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Aus der Stadt Der umtriebige Ruheständler
Hannover Aus der Stadt Der umtriebige Ruheständler
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13:42 11.08.2009
Von Juliane Kaune
Klaus Goehrmann leitet die Internationale Stiftung Neurobionik. Quelle: Rainer Surrey
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Er ist ständig in Bewegung. Selbst im Sitzen. Mal hängt er locker das Knie über die Sessellehne, mal gestikuliert er mit weit ausholenden Armen, mal springt er auf und sucht im Bücherregal nach einem handfesten Beleg für das, was er gerade erzählt hat. Und Klaus Goehrmann hat eine Menge zu erzählen. Das hat sich nicht geändert, seit der ehemalige Messechef vor fünf Jahren in den offiziellen Ruhestand gegangen ist. Auf der von ihm „zur Übersicht“ erstellten Liste seiner gesammelten Tätigkeiten und Funktionen tauchen 16 verschiedene Posten auf. „Ich habe noch immer eine 50- bis 60-Stunden-Woche“, sagt er. Kürzertreten will er nicht. Dafür gibt es viel zu viel zu tun.

Goehrmann gehört zu der Spezies, die ihr biologisches Alter allenfalls zur Kenntnis nehmen. „Sicher könnte sich der Herr Goehrmann einfach nur auf den Balkon setzen und Zeitung lesen“, sagt eben jener, der mit Vorliebe in der dritten Person von sich spricht. Doch das wäre rein gar nichts für den überaus vital wirkenden Herrn Goehrmann, dem man seine 70 Jahre nicht ansieht. „Ich fühle mich verpflichtet, Menschen für Ideen zu begeistern“, erklärt er.

Dabei ist er selbst ausgesprochen begeisterungsfähig. Das Netzwerk, das der gebürtige Berliner in fast 30 Jahren (davon 20 als Messe-Chef) in seiner Wahlheimat Hannover aufgebaut hat, dürfte seinesgleichen suchen. Man fragt sich, wie eine einzelne Person so viele unterschiedliche Posten unter einen Hut bringen kann. Aktuell ist Goehrmann unter anderem Vorsitzender des Laser-Zentrums der Leibniz-Uni, Chef des Aufsichtsrats der Hannover Marketing und Tourismus Gesellschaft, Ehrenpräsident der Industrie- und Handelskammer, Verwaltungsratschef der VHV-Versicherung, Aufsichtsratsvorsitzender der Höft & Wessel AG, Vorsitzender des Fördervereins der Internationalen Schule und Vorstandsmitglied der Landesgalerie.

Ganz besonders geht er in einer Aufgabe auf, der er sich seit dem Jahr 2000 verschrieben hat. Er leitet die Internationale Stiftung Neurobionik, die sein Freund, der Neurochirurg Madjid Samii, ins Leben gerufen hat. „Ich bin kein Mediziner, aber ich kann Ihnen alles über Hirnstammprothesen erzählen“, sagt Goehrmann, der einen Professorentitel für Technologie-Management hat. Sich in neue Zusammenhänge hineinzudenken, das liegt ihm. Und als Marketingmann weiß er auch, wie sich eine Sache am besten verkaufen lässt: Goehrmann ist die Pressestelle der Stiftung und der Hirnklinik INI in Personalunion. Sein Büro liegt Tür an Tür mit dem von Samii.

Dort verbringt er einen Großteil seiner 50- bis 60-Stunden-Woche. Auf dem Schreibtisch steht ein Bild seiner Frau Tessa, von der er bei jeder sich bietenden Gelegenheit schwärmt. Seit 45 Jahren sind die beiden verheiratet. „Den Herrn Goehrmann“, sagt er, „gibt es nur im Doppelpack.“

Die Familie Goehrmann ist auch ein kleines funktionierendes Netzwerk. Tochter Julia, die Söhne Patrick und Alexander und die Enkelkinder Oskar und Mascha wohnen alle in Hannover. „Wir sehen uns regelmäßig, und wir verstehen uns bestens.“ Alle sieben machen gemeinsam Urlaub im Ferienhaus auf Sylt. Allein mit seiner Frau reist Goehrmann am liebsten nach Italien. Er spricht die Sprache („Mein Vater war Professor für Italienisch“), und er liebt das Essen. „Beim Wein darf es aber eher ein deutscher Riesling sein.“

Ab und zu gönnt er sich Zeit zum Genießen. Greift sich hier und da mal ein Buch zum Schmökern und versucht, häufiger als bisher in die Oper zu gehen. Doch ohne seinen vollen Terminkalender fühlt sich Goehrmann nicht wohl. „Ich brauche es, immer ein bisschen aus der Puste zu sein“, sagt er. Aber er braucht nicht mehr so viel Platz, hat er entschieden. Sein Haus in Kirchrode hat er gegen eine Dachgeschosswohnung in Kleefeld eingetauscht. Vorsichtshalber mit Fahrstuhl. „Dort will ich meinen 90. Geburtstag feiern.“

Heute ist erst mal der 70. dran. Eingeladen ist nur ein “überschaubarer Freundes- und Familienkreis“. Geschenke will Goehrmann nicht haben. Doch die Gratulanten werden es sich gewiss nicht nehmen lassen, ihm einige neue Exemplare für seine ganz besondere Kollektion mitzubringen: Er sammelt Elefanten. Rund 300 Figuren hat er schon, etwa 150 seiner Krawatten sind ebenfalls mit den Rüsseltieren verziert. Und jeden Tag bindet der Herr Goehrmann eine davon um. Auch das hat sich im Ruhestand nicht geändert.

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