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„Wir sollen einfach sein, wie wir sind“

Die "HAZ-Schulexperten" „Wir sollen einfach sein, wie wir sind“

Magali und Chanel geben der HAZ seit ihrer Einschulung 2011 jedes Jahr ein Ferieninterview. Jetzt haben die beiden Freundinnen ihr zweites Jahr an der Elsa-Brändström-Schule hinter sich. Ein Gespräch über Lehrermacken, beste Freundinnen und Jungs.

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Quelle: Samantha Franson

Ihr habt jetzt das zweite Jahr am Gymnasium hinter euch. Nach der fünften Klasse habt ihr gesagt, alles sei viel anstrengender geworden. Ist das immer noch so?

Chanel: Es ist deutlich leichter geworden. Die Arbeiten gehen, es ist alles nicht mehr so streng. Am Anfang wollen die Lehrer eben auch auswürfeln, wer aufs Gymnasium gehört und wer nicht.
Magali: Außerdem lernt man die Lehrer besser kennen. Man weiß jetzt genauer, was sie wollen. Die Macken kennt man auch.

Welche Macken haben Gymnasiallehrer denn so?

Magali: Manche sind total nett, können aber auch richtig streng sein. Und es gibt welche, die sagen 20.000 überschüssige Worte, wenn sie etwas erklären. Da muss man sich dran gewöhnen. Aber wenn man begriffen hat, dass man im Gehirn nur ein paar Worte wegstreichen muss, versteht man sie sehr gut.

Seit sie in die Schule gekommen sind, treffen sich Magali und Chanel jedes Jahr mit der HAZ zum großen Ferieninterview.

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Kennt ihr Kinder, die „ausgewürfelt“ worden sind, die also von der Schule gehen?

Magali: Bei uns sind alle durchgekommen, glaube ich. Aber in den Nachbarklassen gibt es welche, die sitzengeblieben sind oder die Schule wechseln.
Chanel: Bei uns können sogar zwei überspringen.

Seid ihr traurig, wenn Kinder die Schule verlassen, weil das Gymnasium zu schwer ist?

Chanel: Ich weiß nicht. Bei den Jungs wär’ das eher nicht so. Aber wenn’s ein Mädchen wäre, auch noch eins, das ich kenne, das würde ich total trösten.

In der Sechsten gehört man nicht mehr zu den Kleinsten. Woran merkt ihr das?

Magali: Ich sag jetzt was, wo man sich noch klein fühlt.

Was denn?

Magali: Bei uns müssen die Fünften und Sechsten jede Woche in der Mensa und in der Pausenhalle mit einer Zange den Müll aufsammeln. Da kommt man sich schon manchmal komisch vor, wenn man Müll aufsammelt, und die Abiturienten gucken zu. Aber zum Glück sind die Schüler bei uns größtenteils nett.

Wie war das am Tag der offenen Tür? Da kümmern sich die Sechstklässler ja oft um die Viertklässler, die sich die weiterführenden Schulen anschauen.

Chanel: Wir mussten auf Französisch ein Stück aufführen. Es war Blanche-Neige. Schneewittchen. Oje!

Wieso oje?

Chanel: Es war süß, wie die Kleinen zugeschaut haben. Aber die Großen aus den oberen Klassen ... Ich weiß nicht, wie die uns fanden.
Magali: Das Schulorchester spielt immer bei solchen Anlässen. Da fühlt man sich schon als was Besonderes, wenn man da mitspielt. Auch wenn man noch nicht zu den Großen gehört.

A propos Französisch. In der Sechsten kommt die zweite Fremdsprache dazu.

Chanel: Ich bin in der Frühfranzösischklasse. Ich hab Französisch seit der Fünften.

Du sprichst sowieso mehrere Sprachen, oder?

Chanel: Ich spreche fließend Polnisch, weil meine Mutter aus Polen stammt. Und ein bisschen vietnamesisch, wegen meinem Vater.
Magali: Du bist voll die Sprachbegabung ...

Wie ist das bei dir, Magali? Wie schwer ist es, für zwei Fremdsprachen zu lernen?

Magali: Manche Wörter sind so ähnlich! Ich hab’ neulich mit meiner Freundin Französisch gelernt, da fiel mir eine Vokabel nicht ein. Auf einmal hab’ ich einen Satz gesagt, der war Deutsch, Englisch und Französisch, alles durcheinander – Englisch klingt cooler, und Französisch klingt eben viel schöner.

Lernt ihr regelmäßig Vokabeln?

Chanel: Ich lerne meistens am Abend vor dem Vokabeltest. Manchmal vergess’ ich’s aber auch.
Magali: Ich hoffe eher auf die Erleuchtung, als dass ich lerne. (Sie formt den Mund zu einem „Oooooomm“ und ruft „Vokabel, komm mal her“)

Und das klappt??

