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Die Gründer der Eisfabrik erinnern sich

Stadtspaziergang Die Gründer der Eisfabrik erinnern sich

Peter und Wolfgang A. Piontek haben aus der Eisfabrik in der Südstadt eine Kulturinstitution gemacht. Bei einem Stadtspaziergang mit HAZ-Redakteur Uwe Janssen erinnern sich die beiden an viele Kuriositäten.

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Leben in und für die Eisfabrik: 1987 bezog Wolfgang A. Piontek (rechts) mit seinem Ensemble die Eisfabrik in der Südstadt, Anfang der Neunziger stieß auch Bruder Peter dazu. Am heutigen Sonnabend wird dort groß gefeiert. Fotos: Kutter

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Fußball und Theater. Zwei Anker. Passen zusammen, weil es um eine Mischung aus Körperlichkeit, kreativem Spiel und Disziplin geht. Passen nicht zusammen, weil das eine zumindest an der Spitze kommerziell gerade ziemlich aus dem Ruder läuft und jegliches Maß verliert, während das andere, zumindest in der freien Szene, seit Jahr und Tag ums Geld kämpfen muss.

Zwischen diesen Polen bewegen sich Peter und Wolfgang A. Piontek. Sie machen Kultur in der Südstädter Eisfabrik, und sie lieben Fußball. In einem Stadtspaziergang lässt sich alles unter einen Hut bringen. „Von der Seilerstraße am Sprengel-Museum vorbei zum Stadion und zurück“ führt der Weg, den sie gehen wollen - und über die Jahre gegangen sind.

Die Eisfabrik, die früher wirklich eine war und Klareis produzierte, ist seit 1987 ein Kulturort. Der aus Lübeck stammende Wolfgang A. Piontek, damals Kunststudent in Braunschweig, wurde hier mit seiner „Truppe“, wie er die 1982 gegründete Theatergruppe Commedia Futura rückblickend nennt, auf dem Gelände sesshaft, nach Jahren des Tingelns.

Anfang der Neunziger stieß Bruder Peter dazu, der bei der „Dithmarscher Landeszeitung“ volontiert und als Lokalredakteur gearbeitet hatte. „Dann hat Wolfgang mich eingefangen“, sagt Peter, „denn bei aller Aufmüpfigkeit ist er doch ein beharrender Charakter.“

Stadtspaziergang: Unterwegs mit Wolfgang A. Piontek und Peter Piontek - den Theatermachern Gruendern der Eisfabrik.

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Peter zog in die Eisfabrik, wo parallel zu Probenräumen, Ateliers, Werkstätten und Theatersälen auch Wohnungen entstanden, wenn auch gelegentlich provisorisch. „Anfangs“, erinnert sich Wolfgang, „hat Peter abends gesagt, dass er nach Hause geht und ist vom Büro in den Nebenraum gegangen, wo sein Bett stand.“ Nach einer kurzen Pause fügt Peter an: „Das Entscheidende ist: Wir wussten, wofür wir es machen.“ Neben dem Kunstmachen wurde an der Infrastruktur gearbeitet, instand gesetzt, renoviert, saniert und die Perspektive für die Künstler stabilisiert. 1999 kaufte der Verein Eisfabrik e.V. mithilfe von Stadt und Land das Gelände.

Mittlerweile ist die Eisfabrik nicht nur ein Kulturort, der neben der Commedia Futura und der Nachwuchstruppe Gören und Rabauken auch das Tanztheater Landerer & Company, Kunst in der Weißen Halle und seit 2014 auch die Galerie für Fotografie (Gaf) beherbergt. Das Kulturzentrum ist auch zu einem Verweilort geworden - und eine feste Institution. Nur: Ein finanzieller Freibrief ist das nicht. Freie Szene bleibt freie Szene.

„Die Arbeit ist mehr geworden, unser Wissen ist vielfältiger geworden, aber das Geld ist nicht so mitgewachsen“, sagt Wolfgang Piontek und kommt dann zu einer seiner Hauptaufgaben, einer Art Credo der Subkultur. „Es ist ein zäher Prozess, Leute zu überzeugen.“ War es immer. Aber sie wollten es, mit aller Macht. Was eine potenzielle Nachfolge („Wir sind ja ältere Herren“) nicht einfacher macht. „Wir gucken und suchen, aber keiner will das so richtig machen für wenig Geld. Die jungen Leute gucken schon eher auf ihre individuelle Karriere“, sagt der 62-jährige Peter Piontek, „diese Neugier, wie es sie beispielsweise in Berlin gibt, die findet man hier nicht.“ In solchen Sätzen schwingt eine gewisse Melancholie mit, ein bisschen Unverständnis sicher auch. Es ging den beiden Brüdern, das strahlen sie heute noch aus, immer um die Kunst, um die Suche nach Formen, Befindlichkeiten auszudrücken, auch ihre eigenen. Da sei auch Biografisches dabei gewesen, sagt der 62-jährige Wolfgang Piontek

Arbeit mit bildender Kunst und vor allem Video war bei der Theaterarbeit immer wichtig. Grenzen ausloten, Verbindungen zwischen den Disziplinen schaffen - und auch die Aufmerksamkeit großer Theater auf sich ziehen. „Die haben sich sicher schon das eine oder andere abgeschaut.“ Tarantino, Warhol, Niki de Saint Phalle haben die Pionteks inspiriert. Nicht zufällig führt der Weg am Sprengel-Museum vorbei. Deren erster Direktor Joachim Büchner hatte die noch junge Commedia Futura zu einer Ausstellung eine Performance aufführen lassen. „Die hat nicht jeder verstanden, aber Büchner war begeistert, das war unser Türöffner“, sagt Wolfgang Piontek, der an der damaligen Fachhochschule für Kunst und Design in Hannover und an der HBK Braunschweig Kunst studiert hat.

Er war ein Außenseiter, wie er selbst sagt, „weil ich mich für Fußball interessierte“. Mit dem VfB Lübeck sind die Brüder groß geworden, mittlerweile halten sie Hannover 96 die Daumen, gehen unregelmäßig ins Stadion und verfolgen die Spiele ansonsten in der Vereinskneipe vom Blauen Wunder am Bischofsholer Damm, wo auch Wolfgangs achtjähriger Sohn Neo kickt. Und selber kicken? „Nicht mehr so viel. Wenn ich mit den Kindern spiele, merke ich schon, wie viel schneller die sind.“

Info: Am Sonnabend ab 14 Uhr steigt das große Sommerfest an der Eisfabrik - mit der neuen Ausstellung „Ungeklärte Fälle“ von Cornelia Konrads in der Weißen Halle.

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