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Bunt statt braun

Der hannoversche Protest hat viele Farben


Die Neonazis waren schon da – beim Infostand der Grünen auf dem Moltkeplatz. „Die fielen gar nicht unbedingt durch ihre Kleidung auf“, sagt Jan Haude, Geschäftsführer der hannoverschen Grünen.
Joachim Stever Insa Becker-Wook Stadtkirchenverband Hannover

Zeigen Flagge: Joachim Stever und Insa Becker-Wook vom Stadtkirchenverband.

© Rainer Surrey

Eher schon durch ihre Entschlossenheit. „Jetzt drehen wir mal den Spieß um und umzingeln euch“, sollen sie gesagt haben. Und dann standen auf einmal acht Männer in einem Halbkreis um den Infostand herum. Während Haude von der bedrohlichen Begebenheit erzählt, steht er wieder an einem Infostand, diesmal am Weißekreuzplatz. Hier können Bürger ihre Hand auf ein großes Tuch malen und zeigen, dass sie im Bündnis gegen die Rechtsextremen dabei sind. Haude tauscht noch schnell ein paar Trillerpfeifen mit Grünen-Bezirksrätin Silvia Klingenburg aus – schließlich will man bei der morgigen Demo auch gut gehört werden.

„Den Aufmarsch der Rechtsextremen am Moltkeplatz haben zum Glück einige Passanten mitbekommen“, ergänzt Klingenburg. „Daraufhin blieben sie bei uns am Stand, bis die Polizei kam.“ Die 55-jährige Lehrerin protestiert aus den unterschiedlichsten Gründen gegen die mögliche Neonazi-Demo. „Für mich ist das eine Grundhaltung“, sagt sie. Und: Ihr Sohn sei einmal nach einer Demonstration in Göttingen von Neonazis mit Eisenstangen bedroht worden. Unmittelbar nach diesem Ereignis habe sie den „Runden Tisch gegen rechts“ im Bezirk Vahrenwald-List ins Leben gerufen.

Auch das katholische Kolpingwerk hat allen Grund, gegen die Rechtsextremen zu demonstrieren. 1933 wurde der erste Gesellentag des katholischen Familienwerkes von nationalsozialistischen Schlägertrupps gewaltsam aufgelöst. „Deshalb wollen wir am 1. Mai unbedingt beim ökumenischen Friedensgebet mitwirken, dann demonstrieren und anschließend mitfeiern“, sagt Gerhard Rejnowski vom hannoverschen Kolpingwerk.

Schlägertrupps und Neonazis – das alles kennt Franziska Meister „nur aus dem Fernsehen“. Die 21-Jährige Studentin aus der Oststadt gibt trotzdem gern ihren Handabdruck für das Grünen-Tuch. „Es ist schließlich auch meine Stadt“, sagt sie. Genauso will auch die evangelische Kirche morgen Flagge zeigen. „Christen sollten ihre Stimme gegen Ausländerfeindlichkeit und Intoleranz erheben“, sagt Insa Becker-Wook vom Stadtkirchenverband.

Auch die Schüler der Vahrenwalder Herrschelschule wollen sich am Protest beteiligen. Adis Ahmetovis, der in der Schülervertretung tätig ist, hat die Aktion organisiert. „Heute gehen wir nach der zweiten Stunde in die Stadt und schreiben mit Kreide Botschaften auf die Straße“, sagt der 15-Jährige. Das Motto der Herrschelschule, „Schule ohne Rassismus“, wollen die Schüler wörtlich nehmen. Die Schulleitung habe das zwar nicht offiziell erlaubt, werde die Schüler aber auch nicht daran hindern, heißt es.

Besonders sichtbar ist der Protest, den Sigmar Walbrecht und Markus Golletz sich ausgedacht haben. Mit ihren Mitbewohnern haben sie vom Balkon ihrer Wohnung am Schwarzen Bären in Linden ein großes Banner aufgehängt. „Nazis die Zähne zeigen“ steht darauf – gut erkennbar für alle, die mit Auto, Bus oder Bahn aus Richtung Innenstadt kommen.

Ein Stück Tuch dieser Größe kann man nicht einfach im Geschäft kaufen. „Das ist eine ausrangierte Tischdecke aus dem Schauspielhaus“, sagt Markus Golletz. Mit seinen Freunden vom Motorradclub „Kuhle Wampe“ hat der 43-Jährige das Banner in der Glocksee gemalt. Mit den Nachbarn habe man das „eher lose“ abgesprochen, sagt Sigmar Walbrecht. Aber bislang habe sich noch keiner beschwert.

