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Diakovere will neue Hebammen einstellen

Unterbesetzung Diakovere will neue Hebammen einstellen

Chronische Unterbesetzung im Henriettenstift: Immer wieder musste eine Hebamme alleine während einer Schicht fünf Kreißsäle betreuen. Nun übt die Krankenkasse AOK Druck auf das Unternehmen Diakovere aus: Bis wann der Personalmangel behoben wird, soll schriftlich festgehalten werden.

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Es muss etwas passieren: Behebt Diakovere die Mängel im Henriettenstift nicht, drohen die Krankenkassen mit Konsequenzen. 

Quelle: Samantha Franson

Hannover. Die chronische Unterbesetzung bei den Hebammen im Henriettenstift könnte erhebliche Folgen für das Unternehmen Diakovere haben. Die Allgemeine Ortskrankenkasse Niedersachsen (AOK) kündigte am Donnerstag an, sie werde das Unternehmen auffordern, schriftlich zu fixieren, bis wann der Personalmangel in der Klinik behoben sei. Eine entsprechende Vereinbarung über die Einhaltung der Qualitätssicherungs-Richtlinien mit der Geschäftsführung von Diakovere sei „in Vorbereitung“, hieß es am Donnerstag.

"Henri" verstößt gegen Qualitätskriterien

Wie berichtet, ist es als Konsequenz einer chronischen Unterbesetzung mit Hebammen in dem Haus wiederholt vorgekommen, dass eine Hebamme allein eine Schicht lang alle fünf Kreißsäle betreute. Die Unterbesetzung führte Ende August dazu, dass die Geburtsklinik für eine Schicht zum zweiten Mal die Kreißsäle schließen musste. Damit verstößt das „Henri“ gegen die Qualitätskriterien, die es als Schwerpunktklinik für Früh- und Neugeborene erfüllen muss. Eine solche Level-1-Klinik muss sicherstellen, dass im Kreißsaal eine Hebamme rund um die Uhr präsent ist. Eine zweite muss sich in Rufbereitschaft halten. Eine dritte, so äußerte sich die AOK am Donnerstag, müsse immer auf der Geburtsstation präsent sein. Gelingt es Diakovere nicht, dies einzuhalten, drohen offenbar auch finanzielle Konsequenzen. Denn: Die Einhaltung der Qualitätssicherungs-Richtlinien sei, so die AOK, die Voraussetzung dafür, dass „erbrachte Leistungen mit der jeweiligen Krankenkasse abgerechnet werden können“.

Werdende Eltern sind verunsichert

Eine schnelle Lösung sei nötig, um in der Region Hannover wieder eine „gute geburtshilfliche Betreuung“ zu garantieren, sagte Petra Mundt, Gleichstellungsbeauftragte der Region Hannover am Donnerstag. Ein Runder Tisch, wie ihn Politiker erst vor zwei Wochen bei einer Expertenanhörung im Regionsausschuss forderten, reiche jedenfalls nicht aus, um eine derartig dramatische Situation wie die im Henriettenstift in den Griff zu bekommen. Mundt betonte, dass vor allem die schwangeren Frauen durch die Situation im Diakovere derzeit schwer verunsichert seien. Mit Sorge beobachtet auch die Elterninitiative „Selbstbestimmt Kinder kriegen“, die Vorgänge im „Henri“: In der Initiative haben sich mehr als 400 jetzige und zukünftige Eltern zusammengeschlossen, um sich für eine gute Geburtshilfe in der Region einzusetzen. Die schwierige Personalsituation im „Henri“ führe auch zu einer Verunsicherung der werdenden Eltern, hieß es am Donnerstag.

Der Verband der Ersatzkassen (Vdek) forderte am Donnerstag die Region zum Eingreifen auf. Sie müsse sicherstellen, dass das Henriettenstift seinen Versorgungsauftrag erfülle. Sollte es dazu nicht in der Lage sein, müsse auch geprüft werden, die Level-1-Versorgung in einem geordneten Prozess auf ein anderes Krankenhaus zu übertragen.

Bundesweit zu wenig Hebammen

Diakovere-Sprecher Achim Balkhoff betonte am Donnerstag, der Hebammen-Notstand in den Geburtskliniken solle spätestens Anfang 2017 überwunden sein. Obwohl schon jetzt alle von den Kostenträgern refinanzierten Stellen besetzt seien, habe das Unternehmen aus eigenen Mitteln zwei weitere Stellen geschaffen und werde in den kommenden drei Monaten noch sieben weitere Stellen zusätzlich finanzieren. Damit würden insgesamt 39 Hebammenstellen vorgehalten, hieß es am Donnerstag. Man übernehme im Bereich der Geburtshilfe Verantwortung in einer Zeit, in der andere Kliniken die Geburtshilfe trotz steigender Geburtenzahlen aufgäben - wegen unzureichender Finanzierung oder aus Personalmangel, sagte Balkhoff. Einen Großteil der Geburten, die vor einigen Jahren noch in der Paracelsus Klinik Langenhagen und im Nordstadtkrankenhaus verzeichnet wurden, habe Diakovere aufgefangen. Allein 2015 hätten 37 Kreißsäle in Deutschland geschlossen, in Hannover zuletzt zwei. In mehr als der Hälfte aller Fälle sei Personalmangel der Grund für die Schließung gewesen. Eine Unterbesetzung wie im Henriettenstift sei zudem kein singuläres, sondern ein bundesweites Problem. Durchschnittlich arbeiteten Geburtskliniken in Deutschland aktuell mit einer Unterbesetzung von 1,6 Stellen.

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Der Krankenhausverbund Diakovere hat gemeinsam mit den Mitarbeitern Lösungen für die Personalprobleme in den Kreißsälen erarbeitet – allerdings nur für gut eine Woche. So lange gilt laut Verdi eine Übergangslösung. Einigt man sich bei Gesprächen Ende nächster Woche nicht auf eine langfristige Strategie, droht eine Eskalation des Streits.

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