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Mord in Hannover

Das Columbus: Spelunke mit rauer Tonlage

Es ist eine Kiezkneipe. Düster, klein, schummriges Licht, am Eingang blinkt ein Spielautomat. Und doch hat die kleine Gaststätte eine Geschichte, die länger reicht, als die der meisten zahlreichen Tanzklubs und modernisierten Bars, die sich in den vergangenen Jahren in dieser Gegend zwischen die Bordelle und Laufhäuser rund ums Steintor gemogelt haben.

Das Columbus im Steintorviertel.

Das Columbus im Steintorviertel.

© Christian Elsner

Das Columbus steht dort, in der Münzstraße 8 gegenüber vom Steintorviertel, seit 56 Jahren, es hat rund um die Uhr geöffnet.

Eine „Spelunke“ sei das, sagen einige, und wahrscheinlich tut man dem Laden damit nicht einmal Unrecht. Der Umgangston ist rau, Polizeieinsätze wegen Schlägereien gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder. Die bunte Partynacht mit leicht verruchtem Flair, die am Steintor gegenüber gern inszeniert wird, bleibt hier außen vor. Es gibt Bier aus dem Zapfhahn, die Musik spielt im Hintergrund, „um die Gäste vom Hotel nebenan nicht zu stören“, wie Columbus-Geschäftsführer Ernst Wegener erklärt. In Wegeners Kneipe merkt man an den belegten Hockern, ob seine Gäste gerade flüssig sind. „Nach dem Ersten des Monats ist immer ein bisschen mehr los, die zweite Monatshälfte wird’s dann weniger“, sagt er. Seine Gäste, das sind Menschen, die lieber in der Nacht versacken, als zu Bett zu gehen, oder solche, die in der Nacht arbeiten und deshalb spät dran sind mit dem Feierabendbier.

Den Täter hat der Wirt öfter gesehen. „Den kannte ich, er war eigentlich umgänglich“, sagt Wegener. Gestern Morgen stand er hinter dem kleinen Tresen und verfolgte den Streit über die Fußballmannschaften mit – in der kleinen Kneipe mit zehn Tresenhockern und ein paar Tischen war kaum etwas los. Er habe schon einiges erlebt, erzählt Wegener. Morgendliche Schlägereien, Unflätigkeiten aller Art. Das komme vor in so einer Kneipe. Aber eine Schießerei? Wegen Fußball? „So etwas hatten wir hier noch nie“, sagt er. „Nicht mal früher, in den wilden sechziger und siebziger Jahren.“

Die beiden Opfer kamen von der anderen Straßenseite herüber ins Columbus. Dort, im Restaurant Little Italy, in der Goethestraße 11-13, arbeitete einer der Italiener als Koch. Das Restaurant, eine seltene Mischung aus Nobelrestaurant und Rotlichtromantik, eröffnete im Dezember 2008, zu den Gästen zählten Prominente wie 96-Fußballer Altin Lala und Scorpions-Sänger Klaus Meine. Die Küche hat in der Woche bis 2 Uhr, am Wochenende sogar bis 5 Uhr morgens geöffnet, auf der Speisekarte findet man frischen Spargel genauso wie „Pizza to go“. Die Betreiber des Restaurants sind in Hannover bekannt. Sie heißen Lucia De Cosmo und Rosario Alberino.

Letzterer ist ein Sohn der Betreiberfamilie des Mamma Raffaele, das vor mehr als 40 Jahren das erste italienische Restaurant der Stadt war. Die Familie betreibt heute ein weiteres Restaurant in der Viktoriastraße in Linden. Die beiden Häuser in der Goethestraße, in die das Little Italy eingezogen ist, haben einen prominenten Besitzer: Sie gehören dem hannoverschen Anwalt Götz von Fromberg, der die Gebäude allerdings nach eigenen Angaben an „einen deutschen Verwalter“ verpachtet hat, der sie wiederum an die italienischen Betreiber vermietet hat. „Schrecklich, was da passiert ist“, sagt der Anwalt.

Dirk Schmaler

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