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  • Integrationsproblem selbst geschaffen K. – 30.04.09
    Wer 50 Jahre lang Arbeitsimmigranten die Integration verwärt, braucht sich nicht wundern, wenn es zu Abgrenzungen innerhalb der Gesellschaft kommt. Dieses Problem haben wir uns selbst geschaffen. Heute die Schuld der fehlenden Integration auf Immigranten zu lenken ist nicht nur unfair, sondern auch ganz schön egoistisch.

    Nationalismen sind Strukturen, mit deren Hilfe die reichen Menschen sich ausgrenzen, um ihren Reichtum nicht mit den armen Menschen teilen zu müssen.
  • Linden ist bunt K. – 30.04.09
    Komisch aber, dass gerade der Stadtteil Linden, durch welchen die Linie 10 fährt, äußerst aktiv auf der bunten Seite steht...
  • Lächerlich ist was Sie schreiben, sorry Peter Borchard – 30.04.09
    Wie kommen sie nur auf so verworrene Behauptungen, dass die, die Fahnen aufhängen sich nicht in kritischen Stadtteilen sehen lassen? Überhaupt scheinen die Braunen hier aus Frust über das Verbot ihrer menschenverachtenden Demo schwer beim 'Kommentieren' aktiv zu sein.
  • Hannover steht auf Rechts Wolle – 30.04.09
    Wenn man diesen Aufruhr in den Medien, bei den Politikern & Gewerkschaftern zum 1. Mai
    verfolgt hat, könnte man als Außenstehender meinen, das 4. Reich stünde vor der Tür und
    nicht etwa 200 Hansel der NPD.
    Erinnert irgendwie an den antifaschistischen Kampf in der DDR.
  • Billiges Ablenkungsmanöver Gerhard – 30.04.09
    Bei dieser ganzen Hysterie meint man, Hannover hätte keine anderen Probleme als Demonstranten, die am 1. Mai aufmarschieren wollen.

    Kümmert euch lieber um die Probleme der Bürger, dann gibt es vielleicht auch keine Demonstrationen mehr, die ihr zu verhindern versucht.
  • Bunt statt braun! Christophe – 29.04.09
    Ich bin dabei, aber leider sind einige Mitbürger nicht willig sich zu integrieren und benehmen sich teilweise wie die Axt im Walde. Von Respekt keine Spur!

    Das sollte man bei allen positiven sozialen & gesellschafftlichen Entwicklungen auch erwähnen dürfen, ohne gleich in die rechte Ecke geschoben zu werden.

    Da ich mich ehrenamtlich engagiere, weiss ich wovon ich rede. Hannover hat nicht mal eine Ehrenamtskarte wie Hildesheim. Da darf man nicht immer mit dem Finger auf andere Zeigen, sondern sollte sein Handeln überdenken und anpacken, anstatt in Reden grosse Taten anzukündigen und sich dann in seinem ruhigen Viertel abends zurückziehen.
  • Lächerlich barhein – 29.04.09
    Diejenigen, die jetzt so fleissig ihre Fahnen und Banner aufhängen, sind doch meistens diejenigen, die sich in den "kritischen Stadtteilen" eher selten blicken lassen. Oder sich zumindest nicht gegen Mitternacht in der Linie 10 hineintrauen. Es iset viel einfacher bei hellen Tageslicht mit Gleichgesinnten zu protestieren - als sich zu dunkler Nachtezeit mal an den wirklich kritischen Ecken herzumzudrücken. Lächerliche Weicheier! Das Geld das sie für ihre Demos verbraten sollten sie wirklich lieber spenden. Dann hätten sie eine gute Tat getan - und nicht nur affig herumsgesülzt.
  • Farbenlehre Auf zum geistigen Duell, upps, ich sehe Sie sind unbewaffnet – 29.04.09
    Herzlichen Glückwunsch "Dantonsmeinung"!

    Ein herrlich verworrener Beitrag!

    Achja, und immer schön unpolemisch anpacken und an die Kinder denken...
  • Bunt statt Braun Dantonsmeinung – 29.04.09
    Sind wir als Deutsche dann Braun?
    Wann kehren die bunten Farben in die Gebiete wo Spitzenpolitiker Wohnen!!!
    Wasser predigen und Wein Trinken.
    Fahrt doch mal Abends in Hannover Straßenbahn. Hannover ist Bunter als mancher so denkt.
    Respekt statt Polemik. Wenn sich die Bunten die hier herkommen anpassen, sind sie herzlich willkommen. Wir deutschen werden manchmal stark angegriffen und beschimpft. Wann kommt dann die Aktion für uns?
    PS: 25000 Euro für Fahnen und Aufkleber? Gebt das Geld lieber den Kindern, und erzählt nicht Hannover wäre pleite!!! Und dann noch 150 Mios für die Messe AG!!! Wir brauchen eine andere Diskusion. Packt an und sülzt nicht soviel!!!

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