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Der gute Ton macht die Musik

Musik vom Band Der gute Ton macht die Musik

Der gute Ton macht den Unterschied – einige Musikliebhaber in der Region verweigern digitale Tonträger und setzen nach wie vor auf Plattenspieler und Tonbandgerät.

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Musik hören als Lebensqualität: Weil sie „wärmer“ und „organischer“ klingen, bevorzugt Andreas Seeband in seinem eigens dafür eingerichteten Musikzimmer Schallplatten und Tonbänder.

Quelle: Wallenwein

Eine Zigarette, ein Glas Whiskey und dazu das leise Knacken einer schon häufig gespielten Schallplatte – das ist das, was Andreas Seeband unter Lebensqualität versteht. Nach Feierabend und am Wochenende zieht sich der 53-Jährige aus Sehnde dazu oft und gern in sein eigens dafür eingerichtetes Zimmer zurück, in dem in einer selbst gebauten Regalwand neben rund 2000 Vinyls auch einige analoge Tonbandgeräte und Verstärker stehen. Behutsam nimmt Seeband eine Schallplatte heraus, legt sie auf seinen französischen Platin-Verdier-Plattenspieler und lehnt sich anschließend entspannt in seinem Sessel zurück. Aus den Boxen tönen die sanften Gitarrenklänge des amerikanischen Musikers Joe Satriani. Einer, der auf Vinyl besonders gut klingt, wie Seeband sagt.

Musik hören als Lebensqualität: Weil sie „wärmer“ und „organischer“ klingen, bevorzugt Andreas Seeband in seinem eigens dafür eingerichteten Musikzimmer Schallplatten und Tonbänder.

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Wenn es um Musik geht, lässt der IT-Administrator, der von Berufs wegen ausschließlich mit digitalen Medien arbeitet, nichts auf analoge Tonträger wie Vinyl oder Tonband kommen. Digital wiedergegebene Stücke von CDs oder tragbaren MP3-Spielern brächten eben nicht diesen raumfüllenden, organischen Klang hervor wie Schallplatten oder Bänder, meint Seeband. Damit gehört der Familienvater zu einer verschworenen und inzwischen wieder anwachsenden Gemeinschaft von Musik- und Hi-Fi-Liebhabern, die sich in Zeiten des Internets und immer größer werdender Festplattenspeicher mit aller Kraft gegen die vollständige Digitalisierung ihrer Leidenschaft stemmen.

Noch in den neunziger Jahren hatten viele hannoversche Schallplattenbesitzer ihre einstigen Schätze im Keller eingemottet oder verschenkt. Auch an der Hochschule für Musik und Theater Hannover (HMTH) erinnern sich die Bibliothekare noch daran, wie der eine oder andere damals vorbeikam und seine Platten einfach abgab. Inzwischen dürften sich so manche darüber ärgern, während viele andere ihre Plattensammlung längst wieder in den heimischen Wohnzimmerschrank einsortiert haben. Einige von ihnen, darunter auch Seeband, haben sich sogar der bundesweiten „Analogue Audio Association“ angeschlossen, dem Verein zur Förderung und Erhaltung der analogen Audiowiedergabe, dessen Mitglieder sich auch in der Region zu regelmäßigen Stammtischabenden treffen.

„Ewiggestrige“, mögen manche sagen, die für ihre Musiksammlung schon lange kein ganzes Wandregal mehr benötigen. Die neue Technikgeneration kann auf ihren visitenkartengroßen MP3-Playern und iPods heutzutage Zehntausende Stücke jederzeit und überall abspielen. Dass die Audioqualität unter der Komprimierung leidet, stört sie dabei kaum. So hat etwa Seebands Schwiegertochter – wenn auch scherzhaft – einmal gefragt, wo sie denn seinen ganzen Kram einmal hinpacken solle, wenn er nicht mehr da sei. „Das Verständnis hat sich einfach gewandelt“, meint der Hi-Fi-Liebhaber bedauernd. Der Nachwuchs wolle heutzutage Musik möglichst einfach konsumieren.