Magali: Och, mal so, mal so.

Habt ihr neue Freundinnen gefunden?

Magali: Das mit den Freundinnen ist heute nicht mehr so wie früher. Meine Mutter sagt immer, sie hatte eine richtig beste Freundin. Heute ist das wechselhaft. Mal ist es die, dann die. Dann ist wieder eine zickig. Das regt mich manchmal voll auf.

Aber die ABF, die Abkürzung für Allerbeste Freundin, die kennt ihr doch. Die ist doch wichtig.

Magali: Es gibt sogar die ABFF.

Was ist das denn?

Magali: Allerbeste Freundin for ever.

Magali Domeier (7,5 Jahre alt) und Chanel Mai Pham (8,5 Jahre) kommen in die 3e der Grundschule 
Wasserkampstraße in Kirchrode. Seit ihrer Einschulung trifft die HAZ die beiden jedes Jahr, um über die Schule zu diskutieren. Denn: Niemand kennt sich besser aus als die zwei.

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Und, habt ihr eine?

Chanel: Mal überlegen ... (Beide flüstern miteinander)
Magali: Das sag ich nur Chanel.

Wie steht es mit den Jungs? Setzen eure Lehrer sie immer noch absichtlich neben Mädchen, damit sie nicht stören.

Chanel (stöhnt): Machen sie. Ich sitze immer noch neben einem Jungen.
Magali (stöhnt auch): Das ist ein grauenhaftes Thema.

Das sind Magali und Chanel

Magali Domeier (11) und Chanel Mai Pham (12) treffen sich seit 2011, damals kurz vor der Einschulung, jeden Sommer mit der HAZ zum Interview. Vor der erste Klasse fanden beide Schule „pippieinfach“. Die Einschätzung hat sich etwas geändert im Lauf der Schuljahre. Heute bringen sie an der Elsa-Brändström-Schule in der Südstadt die sechste Klasse hinter sich. In der Grundschule waren sie noch Klassenkameraden, jetzt ist Chanel in der Französischklasse. Beide sind vernarrt in Pferde Stimmt das noch so? Magali tanzt Ballett, spielt Cello und reitet. Chanel spielt Gitarre und turnt.

Warum?

Magali: Weil sie genauso nervig sind wie früher. Nur spielen sie jetzt auch noch mit diesen bekloppten Fidgetspinnern.

Okay, Themenwechsel. Wir sind heute ja in Magalis Reitstall, weil ihr beide das Reiten so liebt. Wann findet ihr Zeit dafür?

Chanel: Ich reite jede Ferien seit ich sechs oder sieben bin. Pferde sind einfach toll.
Magali: Finde ich auch. Ich bin jeden Freitag hier, miste den Stall aus, putze das Pferd, habe Reitstunde, und dann mache ich das Pferd wieder fertig.

Pferde sind Freunde, nicht nur Sportgerät: Magali Domeier und Chanel Mai Pham im Ponyreitverein in Laatzen.

Quelle: Samantha Franson

Warum sind Mädchen so pferdeverrückt? Es gibt unzählige Pferdebücher, -zeitschriften, -filme.

Magali: Und es ist immer das Gleiche. Ein Mädchen kommt auf einen Pferdehof. Es hasst Pferde. Es lernt ein ganz tolles kennen. Es gewinnt ein großes Turnier. Das zeigt gar nicht, wie eine Beziehung zu einem Pferd wirklich ist.

Wie ist sie denn?

Chanel: Voll schön eben! Ich sehe die Pferde auch als Freunde nicht nur als Sportgerät.

Jetzt müssen wir zum Abschluss noch über die Zeugnisse reden. Seid ihr zufrieden?

Chanel: Ich wusste, dass das Thema noch kommt! Meine erste Note im Gymnasium war eine 4. Und das auch noch in Mathe. Aber jetzt hab ich das Prinzip Gymnasium verstanden. Ich bin sehr zufrieden.
Magali: Ich auch. In den Fächern, in denen ich nicht so gut war, hab’ ich mich verbessert. Und in denen, in denen ich gut war, bin ich so geblieben.

Letzte Frage: Ihr bekommt zu Beginn der 7. Klasse neue Lehrer. Wie findet ihr das?

Chanel: Das ist schade, jetzt hatte es gerade gepasst. Da muss man sich wieder trennen.
Magali: Die Lehrer haben uns einen Tipp gegeben. Wir sollen einfach so sein, wie wir sind. Man kann sich sowieso nicht die nächsten zwei Jahre immer verstellen. Und wenn man ehrlich zeigt, wie man ist, klappt das schon.      

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