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Aus der Stadt Diakovere will Hebammen schnellstmöglich ersetzen
Hannover Aus der Stadt Diakovere will Hebammen schnellstmöglich ersetzen
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00:17 27.11.2017
„Unsere Geburtshilfe wird weiter gut besetzt sein“: Diakovere-Geschäftsführer Mathias Winkelhake, Frauenkliniks-Chefarzt Prof. Ralf Schild, die Leitende Hebamme Sabine Schulte und Hebamme Kerstin Japtok.  Quelle: Fotos: Franson/Steiner
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Hannover

Der hannoversche Klinikbetreiber Diakovere will die Lücke schnellstmöglich schließen, die durch die Kündigung von fünf Hebammen zum Jahresende entstanden ist. Man wolle beispielsweise bestehende Verträge aufstocken, hieß es in einer extra einberufenen Pressekonferenz.  Möglicherweise kehrten zudem Kolleginnen früher aus der Elternzeit zurück. Dazu wolle man neue Hebammen einstellen. Der Klinikverbund widersprach der Darstellung, die Hebammen hätten abgesprochen und aus Verärgerung über schlechte Arbeitsbedingungen gekündigt. „Unsere Geburtshilfe wird auch nach dem 1. Januar 2018 gut besetzt sein“, sagt Geschäftsführer Mathias Winkelhake.   

Das wird auch nötig sein. Kinderarzt Thomas Buck, zugleich Obmann der Kinderärzte in Hannover, schlug am Freitag Alarm. Immer mehr Mütter wanderten für die Geburt in Geburtshäuser ab oder in kleinere Häuser im Umland, weil sie Angst hätten, in den Häusern in der Landeshauptstadt im Kreißsaal abgewiesen oder zumindest in eine andere Klinik verlegt zu werden. Dabei habe Gehrden beispielsweise gar keine Neonatologie, die die Versorgung von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen sicherstelle. Buck zufolge werden Kinderärzte in Hannover so häufig mit Schwangeren konfrontiert, die glauben, in Hannover nicht mehr in Ruhe entbinden zu können, dass er für eine von der Region initiierte Hotline plädiert. Sie könne Schwangere mit Informationen versorgen und ihnen Ängste nehmen.   

Grund für Kündigung: schlechte Arbeitsbedingungen

Die Hiobsbotschaft im Henriettenstift mit den fünf Kündigungen war am Donnerstag bekannt geworden. Nach Informationen der HAZ haben die Frauen wegen der schlechten Arbeitsbedingungen bei Diakovere gekündigt. Man habe in den vergangenen Monaten viele Maßnahmen erarbeitet, die nicht nur die Versorgung im Kreißsaal sicherstellten, sondern auch Arbeitsbedingungen und Stimmung der Kreißsaal-Teams entscheidend verbessert hätten, hielt Sabine Hänisch, Gesamtleiterin der Kreißsäle von Henriettenstiftung und Friederikenstift, dagegen. 

Für die ersten Monate dieses Jahres trifft das wohl zu. Klinikleitung, Hebammen und Verdi hatten nach langen Querelen Anfang 2017 eine neue Vereinbarung zu  den Arbeitsbedingungen getroffen. Sie sah die Besetzung aller Schichten mit drei Hebammen  und weitere Verbesserungen im Arbeitsalltag vor. Darüber, wie es später im Jahr weiter ging, gehen die Meinungen aber stark auseinander.

Nach Angaben von Verdi-Gewerkschafter Thilo Jahn verschärfte sich die Situation in den beiden Häusern später wieder, weil die Hebammen zusätzlich zu ihrer Tätigkeit im Kreißsaal immer wieder neue Kolleginnen einarbeiten mussten. Das hatte mit der Aufstockung des Stellenplans zu tun. Diakovere etabliert zudem ein neues Rotationsprinzip in seinen Häusern. Alle Hebammen sollen in beiden Häusern arbeiten können.  Das „Henri“ ist aber eine Level-1-Klinik, in der auch Früh- und kranke Neugeborene versorgt werden. Die „Friederike“ (Level 4) kümmert sich um normale Geburten. Auch manche langjährig angestellte Hebamme muss neue Aufgaben lernen.

Wurden Hilferufe der Hebammen zu lange ignoriert?

Gewerkschafter Jahn sagt, man habe die Hilferufe der Hebammen wegen der zusätzlichen Belastungen zunächst ignoriert. Die Situation sei keineswegs „entspannt“ gewesen. So stellt es Diakovere dar. Erst vor kurzem habe man ein neues System entwickelt, das sich nicht mehr starr am Dienstplan orientiere, sondern die reale tägliche Arbeit in beiden Häusern in die Besetzung der Schichten einbezieht. „Dieses System scheint jetzt tatsächlich gut zu funktionieren“, sagt Jahn.

Für die fünf Hebammen kam es offenbar zu spät. Informationen der HAZ zufolge spielte für ihre Kündigungen zudem eine umstrittene Personalentscheidung eine Rolle. Einer Hebamme, die 23 Jahre Vollzeit im Kreißsaal gearbeitet hat, soll ohne vorherige Gespräche oder Abmahnung nahegelegt worden sein, einen Aufhebungsvertrag wegen „Störung des Betriebsfriedens“ zum 1. Januar 2018 zu unterschreiben. Die Hebammen hätten nicht in einem Haus bleiben wollen, in dem man so mit langjährigen Kolleginnen umgehe, die auf Missstände aufmerksam machten, ist zu hören. Diakovere wollte sich dazu aus arbeitsrechtlichen Gründen zu dem laufenden Verfahren nicht äußern.

Von Jutta Rinas

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