gehindert werden ihre Seminare zu besuchen und das es nun so dreckig sein soll...Da bekommen sie ihre Hintern nicht hoch, während in der ganzen Republik Mobilisiert, Blockiert und Protestiert wird und beklagen sich, dass sie sich nicht auf ihre Prüfungen vorbereiten können.
Wie wäre es denn mal mit ein wenig Reflexion, dass es genau um diese Verhältnisse geht, die euch quasi naturwüchsig disziplinieren?
Aber es ist ja bequem alles auf die Umstände zu schieben, dann braucht man sich nicht mehr selber Gedanken machen...
Wie wäre es denn mal mit selber gestalten, als zu mosern? Vielleicht ist da deutlich mehr zu lernen, als im gleichförmigen Leerbetrieb.
Das zum großen Teil SchülerInnen mit von der Partie sind macht mir Hoffnung, denn es scheint doch noch Menschen zu geben, die über den eigenen Tellerrand hinausschauen. Im Schneiderberg sind das tatsächlich erschreckend wenige geworden.
Also weniger motzen und mehr machen, vielleicht entsprechen Protestformen dann auch mehr den Vorstellungen der Kritiker.
Auch wenn nicht alles Gold war, so muss auf jeden Fall ein positives Fazit der Protestwoche gezogen werden!
Schüler schwänzen nichts anderes Student – 17.06.09
Als einigen Kommilititonen und mir heute erneut der Zutritt zu einem der Seminarräume verwehrt wurde, wollten wir ein kleine Diskussion mit den Schülern anfangen, die den Raum besetzen. Wir fragten sie, mit welcher Absicht sie uns den Zutritt verwehren. Daraufhin der Schüler: "Solange ich das hier mache, brauche ich nicht zur Schule!"Das ist also die eigentliche Motivation vieler Schüler die den Schneiderberg besetzen. Sie sehen es eher als Abenteuer und wissen garnicht genau warum demonstriert wird.
Rauswerfen! Der Demonstrant – 17.06.09
Werft diese Linksfaschisten endlich raus aus der Uni! Demoteilnahme für eine bessere Bildungspolitik gerne, aber nicht eine, die von solchen geistigen Tieffliegern organisiert wird und die nur zeigen, wie dringend notwendig Bildung in diesem Land ist.Schneiderberg Rxt – 17.06.09
Morgens um acht vorm Schneiderberg Bier trinken ist für mich keine Form vom Protest. Außerdem sieht das Gebäude im wahrsten Sinne des Wortes wie Sau aus. Ich wurde eben gehindert an einem Seminar teilzunehmen und zwar von irgendwelchen Leuten die absolut nichts mit dem Schneiderberg zu tun haben. Nebenbei der überwiegende Teil der Studentenschaft von dort findet Zeitpunkt, Art und Ort des Protestes nicht angemessen. Zudem wurden, wir die Studenten, die zwar gegen die derzeitige Bildungspolitik sind, nicht mal gefragt, ob wir auch nur hinter irgendetwas stehen. Na Danke... in zwei Wochen sind Prüfungen und zudem ist das öffentliche Bild der Studiengänge Politikwissenschaften und Sozialwissenschaften, die sowieso kurz vor dem Abschuss stehen, auch mal wieder nicht mit Ruhm bekleckert wurden.@ LD-50 Politik-Student – 17.06.09
Ich möchte dich dann aber fragen, was daran sozial ist andere vom Lernen abzuhalten? Bei unserem Seminar heute waren fast alle anwesend und das Seminar musste ausfallen, weil wir keinen Raum für Verfügung hatten. Ihr fordert Bildung für alle und blockiert sie selbst...Wenn ihr unbedingt Gebäude blockieren wollt, dann nimmt doch auch strategisch wichtige (Ministeren o.ä.) ins Auge. Ich hoffe ich werde jetzt nicht als faul und intolerant beschimpft, nur weil ich nicht mit den Demonstranten sypathisiere.Vielen Dank für die Bestätigung, LD-50 – 17.06.09
"PoWi-Student" - wenns für den eigenen Hintern eine Unbequemlichkeit bedeutet, wird eben gerne mal losgejammert."Da sind ja eh nur linke Spinner" - wie praktisch! Überlassen wir denen die Drecksarbeit und sehen zu, daß wir unser Ding möglichst streßfrei durchziehen...nun, man könnte ja auch einen mäßigenden Einfluß auf diese "linken Spinner" (heutzutage gernverwendeter Begriff für viele, die sich auch sozial betätigen) ausüben, aber nein, dann fällt man eventuell auf, und es ist ja überhaupt eben soo unbequem, das geht ja nun gar nicht...
Kein Wunder, daß Deutschland so tief in der Sch... steckt. Vielleicht sollte man vor der Aufnahme an eine Uni auch eine Prüfung auf soziale Kompetenz zur Zugangsvoraussetzung machen und bei Nichtbestehen eine entsprechend hohe Studiengebühr einziehen - nur, damit sich die egomanische Jugend von heute vielleicht endlich mal ereifert.
