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So trainieren die Höhenretter der Feuerwehr

Höhenretter So trainieren die Höhenretter der Feuerwehr

Wenn Verletzte nicht mehr von Bäumen und Türmen herunterkommen, werden die Höhenretter der Feuerwehr Hannover gerufen.

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Höhenrettung ist Teamwork.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Als der Kopf von Bernd Steinberg über der Astgabelung in etwa 17 Metern Höhe auftaucht, müssen er und Jan Janssen kurz grinsen. Dann geht es aber direkt mit dem nötigen Ernst weiter. „Geht es dir gut oder bist du verletzt?“, fragt Steinberg. „Alles okay, ich kann nur meine Hand nicht mehr belasten“, sagt Janssen und kann sich ein kleines Lachen doch nicht verkneifen. Denn er lügt. Der 34-Jährige ist nicht nur topfit, er könnte auch problemlos allein wieder von der riesigen Linde hinabsteigen. Er und Steinberg sind Höhenretter der Berufsfeuerwehr Hannover und nehmen an einer Fortbildung in der Eilenriede teil.

„Nach der 80-stündigen Grundausbildung muss sich jeder Höhenretter mindestens 72 Stunden pro Jahr fortbilden lassen“, erklärt Tobias Slabon. Der 34-Jährige leitet die Fachgruppe, die in der Feuer- und Rettungswache 5 im Roderbruch untergebracht ist. Wann immer Menschen aus großen Höhen, aber auch tiefen Gruben und Schächten gerettet werden müssen, rücken die Spezialisten der Berufsfeuerwehr Hannover aus. Und das nicht nur in der Landeshauptstadt.

Wenn Verletzte nicht von Bäumen oder Türmen herunterkommen, werden die Höhenretter der Feuerwehr gerufen: Bilder von einer Einsatzübung.

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„Es kommt immer wieder vor, dass wir auch ins Umland gerufen werden“, erklärt Slabon. „Die meisten Freiwilligen Feuerwehren können sich eine Gruppe, die so viel trainieren und sich weiterbilden muss, nicht leisten.“ Vor allem, weil die Höhenretter eher selten im Einsatz sind. Baumrettungen, wie sie die Feuerwehr an diesem Tag im Süden des Stadtwaldes übt, lassen sich jedes Jahr an einer Hand abzählen. „Trotzdem ist es wichtig, dass wir sie trainieren“, sagt Slabon. Deshalb übernimmt Jan Janssen die Rolle eines Baumkletterers, der sich bei seiner Arbeit verletzt hat und gerettet werden muss.

In der Krone der Linde sitzt dann auch jeder Handgriff. Nachdem Steinberg festgestellt hat, dass das Unfallopfer transportiert werden kann, bringt er eine zweite Sicherung oberhalb der Astgabelung an und hängt sich und Janssen in einem Seil ein. Kurz darauf gleiten die beiden zügig, aber sicher zu Boden. „Schnelligkeit ist bei solchen Rettungen extrem wichtig“, erklärt Steinberg.

Klettergurt kann gefährlich werden

„Es gab Fälle, da wurden tote Bergsteiger geborgen, die keine sichtbaren Verletzungen hatten.“ Die Gefahr für Bergsportler sowie Industrie- und Baumkletterer liegt ausgerechnet in ihrer Lebensversicherung: dem Klettergurt. „Wenn jemandem, der steht oder sitzt, der Kreislauf wegsinkt, dann wird er bewusstlos und fällt um“, erklärt Steinberg, der wie alle Feuerwehrleute auch ausgebildeter Notfallsanitäter ist. Das sei ein Schutzmechanismus. „Denn dann liegt die Person und das Blut kann sich wieder im ganzen Körper verteilen“, sagt der 45-Jährige. Sitzt ein Kletterer in seinem Gurt, kann er zwar bewusstlos werden, kippt jedoch nicht um. „Die aufrechte Position und der Klettergurt, der dann noch den Blutfluss in den Beinen abdrückt, bewirken, dass die oberen Extremitäten nicht durchblutet werden“, erklärt Steinberg.

Immer zu zweit

Kletterer sind deswegen grundsätzlich zu zweit unterwegs. Die Höhenretter gehen sogar erst mit vier Personen in den Einsatz. Und auch dort gelten besondere Standards. „Bei uns gilt das Prinzip der Doppelsicherung“, erklärt Slabon. „Spätestens wenn wir beim Patienten oder dem Opfer sind, benutzen wir ein redundantes System.“ Sind die Höhenretter nicht im Wald unterwegs, sondern beispielsweise in Industrieanlagen, wo es scharfe Kanten gibt, nutzen die Kletterer schon beim Aufstieg zwei Systeme. Sicherheit wird großgeschrieben, auch weil kein Einsatz wie der andere ist. „Das macht aber auch den Reiz des Jobs aus“, sagt Steinberg. „Wir haben zwar Standards für unsere Einsätze, jedoch müssen wir jedes Mal schauen, ob wir danach handeln können, oder ob wir sie anpassen müssen.“

Dazu kommt der Nervenkitzel, den die Arbeit in luftiger Höhe ausmacht. Noch bevor die Feuerwehrleute ihre zusätzliche Ausbildung als Höhenretter beginnen dürfen, müssen sie zum Arbeitsmediziner. Dort gilt es, die Untersuchung G 41 erfolgreich zu bestehen: Arbeiten mit Absturzgefahr. „Natürlich halten auch wir noch einen Moment inne, bevor wir uns aus extremen Höhen abseilen“, sagt Slabon, der seit 2008 als Höhenretter arbeitet.

Einsatz auf 200 Meter hohem Funkturm

Vor zwei Jahren hatten er und seine Kollegen so einen Einsatz in Verden (Aller). An einem Sonntag Mitte April waren drei Jugendliche auf einen 200 Meter hohen Funkturm geklettert. Ein Spaziergänger entdeckte sie und alarmierte die Polizei. Nachdem die Jugendlichen nicht selbst wieder von dem Bauwerk herunterkamen, wurden die Höhenretter aus Hannover angefordert. Diese stiegen über dieselbe Innenleiter auf wie die beiden 17- und der 18-Jährige zuvor. Dann stiegen sie gemeinsam mit den Jugendlichen wieder gesichert ab.

Die drei blieben bis auf eine leichte Unterkühlung unverletzt und waren nach ihrer Rettung „guter Dinge“, wie die Feuerwehr damals berichtete. Da wussten sie wahrscheinlich noch nicht, dass sie den Einsatz der Höhenretter bezahlen müssen, wenn sie ihn mutwillig ausgelöst haben. Aber auch Slabon, der damals im Einsatz war, und seine Kollegen behielten den Ausflug nach Verden in guter Erinnerung. „Auf solchen Höhen operieren wir nicht so oft“, sagt der 34-Jährige. „Das war schon etwas Besonderes.“ Und gekostet hat sie der Einsatz ja auch nichts.

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