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Aus der Stadt Die Angekommene
Hannover Aus der Stadt Die Angekommene
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13:45 11.08.2009
Die Professorin für Modedesign Martina Glomb arbeitete 12 Jahre mit Vivienne Westwood zusammen. Quelle: Martin Steiner

Zu Hause ist man dort, wo man sich die meiste Zeit im Leben aufhält, wo man sich wohlfühlt, sich vorstellen kann, den Rest seines Lebens zu verbringen. Nach dieser Definition ist Martina Glomb mehr in Hannover zu Hause als so manch gebürtiger Hannoveraner – auch wenn das alte Bauernhaus, das sie mit ihrem Mann bewohnt, im sagenumwobenen Teufelsmoor bei Worpswede liegt. „Ich bin in Hannover sehr glücklich und fühle mich hier sehr zu Hause“, sagt die Professorin für Modedesign und blickt zufrieden aus ihrem Büro der Fachhochschule an der Expo-Plaza.

Vor drei Jahren ist die 48-Jährige aus London nach Hannover gekommen. Und das keineswegs zufällig. „Hannover ist eine tolle Stadt, eine Stadt mit kreativem Potenzial. Wer hier Ideen hat, findet Ansprechpartner und kann etwas bewegen. Das ist sehr befriedigend“, sagt Glomb. Die gebürtige Bremerin weiß, wovon sie spricht. London, das bedeutete zwar weltstädtisches Flair und coole Leute, doch es hieß auch, schier endlose Wege und eine umständliche Bürokratie zu überwinden. Glomb brauchte einen langen Atem, wenn sie etwas Neues umsetzen wollte.

Zwölf Jahre lang hat Glomb mit der britischen Punklady und Modeikone Vivienne Westwood gearbeitet. Glomb war Westwoods Chefdesignerin, hat ihre Prêt-à-porter-Kollektionen entworfen – und einen Stuhl an den Kopf bekommen, als sie kündigte. „Bei Vivienne wird man gekündigt, man kündigt nicht“, sagt Glomb lächelnd. Der Freundschaft der beiden hat das kleine Intermezzo jedoch nicht geschadet. „Dazu haben wir zu viel gemeinsam aufgebaut. Wir haben am Anfang aus Kisten gelebt, in einem Bett geschlafen und rund um die Uhr gearbeitet. Das war vielleicht die schönste Zeit meines Lebens“, sagt sie, und es scheint, als glänzten in diesem Moment ihre Augen.
Doch jede Lebensphase geht einmal zu Ende. Wie Westwood hatte Glomb seit ihrem Studium an der Bremer Kunsthochschule Mitte der achtziger Jahre mit großer Leidenschaft Mode entworfen – glamourös und provokant. „Doch irgendwann wusste ich, dass ich keine kommerzielle Mode mehr machen wollte“, sagt sie und streicht ihre schwarzen Locken aus dem Gesicht. „Ich wusste, dass ich jetzt lehren und für Studenten da sein will.“

Es folgte eine Zeit am Royal College of Art in London, dann kam das Heimweh nach Norddeutschland, der Wunsch, den Ehemann häufiger als alle drei Monate zu sehen. In ihrer Zeit bei Westwood hatte Glomb Dutzende Modeschüler aus aller Welt kennen- und beurteilen gelernt. Und sie wusste, was viele Insider der Branche wissen: Modedesignstudenten aus Hannover sind gut. „Sie setzen nicht auf Selbstinszenierung, tragen nicht so eine überzogene Großstadtattitüde vor sich her wie beispielsweise die Berliner, sondern beherrschen ihr Handwerk, arbeiten strukturiert, haben Durchhaltevermögen. Das gefällt mir.“

Als Glomb eine Stellenausschreibung der Fachhochschule Hannover in die Hände fiel, die in ihr das Gefühl auslöste: „Das bin ich“, war der Umzug nach Niedersachsen schon beschlossene Sache. Ebenso leidenschaftlich und rastlos wie sie bisher Mode entwarf, stürzte sich Glomb in die Campusatmosphäre auf der Expo-Plaza. Seit einem Jahr sind es die Vorbereitungen für „Hannover goes Fashion“, die sie in Atem halten. „Ich arbeite ununterbrochen, ich bin ein echter Workaholic. Deswegen spielt es bei mir auch keine Rolle, wo ich wohne, denn ich lebe, wo ich arbeite.“

Nur manchmal, ganz selten, zieht es die Professorin dann doch in die Abgeschiedenheit ihres Bauernhauses im Teufelsmoor. „Der Horizont, den brauche ich in diesem Job. Es wäre tödlich, dann durch mittelmäßige Einkaufspassagen zu schlendern und sich mittelmäßige Schuhe anzuschauen“, sagt Glomb. Und dann fügt sie das größte Kompliment hinzu, das man einer Stadt machen kann: „Ich weiß, dass ich in 20 Jahren auch noch in Hannover sein werde.“

von Julia Pennigsdorf

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