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Aus der Stadt Die Dezernentin, die auch OB können muss
Hannover Aus der Stadt Die Dezernentin, die auch OB können muss
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16:40 19.08.2013
Von Gunnar Menkens
„Für das Wohl der Stadt und ihrer Bürger“: Die neue Wirtschafts- und Umweltministerin Sabine Tegtmeyer-Dette (Grüne) bekam am Mittwoch einen symbolischen Schlüssel für das Rathaus überreicht. Sie ist dort ganz neu und hat doch vorübergehend die Verantwortung für alles. Quelle: Alexander Körner
Hannover

Als ginge es darum, einen Städtewettbewerb für Bescheidenheit zu gewinnen, warteten in der holzvertäfelten historischen Ratsstube von links nach rechts: Bürgermeister Bernd Strauch, Sabine Tegtmeyer-Dette, die hier den Journalisten vorgestellt werden sollte, Verwaltungschef Hans Mönninghoff und Konstanze Kalmus, Sprecherin der Landeshauptstadt. Auf drei Bistrotischen standen ein paar Flaschen Wasser, wohl deshalb, damit überhaupt etwas dort stand. Der braungebrannte Strauch gratulierte „Frau Dette-Tegtmeyer“ und gab den Ratschlag: „Behalten Sie Ihren Humor, den braucht man hier.“ Mönninghoff, aufgeräumt und wenige Stunden vor dem Ruhestand, übergab den symbolischen Rathausschlüssel. Tegtmeyer-Dette sagte, sie freue sich, von nun an „für das Wohl der Stadt und ihrer Bürger zu arbeiten“. Anschließend behielt sie ihren Humor und breitete über Strauchs Namensdreher den Mantel des Schweigens. Foto. Fertig.

Sabine Tegtmeyer-Dette von den Grünen ist jetzt Wirtschafts- und Umweltdezernentin, Nachfolgerin von Hans Mönninghoff. Der erste Termin heute um neun Uhr: Kaffeetrinken mit Sozialdezernent Thomas Walter. Dann Begrüßung der neuen Gleichstellungsbeauftragten. Acht Jahre lang wird sie das Ressort Wirtschaft und Umwelt leiten, sie ist zugleich Erste Stadträtin und vertritt solange den Oberbürgermeister, bis sich die Bürger, spätestens im Oktober bei einer Stichwahl, einen neuen Verwaltungschef gewählt haben. Aber bis dahin regiert Sabine Tegtmeyer-Dette, 52 Jahre alt, die Hälfte davon Mitglied der Grünen, bislang Prokuristin bei der Üstra und an Wochenenden mit Dauerkarte in der lauten Nordkurve bei Hannover 96.

Formell darf sie sich nicht Oberbürgermeisterin nennen, praktisch ist sie es aber schon. Ein steiler Aufstieg aus der stillen Verwaltung eines Verkehrsbetriebes hinein in die Öffentlichkeit einer Landeshauptstadt. Üben kann man das nicht. Die Dezernentin, erst die dritte in der Geschichte der Stadt, hält es wohl selbst für gewöhnungsbedürftig. Am Tag vor Dienstbeginn war sie noch zurückhaltend, was die neue Rolle angeht. „Ich bin nicht sicher, ob ich das schon realisiert habe. Aber es ist eine Hürde, die man nehmen kann.“

Die künftige Stadträtin ist seit Langem für das Amt ausgeguckt. Die Grünen durften nach dem koalitionsinternen Geschäftsverteilungsplan einen Nachfolger für Hans Mönninghoff benennen, und ihr Personalvorschlag fand Beifall beim damaligen Oberbürgermeister Stephan Weil. Formell muss der Verwaltungschef dem Stadtparlament Dezernatskandidaten vorschlagen. Im November 2012 wählte dann der Rat die Grüne - mit rot-grüner Mehrheit. Die CDU machte nicht mit, betonte aber, die Ablehnung gelte nicht ihr, sondern dem Verfahren.

Was in den nächsten Wochen auf Tegtmeyer-Dettes Schreibtisch kommt, sind auch alle ungelösten und strittigen Themen aus Vergangenheit und Zukunft. Manchmal betreffen sie ihr eigenes Ressort, oft die Dezernate ihrer Kollegen. Alle sind weitaus länger im Rathaus und gewöhnlich von ausgeprägtem Selbstbewusstsein. Sie ist die Neue und sofort Chefin vom Ganzen. In strittigen Fragen muss sie moderieren und entscheiden, wenn Kompromisse nicht möglich sind. Es ist kein Job für jemanden, der auf den Beifall aller schielt.