Auch wenn es letztendlich wieder einmal nur um sich selbst geht.
Antwort auf LD-50 PoWi - Student – 17.06.09
Ich glaube nicht, dass der Großteil der heutigen Studenten duckmäuserisch und engstirnig ist. Viele sehen die Schwächen des Bildungssystems, wissen aber nicht, wie sie sich dagegen wehren sollen und sind nicht organisiert. Oft schrecken zu radikale Forderungen oder unbedachte Aktionen der linken Studentenbewegung diese Leute eher ab, anstatt sie zum Protest zu ermutigen.Es wäre natürlich am besten, wenn sich alle Studenten von sich aus organisieren würden. Eine andere Möglichkeit wäre aber auch, dass linke Gruppen auf andere Studenten zugehen, gemeinsamkeiten suchen, damit man zusammen überlegen kann, wie druck auf die Politik ausgeübt werden kann. Stattdessen werden Studenten, die sich nicht beteiligen beleidigt und Sympathie wird durch Aktionen, wie die Besetzung des Schneiderbergs verspielt. So wird nichts verändert. Wenn wir etwas erreichen wollen, müssen alle Studenten an einem Strang ziehen. Alle Studenten, mit denen ich bisher gesprochen habe, sind sauer über die Besetzung ihrer Seminarräume. Einige wollen deshalb nicht mal an der Demo heute teilnehmen, nach dem Motto: "Da laufen eh nur linke Spinner rum". Wie gesagt durch diese Aktion habt ihr euch die Sympathie des Großteils verspielt.
Nicht unkritisch Student – 17.06.09
Nur weil man die Besetzung eines ganzen Uni-Gebäudes für völlig überzogen hält, heißt es noch lange nicht das man unkritisch ist. War heute morgen im Gebäude und die Räume sind komplett verdreckt. Chips-Tüten fliegen durch die Gegend, Alkohol-Flaschen liegen herum...soll das ein Streik oder eine Party sein? Außerdem wurden Räume massiv mit Graffiti besprüht. Da bringt es auch nichts, wenn man das notdürftig überstreicht. Wenn man andere Leute vom Lernen abhält, dann halte ich es für unsozial und nicht, wenn man mit den Demonstranten nicht übereinstimmt!Früher war alles besser! LD-50 – 17.06.09
...da hatten auch "Politik-Studenten" noch einen Sinn fürs Gemeinwohl, anstelle engstirnig und duckmäuserisch nur den eigenen zukünftigen Platz am Freßtrog der Großen im Sinn zu haben.Aber wenn jeder nur an sich denkt, ist an alle gedacht - von daher kann ich die Haltung der heutigen Jugend zumindest nachvollziehen, wenngleich nicht verstehen.
Soso... Herbert S. – 17.06.09
Solche Worte und Denkstrukturen habe ich zuletzt in den 30er Jahren an der Universität erlebt...Schockierend, dass es schon wieder Leute gibt, die Andere zwangsbeglücken wollen.
Bestreikung des Schneiderbergs Politikstudent – 17.06.09
Völlig ab vom Inhalt des Streiks empfinde ich das Vorgehen der Streikenden als im wahrsten Sinne des Wortes asozial. Mir wird nicht angeboten an dem ein oder anderen workshop FREIWILLIG teil zu nehmen bzw an offenen diskussionsrunden teilzunehmen, sondern mir wird schlichtweg verweigert an einem für mich wichtigen Seminar teilzunehmen.Eine ausgewiesene Minderheit verweigert einer Mehrheit die Möglichkeit des Studiums. Auf diese Art und Weise werdet ihr wohl kaum jemanden begeistern können mitzuwirken.Theoretisch würde ich mich evtl. einer Demonstration anschließen...doch für so ein Vorgehen möchte ich nicht stehen!!!Richtige Kritik - Falsche Protestart PoWi - Student – 16.06.09
An unserem Bildungssystem ist vieles zu kritisieren: Es ist selektiv (Studiengebühren), es ist unterfinanziert (marode Schulen, zu wenig Lehrer und Dozenten) und Studiengänge wurden zu Kosten des freien Studiums verschult (Bologna-Prozess). Dagegen sollte sich jeder Schüler, Student und jede Lehrkraf wehren. Dennoch halte ich die Besetzung des Schneiderbergs in vielerlei Hinsicht für falsch.1. Offensichtlich gab es Sachbeschädigungen. Dass ihr das selbst in Ordnung bringt finde ich gut. Vor allem aber sollte so etwas nicht wieder vorkommen. Durch solche Aktionen rückt der gesamte Protest in ein schlechtes Bild. Wenn sich so etwas häuft, werden diese Aktionen anstelle der Argumente für den Protest die Medienberichte dominieren.
2. Wenn es Workshops, thematische Veranstaltungen und Diskussionen gibt, halte ich Besetzungen einerseits für okay. Ich war heute am Schneiderberg, habe von solchen Veranstaltungen aber nichts gesehen.
