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Dichtern ihre Worte wiedergeben

Lesung am Jahrestag der Bücherverbrennungen Dichtern ihre Worte wiedergeben

Spannend und lehrreich: Eine Lesung der Aktion "Hannover im Wort" auf dem Opernplatz - am Jahrestag der Bücherverbrennungen vom 10. Mai 1933.

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Musik aus ihrer Heimat:Die hannoverschen Musikstudenten Shiri Tintpulver, Alon Sariel und David Strongin spielten zu den Beiträgen jüdische und israelische Weisen.

Quelle: Decker

Hannover. Eine Lesung in einem Zelt mitten auf dem Opernplatz? Es hätte kaum ein passenderer Ort gefunden werden können, vis-à-vis des Holocaust-Denkmals, um des 79. Jahrestags der Bücherverbrennung verfemter Dichter und Schriftsteller während des Nationalsozialismus zu gedenken. Mehr als 100 Gäste lauschten am Donnerstag den Vorträgen unter anderem von Rapper Spax, Intendant Lars-Ole Walburg, Oberbürgermeister Stephan Weil sowie der Publizistin und ehemaligen Fernsehmoderatorin Lea Rosh.

Es war das erste Mal, dass Hannover mit einer großen Aktion an die Bücherverbrennungen vom 10. Mai 1933 erinnerte, mit denen die intellektuelle Elite ausgelöscht werden sollte. Als Gemeinschaftsprojekt der Schriftstellerin Corinna Luedtke, dem Projekt Erinnerungskultur von Stadt und Region sowie verschiedener Schulen will die Aktion „Hannover im Wort“ den Dichtern symbolisch das Wort zurückgeben.

Heinrich Heine, Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky und Erich Kästner - die Besucher konnten schwelgen in Textpassagen der deutschen Klassiker, mit denen sonst eher Schüler und Theater arbeiten. Stephan Weil hatte eines seiner „Lieblings-Hannoverbücher“ mitgebracht, den Roman „Kaiserwetter“ des 1892 in Hannover geborenen Karl Jakob Hirsch. „Er kritisiert die wilhelminische Gesellschaft, er ist sehr autobiografisch, und man trifft in diesem Buch viele bekannte Hannoveraner wie Fritz Haarmann und Theodor Lessing wieder“, begründete Weil seine Wahl.

Das Lesen machte ihm hörbar Spaß. Gewählt hatte er eine Passage, in der der jüdische Anwalt S. de Vries auf den deutschen Kaiser Wilhelm II. wartet und dabei überlegt, was der deutsche Herrscher ihn fragen könnte. Als dieser ihn schließlich mit krächzender Stimme anspricht, „Hamse gedient?“, entfuhr dem Anwalt ein gurgelnder Ton, von dem später er nicht mehr sagen konnte, ab das ein Ja oder ein Nein gewesen war. Gedient hatte er jedenfalls nicht.

Lars-Ole Walburg hatte Ray Bradburys „Fahrenheit 541“ gewählt, erschienen erst 1953. Der Roman spielt in einem Staat, in dem es als schweres Verbrechen gilt, Bücher zu besitzen oder zu lesen. Ein spannender, lehrreicher Nachmittag.

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