Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Der nächste Hannover-Tatort wird düster
Hannover Aus der Stadt Der nächste Hannover-Tatort wird düster
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:30 01.11.2017
Ermittelt in der Lüneburger Heide: Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler). Quelle: Marion von der Mehden/NDR/dpa
Anzeige
Hannover

Souverän, smart und mit einem Hauch von Arroganz - so tritt Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) üblicherweise auf. Doch im neuen „Tatort - Der Fall Holdt“ (Sonntag, 20.15 Uhr) taumelt die Ermittlerin vom Landeskriminalamt Hannover nach einer gewalttätigen Attacke traumatisiert durch das Geschehen. Der Film startet mit einer Party, auf der Lindholm ausgelassen tanzt. Weil das Frauen-Klo überfüllt ist, pinkelt sie im sexy Glitzerkleid draußen zwischen parkenden Autos. Unbekannte Männer filmen sie dabei, „Löscht das!“, brüllt Lindholm und wird brutal zusammengeschlagen.

Zur Galerie
Der „Tatort“ ist für viele Deutsche inzwischen ein Muss am Sonntagabend. Doch welcher ist der erfolgreichste TV-Krimi? Wir zeigen es Ihnen in unserer Bildergalerie.

Am Morgen danach wird die Polizistin in die Lüneburger Heide gerufen. Die Ehefrau des Walsroder Volksbank-Filialleiters Frank Holdt (Aljoscha Stadelmann) wurde entführt, deren Eltern schalten gegen den Willen des Bankiers die Polizei ein. Lindholm fährt hinaus in den gespenstischen Wald, in dem das einsame Haus des Paares liegt, das sich längst auseinandergelebt hat. Lindholm ist übernächtigt, verwirrt und hat eine Schramme im Gesicht.

Der 25. Fall der niedersächsischen Kommissarin ist weniger ein klassischer Krimi, vielmehr ein düsteres Kammerspiel über das Ende einer Ehe, Gewalt gegen Frauen und Krisen im mittleren Lebensalter. Drehbuchautor Jan Braren ging es darum, auch einmal das Scheitern von Polizeiarbeit und eine Kommissarin als Antiheldin darzustellen. Die junge Regisseurin Anne Zohra Berrached schafft eine beklemmende Atmosphäre, die Story wird gemächlich erzählt.

Am Tatort trifft Lindholm die blonde Polizistin Frauke Schäfer (Susanne Bormann), die so aussieht und agiert wie eine jüngere Version ihrer selbst. „Frau Lindholm, ich hab' das alles schon veranlasst“, muss sich die Ältere anhören. Auf der Toilette bekommt sie unfreiwillig mit, wie sich die jungen Kolleginnen über sie unterhalten: „Ich hab' schon überlegt, ob die ein Alkoholproblem hat.“ „Ich glaube, irgendwer hat die so richtig vermöbelt.“

Es ist schwer vorstellbar, dass eine Kommissarin tatsächlich eine Körperverletzung aus Scham nicht bei der Polizei anzeigt. Aber dass private Probleme die Ermittlungsarbeit von Beamten beeinträchtigen, ist wiederum nachvollziehbar. Überraschende Wendungen fehlen im „Fall Holdt“. Der „Tatort“ lebt vor allem vom intensiven Spiel Furtwänglers und ihrem von Stadelmann verkörperten Gegenspieler. Der Bankier wechselt zwischen weinerlichem Selbstmitleid und cholerischen Ausbrüchen, an ihm wird deutlich, wie Liebe in Hass umschlagen kann. „In den Szenen mit Aljoscha Stadelmann habe ich Abgründe erspürt, die spannend waren zu spielen“, sagt Furtwängler. Die 51-Jährige sieht ihre Figur diesmal in einer „emotionalen Abwärtsspirale“.

Zur Galerie
Die Kölner “Tatort“-Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk ermitteln seit 20 Jahren. Ihre Münchener Kollegen Batic und Leitmayr haben noch früher angefangen. Den Rekord als Dienstälteste hält allerdings eine Frau.

Am Ende wird Charlotte Lindholm zu allem Übel auch noch noch mit einem sexistischen „Sie sehen aus wie ein gerupftes Huhn!“ von ihrem Chef nach Hause geschickt. Den Fall Holdt übernimmt augenscheinlich die Jüngere, die mehr professionelle Distanz an den Tag legt. Seit 2002 ermittelt Furtwängler als Charlotte Lindholm im „Tatort“: Hat sie etwa keine Lust mehr und will das Staffelholz an eine Jüngere übergeben? Das scheint nicht so. Die Schauspielerin sagt: „Ich sehne mich für Charlotte nach mehr Licht in ihren nächsten Folgen.“

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Heller, freundlicher, moderner wirkt das neue Bürgeramt Mitte am Aegidientorplatz - aber bei der Terminvergabe läuft noch nicht alles rund. „Die Kunden müssen sich auf mindestens drei Wochen Wartezeit einstellen“, sagt Ordnungsdezernent Axel von der Ohe.

Andreas Schinkel 04.11.2017

In der Nähe des Lehrter Stadtpark ist am Dienstagabend ein 30-jähriger Mann angegriffen und vom Täter lebensgefährlich verletzt worden. Die Polizei konnte den Angreifer festnehmen. Das Opfer ist inzwischen außer Lebensgefahr.

01.11.2017

Hannover feiert 500 Jahre Reformation – unter anderem am Kröpcke, in der Marktkirche und im Alten Rathaus. Schon zur symbolischen Zeit 15.17 Uhr hatten sich einige Dutzend Sänger und der Posaunenchor der Stadtmission den guten alten Flashmob reaktiviert und sich an der Kröpcke-Uhr eingefunden.

Uwe Kranz 03.11.2017
Anzeige