Fachleute wie Tonmeister Jochim Redeker vom Sender Hit-Radio Antenne sprechen dagegen gerade wegen der einfachen Handhabung von der Unverzichtbarkeit digitaler Medien, deren Qualität sich in den vergangenen Jahren zudem enorm verbessert habe. Bei der Aufnahme seien analoge Aufnahmegeräte zwar nach wie vor ein Garant für eine hohe Klangqualität, erklärt der Experte. Abgespielt verlören Schallplatten und Bänder diese aber schnell, weiß Redeker, der auch eine Science-Fiction-Hörspielserie produziert. „Für ein gutes Gesamtergebnis kommt es heute darauf an, wie gut die analogen Aufnahmen anschließend digitalisiert werden“, lautet das Resümee des Radiomannes.

Ganz anders hingegen sieht es der Hi-Fi-Händler Rostislaw Dinew von „Dinew High Fidelity“ am Theodor-Lessing-Platz. Aus Sicht des gebürtigen Bulgaren ist die digitale Technik noch lange nicht so weit, dem Klang analog gespielter Musik Paroli bieten zu können. Und auch den meisten seiner Kunden gehe es so, berichtet der 59-Jährige. „Hi-Fi-Liebhaber sind sehr konservativ und neuer Technik gegenüber ohnehin eher misstrauisch eingestellt“, meint Dinew, der unter vielen hannoverschen Analogfreunden als „Guru“ gilt.

Er selbst nennt seine Kunden, die oftmals auch fünfstellige Beträge für neue oder alte High-End-Geräte ausgeben, liebevoll „Freaks“. Auch deshalb, weil einige es mit ihrer Abneigung gegen digitale Musik sehr weit trieben. So gebe es unter den Analogliebhabern auch Exoten, die in ihrem Keller sogar eine eigene Plattenpresse hätten, erzählt Dinew schmunzelnd. „Erscheint ein Album nur auf CD, wird daraus eben auf eigene Faust ein Vinyl gemacht.“ Beim Klang bringe das zwar nichts – doch das triumphierende Gefühl, nicht auf die verhasste kleine Silberdisc zurückgreifen zu müssen, überwiege. Die besten Zeiten von großen Hi-Fi-Anlagen, die ihren Höhepunkt in den achtziger und neunziger Jahre erreichten, seien inzwischen allerdings vorbei, erklärt Dinew. Sich selbst bezeichnet er mit einem Augenzwinkern als „Altenpfleger“. Seine Kunden werden eben immer älter. „Zurückgeblieben sind Liebhaber und Nostalgiker“, sagt der Händler.

So wie Andreas Seeband. Was die Zukunft analog abgespielter Musik betrifft, bleibt Seeband im Gegensatz zu vielen seiner Stammtischbrüder jedoch Realist. „Irgendwann wird Musik sowieso nur noch am Computer abgespielt werden“, sagt er. Um den oftmals viele Kilogramm schweren und mit viel Mechanik versehenen Tonbandgeräten aber ein würdevolles Andenken zu bewahren, plant der gelernte Elektriker in der Region die Eröffnung eines Museums.

Rund 50 Bandmaschinen und ebenso viele Schallplattenspieler aus den vergangenen 70 Jahren hat Seeband inzwischen zusammengetragen und restauriert. Dazu kommen weitere Einzelstücke. Für die Vielzahl an Geräten hat der 53-Jährige außerhalb seines Wohnhauses bereits extra einen Kellerraum gemietet. „Das Museum wird meine Beschäftigung, wenn ich in Rente bin“, kündigt er an. Die Zeit, sich zwischendurch in seinem Sessel zurückzulehnen und selbst Musik zu hören, will er sich aber auch dann natürlich nicht nehmen lassen. Man ahnt es: Eine gute Platte, eine Zigarette und ab und zu ein Gläschen Whiskey dürfen dabei nicht fehlen.

Sowohl digitale als auch analoge Neuheiten und Klassiker können Hi-Fi-Freunde am heutigen Sonnabend und morgigen Sonntag auf den „World of Hi-Fi“-Tagen im Hannover Congress Centrum, Theodor-Heuss-Platz, bestaunen. Von 10 bis 18 Uhr präsentieren dort nationale und internationale Firmen sowie regionale Händler ihre Produkte. Tageskarten kosten fünf Euro.

von Stephan Fuhrer

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