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Aus der Stadt Die Gisma will wieder vorn mitspielen
Hannover Aus der Stadt Die Gisma will wieder vorn mitspielen
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06:20 31.10.2014
Von Saskia Döhner
Examen bestanden: Bei der Abschlussfeier von der Gisma tragen die Absolventen die traditionellen Doktorhüte. Quelle: Gisma
Hannover

Höhergesteckt könnte sein Ziel kaum sein. „Ich möchte die Welt ändern“, sagt Charles Atakora. Er sagt es leise, ohne Pathos. „Aber dazu muss ich wissen, wie Wirtschaft funktioniert.“ Der 25-Jährige aus Ghana hat für eine Nichtregierungsorganisation gearbeitet, ein Bachelorstudium in Geografie und Ressourcenentwicklung hat er bereits absolviert. Aber der junge Mann aus Afrika wollte mehr lernen, deshalb hat er sich im Frühsommer fürs Masterstudium in Business Administration (Betriebswirtschaft) an der privaten Hochschule Gisma in der Goethestraße eingeschrieben. „Ich wollte außerdem gern noch Deutsch als eine andere Fremdsprache lernen. Englisch spreche ich schon gut.“

Mustafa Abbas aus Pakistan sagt, der „herausragende Ruf“ der Gisma habe ihn gelockt. Deutschland sei eine „Supermacht“, drückt der 30-Jährige es etwas unorthodox aus – zudem habe er Verwandte in Hamburg. Er lobt die Flexibilität der Dozenten, die um 8 Uhr genauso ansprechbar seien wie spätabends, und die Freundlichkeit der Mitarbeiter.

Vor anderthalb Jahren allerdings war der Ruf der einst hochgelobten privaten Managerschmiede alles andere als gut: Im Mai 2013 musste die Gisma Insolvenz beantragen. Das Defizit war damals auf 1,2 Millionen Euro angewachsen. Das niedersächsische Wirtschaftsministerium hatte seinen Jahreszuschuss von 700000Euro eingefroren, weil es eine Lücke von 500000 Euro im Etat der Hochschule gab. Dem Gisma-Vorstand war es jahrelang nicht gelungen, genügend Sponsorengeld von Firmen einzuwerben. So hatte auch VW irgendwann seine Beihilfe gestrichen.

Dabei hatte das Unternehmen quasi zu den Gründungsvätern gezählt – zusammen mit der Continental AG, dem Stahlunternehmer Jürgen Großmann und dem früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder (SPD). Als die Managerschule schließlich 1999 als gemeinsame Stiftung des Landes und der Firma Baan aus der Taufe gehoben wurde, war Schröder dann schon Bundeskanzler. Ziel war es damals, internationale Führungskräfte für die heimische Wirtschaft zu gewinnen. 2011 zog die Gisma vom Heideviertel in die Innenstadt, in die Goethestraße unweit des Conti-Campus.

Doch nach der Insolvenz bekam Gisma noch eine Chance. Niederländisch-britische Investoren, die Global University Systems, übernahmen im August 2013 die Managerschule. Neuer akademischer Partner ist jetzt die niederländische Maastricht School of Management und nicht mehr die US-Universität Purdue, mit der sich die Gisma zuletzt zerstritten hatte. Die Amerikaner hatten plötzlich das Zulassungsverfahren für neue Studenten gestoppt, zugleich konnte die Gisma aber nicht aus ihren Verträgen mit der Universität Purdue aussteigen, die sie jährlich 1,4 Millionen Euro kosteten.

Seit diesem Mai hat die Gisma auch wieder ihren Lehrbetrieb aufgenommen, zunächst mit gut 30 Studenten. In diesem Herbst sind noch einmal so viele hinzugekommen. Die Vollzeitstudenten, die aus der ganzen Welt kommen, können in hiesigen Firmen Praktika machen und Deutschkurse absolvieren, um einen tieferen Eindruck von dem Land zu gewinnen, in dem sie studieren. „Der Neustart ist gelungen, wir sind auf einem guten Werg“, sagt Gisma-Leiterin Ann-Kathrin Fortmann.

Für den 25-jährigen Charles Ogun aus Nigeria war es keine Frage, wo er vertiefte Kenntnisse in Wirtschaftsfragen erwerben wollte. „Es war eine strategische Entscheidung, Deutschland ist am besten aus der Weltwirtschaftskrise herausgekommen“, sagt er über seine Wahl der Gisma, die mittlerweile keine Stiftung mehr ist, sondern eine GmbH. Die Muttergesellschaft finanziert den Lehrbetrieb, hinzu kommen die Studiengebühren, die für die 18-monatige Ausbildung zwischen 20000 und 24000 Euro betragen. Die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Firmen spielt nach Ansicht von Gisma-Rektor Maurits van Rooijen bei der Globalisierung eine zunehmend bedeutendere Rolle. Der Niederländer leitet zugleich auch die London School of Business and Finance, die ebenfalls von Global University Systems betrieben wird.

Jana Wemken ist Teilzeitstudentin an der Gisma. Die mehrfach ausgezeichnete Marathonläuferin, die koreanische Wurzeln hat und eigentlich aus Varel an der Nordseeküste kommt, arbeitet mittlerweile bei der DZ Bank AG in Hannover. Der Job bei dem Geldinstitut habe ihr nicht gereicht, sagt die 29-Jährige. „Ich wollte noch mehr.“ Das Studium an der Gisma sei anspruchsvoll. „Aber das ist gerade richtig“, meint die junge Frau.

An Zielstrebigkeit mangelt es den diesjährigen Gisma-Studenten offenkundig nicht.

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