Auf der anderen Seite ist es ein sehr undemokratisches Mittel. In einigen Wochen sind Prüfungen und viele Studenten müssen Veranstaltungen wahrnehmen, um sich vorzubereiten. Daher kann ich den Ärger vieler Studenten gut verstehen.
3. Natürlich ist das Alter kein Argument. Dass aber relativ wenige Studenten an den Besetzungen teilnehmen, zeigt, dass ihr in der Minderheit seid. Das zeigt wieder, das die Besetzungen ein sehr undemokratisches Mittel sind. Es ist eine Form von Zwang.
4. Ich habe nichts dagegen, dass Leute unabhängig und selbstbestimmt diskutieren. Aber nicht in Räumen, wo andere Leute studieren wollen. Das ist kein Argument für die Besetzung des Schneiderbergs.
5. Das ist genau der Ton, der euch Sympatie kostet. Ich finde das sehr Schade, weil ich argumentativ auf der Seite der Besetzer bin. Statt andere Studenten zu beschimpfen, die nicht an den Besetzungen teilnehmen, solltet ihr auf sie zugehen.
Leute, die Argumente sind auf eurer bzw. unserer Seite, macht uns das nicht kaputt. Protest ja - unbedachte Aktionen nein!
Es gibt auch Leute die sich von dem Streik distanzieren Politik-Studenz – 16.06.09
Ihr müsst aber auch bedenken, dass es einige gibt, die sich von dem Streik distanzieren. Ihr zwingt anderen Leuten euren Streik auf, indem ihr verhindert, dass wir unserem Studium nachgehen können. Und ja, so unzufrieden bin ich mit unserem Bildungssystem nicht. Klar gibt es Sachen wie z.B. die Studiengebühren über die man diskutieren kann. Aber das ernsthaft befordert wird, über die Abschaffung von Noten nachzudenken, ist ja wohl völliger Schwachsinn. Auch ein Student muss etwas leisten und das muss irgendwie überprüft werden. Schließlich kostet ein Studium wesentlich mehr als durch Studiengebühren entrichtet wird und es ist niemand anderes als der Steuerzahler der diese Kosten trägt. Und das ihr auch nicht von Sachbeschädigungen distanziert sprich eine deutliche Sprache...da bringt es auch nichts wenn man den Schaden notdürftig überstreicht.argumente besetzer – 16.06.09
Also zunächst erstmal zur Info die Räume bleiben bis Freitag besetzt.Dann will ich auf einige der Argumente gegen die Besetzung hier eingehen.
1. Gab es keinerlei Sachbeschädigungen! In einem! Raum wurde gesprüht, wovon sich die BesetzerInnen zwar nicht distanzieren werden aber bereits zugesagt haben, dass dies bis Freitag überstrichen wird.
2. Die Räume werden nicht sinnlos blockiert. es finden den ganzen tag über Workshops, von den DozentInnen geöffnete thematische Veranstaltungen, Demovorbereitungen, interessante Diskussionen uvm. statt.
JedeR kann sich einbringen und ist eingeladen.
3. das Leute jünger als irgendwer anderes sind ist kein Argument. außerdem beteiligen sich selbstverständlich auch Studierende. das sich an den Protesten mehr SchülerInnen beteiligen sollte jedem kritischem Studenten eher peinlich sein. auf jedenfall kann man das dann nicht auch noch den Demonstrierenden vorhalten.
4. Wenn es genügend selbstverwaltete, unkommerzielle Räume gäbe in denen alle Menschen selbstbestimmt diskutieren, Widerstand aufbauen, und ihr Leben in die eigenen Hände nehmen könnten müsste auch nichts besetzt werden.
5. bildet euch nicht soviel auf eure credit points und eure karriere ein. Die Krisenhaftigkeit der aktuellen Wirtschaftsordnung wird sich weiter zuspitzen da hilft euch das alles garnicht. ihr solltet lieber anfangen solidarische strukturen aufzubauen und euch mit allen Betroffenen zu organisieren.
Liebe grüße
Es trifft die Falschen Politik-Student – 16.06.09
Ob der Streik gerechtfertigt ist oder nicht, darauf möchte ich in diesem Kommentar garnicht eingehen. Meiner Meinung nach trifft der Streik jedoch die falschen. Die Räume am Schneiderberg werden hauptsächlich von Schüler besetzt. Obendrein sind einige, erst vor zwei Jahren renovierte Räume, massiv mit Graffiti besprüht worden. Vielen Dank, dass ich in so welchen beschmierten Räume ab sofort Seminare hab! Des Weiteren ist der Zeitpunkt äußerst schlecht gewählt, immerhin sind in zwei Wochen Klausuren...Außerdem möchte ich auch, wenn ich schon Studiengebühren zahle, etwas davon haben und nicht vor blockierten Räumen stehen und mir von wesentlich Jüngeren sagen lassen, dass ich heute nicht reingelassen werde.