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Der parzielle Ärger mit den Kleingärten in Hannover

Grüngürtel um die Stadt Der parzielle Ärger mit den Kleingärten in Hannover

Hannover hat fast 21.000 Kleingärten – wie ein grüner Gürtel ziehen sich die Kolonien um die Kernstadt. Doch immer, wenn einzelne Flächen zu Bauland umgewandelt werden sollen, gibt es Konflikte. Ein Blick ins Grüne.

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Um die Kleingärten in Hannover gibt es Konflikte.

Quelle: Martin Steiner

Hannover. Es ist ein gutes Jahr her, da führte Hannovers Kommunalpolitik schon einmal eine Debatte um Kleingärten. Aber nur kurz. Man müsste doch, fand die rot-grüne Ratsmehrheit, die Eilenriede nach vielen Gebietsverlusten der vergangenen Jahre wieder mal vergrößern – und dazu den einen oder anderen verlassenen Kleingarten am Eilenriederand umwandeln. Bei der Stadt aber hielt man das für keine gute Idee. Würde man sich an den Gärten zu schaffen machen, würde es „zu erheblichen Spannungen mit den Kleingärtnern kommen“, hieß es in einer Drucksache. Spannungen mit den Kleingärtnern aber will niemand. Erst recht nicht so kurz vor der Wahl.

Der Bezirksverband der Kleingärtner verzeichnet derzeit 21.000 Parzellen in Hannover, verteilt auf 270 Kolonien in 97 Vereinen. Gut fünf Prozent der Fläche Hannovers sind Kleingärten, rund drei Viertel der Grundstücke gehören der Stadt. In Hannovers Stadtpolitik spielen die Laubenpieper keine unwesentliche Rolle, der seit 1976 amtierende Verbandschef Karl-Heinz Rädecker ist bestens vernetzt, der Oberbürgermeister Ehrenmitglied. Kleingärten sind ein Politikum in Hannover, und zwar kein zu unterschätzendes.

In den neunziger Jahren hat die Stadt eine sogenannte Kleingartenbedarfsplanung erstellt, aus der hervorging, wie viele Gärten Hannover vertragen kann und wo. Eine aktuelle Fassung des Werkes gibt es nicht. Und so flammt die Diskussion über die Umwandlung von Kleingartenland in Bau- oder Forstland immer wieder von Neuem auf – und bietet einigen Zündstoff. Denn mitunter geht es dabei auch um viel Geld. Schließlich befänden sich die Gärten sehr häufig in „integrierten Lagen“, sagt SPD-Ratsherr Manfred Müller, was heißt, dass viele Kleingartenareale auf Filetgrundstücken liegen. Das weckt Begehrlichkeiten.

Ein schwer zu durchschauendes System

Die Entscheidungswege beim Umgang mit den Kleingärten blieben den Politikern dabei oft verborgen, sagt Müller. Der Bezirksverband pachtet die Flächen von der Stadt und verpachtet sie direkt weiter an die Kleingärtner. Dieses System sei für die Politik schwierig zu durchschauen, sagt Müller, und es klingt die Befürchtung durch, es könnte gekungelt werden rund um die Gärten, wenn er sagt: „Ich würde mir da in Zukunft mehr Transparenz wünschen.“

Die aktuelle Episode des Dauerstreits spielt sich in diesen Tagen in Bischofshol ab. Seit das Gelände der dortigen Kolonie an eine Immobiliengesellschaft verkauft ist, sorgen sich die Pächter um den Fortbestand der Gärten. Ihr eigener Bezirksverband aber kämpft dieses Mal nicht wie sonst um jede Parzelle, sondern nur noch um eine Entschädigung für die Pächter.

