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Aus der Stadt Der verdächtige Ordner aus Misburg
Hannover Aus der Stadt Der verdächtige Ordner aus Misburg
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00:24 14.12.2015
Von Tobias Morchner
Der junge Mann arbeitete am Länderspielabend als Ordner, obwohl er laut Dienstplan nicht eingeteilt war. Seine Kollegen sicherten nach der Absage das Stadion. Quelle: Peter Steffen
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Hannover

Um kurz vor 6 Uhr stoppten am Donnerstag vier schwarze Wagen mit zum Teil vermummten Polizisten vor dem Mahnmal für die KZ-Außenstelle in Misburg an der Hannoverschen Straße. Die Beamten des Bundeskriminalamts hatten einen Durchsuchungsbeschluss des Bundesgerichtshofs für die Dachgeschosswohnung eines nahen Einfamilienhauses in der Tasche. „Die haben uns wach gemacht und uns nicht einmal gesagt, was eigentlich Sache ist“, sagt der Hauseigentümer, der im Erdgeschoss wohnt und die Wohnung an eine Mutter und ihren 19-jährigen Sohn vermietet hat. Vollkommen überrascht war er von dem Besuch der Polizei allerdings auch nicht. „Es ist schon das zweite Mal, dass sie hier sind“, sagt er. Dazu, wann die Beamten schon einmal da waren, sagt er nichts.

Etwa drei Stunden lang durchsuchen die Fahnder die Wohnung nach Hinweisen, die einen schwer wiegenden Verdacht gegen den 19-jährigen Schüler erhärten sollen: War der junge Mann an der Planung eines Anschlags auf das Fußballländerspiel in Hannover am 17. November beteiligt? Zwei Stunden lang befragen die Bundesermittler den Verdächtigen, dann lassen sie ihn wieder ziehen. Bislang lässt sich der Verdacht gegen ihn nicht erhärten. Alle Hoffnungen ruhen auf der Auswertung des sichergestellten Materials.

Verdächtiges Video entdeckt

Die Terrorfahnder waren durch den Hinweis einer Lehrerin auf den jungen Mann aufmerksam geworden. Wie das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ schreibt, soll die Pädagogin angegeben haben, der 19-Jährige habe sich in letzter Zeit radikalisiert und angekündigt, nach Syrien reisen zu wollen. Weitere Nachforschungen ergaben, dass der 19-Jährige am Tag des Länderspiels tatsächlich als Ordner im Stadion war und dort ein verdächtiges Video von einem bislang unbekannten anderen jungen Mann aufnahm. Der Clip, auf dem Wortfetzen wie „pray for Rakka“ und die arabische Bezeichnung für die Terrorgruppe IS zu hören sind, wurde zwei Tage später auf der Online-Plattform Instagram hochgeladen. Bei der Stadt Rakka handelt es sich um die Hochburg des IS in Syrien.

Die Mutter des jungen Mannes wollte sich auf Nachfrage der HAZ nicht zu der Durchsuchung äußern. „Die Polizei hat gesagt, ich darf nichts sagen“, erklärte sie. Der 19-jährige Schüler soll den Behörden bislang ebenso wenig als Terrorverdächtiger gegolten haben, wie ein Mann namens Faiz A. Dieser soll ebenfalls zu der fünfköpfigen Gruppe gehört haben, die den Anschlag während des Länderspiels geplant haben soll. Unklar ist, ob der 19-Jährige in seiner Befragung Angaben zu den Vorwürfen gemacht hat. Dazu wollte sich die Generalbundesanwaltschaft wegen der laufenden Ermittlungen nicht äußern.

Rückblick: Hinweise auf Terror-Plan

Es waren detaillierte Hinweise auf einen geplanten Terrorakt, die die Ermittler am Abend des 17. November dazu veranlassten, das geplante Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden mit rund 30.000 Fans kurz vor Anpfiff abzusagen. Vier Männer und eine Frau hatten Geheimdienstinformationen zufolge vor, drei Sprengsätze in der Arena zu zünden. Eine weitere Bombe sollte an einer Bushaltestelle detonieren. Sieben Stunden später sollte eine weitere Explosion einen Bahnhof erschüttern, dabei sollte es sich explizit nicht um einen Selbstmordanschlag handeln.

Die Sprengsätze sollten mit Fahrzeugen, die eine Zufahrtsberechtigung zur Arena haben – einem Streifen- oder Rettungswagen, einem Wagen des Sicherheitsdienstes – ins Stadion gebracht werden. Der Anschlag sollte von dem Anführer der Gruppe, einem Mann mit deutschem Pass, gefilmt werden. Doch alle Fahndungsmaßnahmen der Polizei liefen an diesem Abend in Leere. Die Beamten stießen weder auf Sprengstoff noch auf verdächtige Personen.

Bilder vom Abend des abgesagten Länderspiels in Hannover

Das Länderspiel Deutschland-Niederlande wurde im November 2015 abgesagt. Für die ganze Stadt Hannover wurden scharfe Sicherheitsmaßnahmen getroffen.
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