Einer, der den Rathausbetrieb seit Jahrzehnten kennt, glaubt, dass es für die neue Verwaltungschefin auf zwei Dinge ankommt. „Sie muss die Machtzentren erkennen und im Streit zu einer Lösung führen.“ Im Dezernatsalltag müsse ein Stadtrat dieses riesige System Rathaus mit seinen 8000 Mitarbeitern in Gang halten. Mit Leuten reden und sie motivieren, darum gehe es.

Knapp zwei Monate lang bleibt sie Verwaltungschefin, danach wird sie Dezernentin unter Dezernenten sein. Sie will in den nächsten Wochen ein Gespür dafür bekommen, wie diese Führungsrolle im Alltag funktioniert. Meistens, glaubt sie, könne man zu gemeinsamen Lösungen kommen. Und wenn nicht, kann sie bei Konflikten mit dem letzten Wort entscheiden? „Ja“, sagt Tegtmeyer-Dette, „wenn es notwendig ist, kann ich das.“

Wobei es zu den ganz großen Konflikten vielleicht gar nicht kommt. Für ihre Zeit als Rathauschefin hat sie sich vorgenommen, Entscheidungen von grundsätzlicher Bedeutung zu verschieben. Solange, bis der neue Oberbürgermeister da ist. Städtische Mietverträge fürs Ihme-Zentrum? 1000 Kleingärten plattmachen? Für die nächsten Wochen stehen solche Beschlüsse nicht auf der Agenda.

Auf den Wechsel ins Dezernat hat sich die neue Dezernentin vorbereitet. Seit Anfang des Jahres traf sie sich regelmäßig mit Mönninghoff, alle zwei Wochen sprachen sie eine Stunde lang in seinem Büro über aktuelle Themen. Bisweilen begleitete sie ihren Amtsvorgänger, etwa ins Wirtschaftsministerium, als es zur Staatssekretärin ging. Tegtmeyer-Dette hat sich eingelesen in die Vertracktheit des Problems Ihme-Zentrum, in die Rechtslage, die zum Anspruch auf KitaPlätze führt, und sie befasste sich mit Großstadt-Kuriositäten wie der Frage, ob vor die Oper ein Hightech-Klo gestellt werden darf.

Am Mittwoch wollte sich die Verwaltungschefin zu Detailfragen noch nicht äußern, aber bei den Grünen ist zu hören, dass Tegtmeyer-Dette für dieses Klo sei. Die Toilette am Opernplatz wäre eine Entscheidung, für die die Wahl eines Oberbürgermeisters nicht unbedingt nötig scheint. Zu Beginn ihrer Amtszeit möchte sie viele Betriebe in der Stadt kennen lernen, will sich die Unternehmen aus den Top-Ten jedoch aufsparen, um sie gemeinsam mit dem künftigen Oberbürgermeister zu besuchen.

Bleibt die Frage: Wie hält es Sabine Tegtmeyer-Dette mit Herrn Dette, ihrem Ehemann? Michael Dette ist Ratsherr der Grünen und wenn das Stadtparlament tagt, sitzen sich beide keine zehn Meter entfernt gegenüber. Sie bei den Dezernenten, er vorne bei der grünen Ratsfraktion. Die Dezernentin hat sich vorgenommen, ihm zu Hause nur das zu erzählen, was erzählt werden darf. „Michael darf nicht erwarten, dass er von mir vertrauliche Dinge aus der Verwaltung zu hören bekommt.“ Gerüchte, denen zufolge sie im Beruf seinen Namen ablegen will, stimmen nicht. Wie man sie anredet, ist ihr egal, „da bin ich nicht dogmatisch“. Stellt sie sich vor, sagt die gebürtige Staderin leicht hamburgisch: Teechtmeyer.

In ihrem Büro geht es derzeit um Geschmack und eine Stilfrage. Für die Wände und den Raum kann sich die neue Dezernentin Kunst aus dem Sprengel Museum aussuchen. Sie bevorzugt knallige Farben. Im Geiste noch unentschieden ist die Nordkurven-Besucherin, ob die große Bundesliga-Stecktabelle eines Fußball-Fachmagazins für das Büro einer Ersten Stadträtin angemessen ist. Vielleicht fragt sie die frühere Stadtbaurätin Uta Boockhoff-Gries. Die war vor ein paar Jahren die allererste Frau an der Rathausspitze. Als Urlaubsvertretung.

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