So kommt es, dass die Laubenpieper sich unter Druck gesetzt und zugunsten von Grundstücksspekulanten benachteiligt fühlen. Verbandschef Rädecker verweist dagegen auf den hohen Leerstand in Bischofshol und den schlechten Zustand der Gärten. Rechtlich habe man gegen den neuen Eigentümer außerdem ohnehin keine Chance – jetzt gelte es herauszuholen, was eben geht. Wenn alles so kommt, wie der neue Eigner hofft, wird aus dem Garten- in ein paar Jahren Bauland. Wenn alles so kommt, wie die Stadt beteuert, wird das nie und nimmer passieren. Offen bleibt, was die Immobilienprofis mit dem Grundstück wollen.

Braucht Hannover überhaupt so viele Kleingärten?

Hannovers Wirtschafts- und Umweltdezernent Hans Mönninghoff schlägt ihnen „Aufforstung oder Schafzucht“ vor – Bauland jedenfalls werde es dort nicht geben.

Dabei könnte man tatsächlich die Frage stellen, ob Hannover noch so viele Kleingärten braucht. Noch vor Jahren klagten die Schrebergärtner über Nachwuchsmangel, Kampagnen wurden ins Leben gerufen und finanzielle Anreize für Geringverdiener geschaffen. Zuletzt aber zeigte sich Kleingärtnerchef Rädecker gelassen: Rund 700 Gärten seien „im Rahmen der normalen Rotation“ zurzeit frei, sagte er im Mai bei der Präsentation der neuesten Werbekampagne, die der Verband gemeinsam mit der Stadt mit großem Aufwand gestartet hat – und die schon jetzt Ergebnisse zeigt. „Wir sind hochzufrieden mit der Kampagne“, sagt Rädecker jetzt. Mittlerweile habe der Verband aufgrund der offensiven Werbung 300 Gärten vermietet. Auch die Stadt habe zuletzt von den Vereinen im Bezug auf die Mitgliederzahl positive Signale bekommen, sagt Stadtsprecher Klaus Helmer. Ergo: „Es gibt vonseiten der Stadt keinerlei Ambitionen, Gärten aufzulösen.“

Zufrieden kann zum Beispiel Thomas Schrader sein, Vereinsvorsitzender des Südstädter Vereins Tiefenriede. Sein Verein hat die Warteliste bei 35 Interessenten erstmal geschlossen, die Südstädter laufen ihm die Bude ein. „Das liegt auch daran, dass es in der Südstadt nicht viele Vereine gibt“, sagt Schrader. „Die Leute wollen ihren Garten eben zu Fuß oder per Fahrrad erreichen können und nicht mit dem Auto quer durch die Stadt fahren müssen.“ Seit einigen Jahren habe die Generation zwischen 25 und 40 Jahren den Kleingarten für sich entdeckt – und plötzlich, so scheint es, hat die Schreberkultur wieder eine Zukunft.

Filetgrundstücke sollen Gärten bleiben

Zufrieden ist auch Waltraut Götte vom Kleingärtnerverein Linden. Der hat vor einiger Zeit Gärten meistbietend versteigert – und nun von seinen 643 Gärten bis auf einen jeden verpachtet. „Wir haben viele junge Leute dazubekommen“, sagt Götte. Natürlich tickten die „anders als die 80-Jährigen“, dem Verein gehe es nicht schlecht dabei. „Es ist nicht mehr so wie früher, wo alle immer zusammenhockten“, sagt Götte. „Aber trotzdem ist die Stimmung gut.“ In Linden hat es nur ein bisschen Kreativität gebraucht, um die Gärten voll zu bekommen.

SPD-Ratsherr Müller und Kleingärtner Schrader jedenfalls sind sich einig: Die Kleingartenfläche in der Stadt darf auf keinen Fall schrumpfen. „Wir müssen alle Gärten festhalten, die wir haben“, sagt Schrader. Auch wenn sich mancher die Finger nach den Filetgrundstücken leckt.

Eine detaillierte Übersichtskarte sowie weitere Artikel zum Thema finden Sie in der Mittwochsausgabe der HAZ oder im E-Paper.

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