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Aus der Stadt Die IGS List bereitet sich für den Besuch der Jury vor
Hannover Aus der Stadt Die IGS List bereitet sich für den Besuch der Jury vor
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00:15 15.02.2018
Echte Tierfans: Merle Hahn (v.l.), Wim Weinhäppel und Karla Flebbe mit einer Wasseragame Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

 Das Team wird an der Integrierten Gesamtschule (IGS) List groß geschrieben, ob in der kollegialen Schulleitung, dem festen Klassenlehrertandem, das die Schüler sechs Jahre lang begleitet, oder den Jahrgangsfachteams, die den Unterricht in den Klassenstufen gemeinsam vorbereiten, und natürlich auch im Miteinander zwischen Lehrern, Eltern und Schüler. 

„Den Deutschen Schulpreis hätte die Schule wirklich verdient“, sagt Schulelternratsvorsitzende Katharina Aust. Schon zweimal war die IGS List in der Auswahl für die nominierten Schulen, 2007, 2013 und jetzt wieder. Am Montag und Dienstag kommt die Jury, die entscheidet, ob Anfang die Schule zu den 15 Standorten gehört, die am Ende nominiert werden. Zwei Tage lang wird die IGS List von Experten unter die Lupe genommen, es gibt rund 40 Unterrichtsbesuche und intensive Gespräche mit dem Kollegium, Schüler- und Elternvertretern und Kooperationspartnern. „Aller guten Dinge sind ja eigentlich drei“, sagt Schulleiter Oswald Nachtwey und  lächelt ein wenig verlegen. „Dieses Mal muss es einfach klappen“, sagt Elternvertreterin Aust. Seit neun Jahren kennt sie die Schule: „Stillstand gab es nie.“

Soviel gemeinsamer Unterricht wie möglich

Das kann auch die Didaktische Leiterin Petra Hoppe bestätigen: „Wir entwicklen uns immer weiter.“ Sie sagt: „Wir wollen jeden Schüler so fördern, dass er seine Fähigkeiten bestmöglichst entfalten kann.“ Das bedeute: „Soviel gemeinsamer Unterricht wie möglich, soviel individualisieren wie nötig.“ Es geht um eine Leistungsbewertung bezogen auf das persönliche Vermögen des einzelnen Kindes, nicht um einheitliche, genormte Maßstäbe.

In den vergangenen fünf Jahren hat die Schule eine ausgeklügelte Feedbackkultur entwickelt. Neben den Lernentwicklungsberichten gibt es einen Lerndialog zwischen Schülern, Eltern und Pädagogen. Mit einem herkömmlichen Eltern- oder Schülersprechtag hat das wenig gemein. Den Tag gestalten die Schüler, sie stellen ihre Stärken heraus, und dann überlegt man gemeinsam, wie die in Fächern, in denen der Schüler vielleicht Schwächen hat, helfen könnten. Man verabredet gemeinsam Ziele, die schriftlich festgehalten werden, überprüft die immer wieder, die Lehrer geben den Schülern spezielles Material an die Hand, mit dem sie etwaige Lücken aufarbeiten können. Beim persönlichen Lernen, an drei Tagen pro Woche jeweils 40 Minuten lang, können die Kinder ihre eigenen Schwerpunkte setzen.

Schüler sollen ohne Handy und mit 70 Euro überleben

Es gibt regelmäßige Projekte, wie das Projekt Herausforderung, bei dem Achtklässler in der Gruppe eine Woche lang mit 70 Euro und ohne Handy, wie Hoppe sagt, überleben müssen. Im 10. Jahrgang arbeiten die Jugendlichen acht Monate lang an einem Projekt ihrer Wahl, sie können Filme drehen, Bücher schreiben, forschen oder etwas Praktisches machen. Bilge Özkur (15) will einen schwarzen Sessel bauen, Sean Weirauch (15) untersucht, wie der Ozean vom Plastikmüll befreit werden könnte und hat dafür sogar einen Meeresphysiker von der Universität Oldenburg befragt. „Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“, sagt der Junge. Und auch Bilge lobt die Freiheit bei der Umsetzung: „Das macht richtig Spaß.“

Die Integrierte Gesamtschule List könnte in die Auswahl der nominierten Schulen für den Deutschen Schulpreis kommen. Montag und Dienstag nimmt die Jury die Schule unter die Lupe.

Schule soll nicht nur Lern-, sondern auch Lebensort sein. Der Schulzoo trage dazu ein großes Stück bei, meinen Karla (12) und Merle (13), die die Meerschweinchen, Degus und Reptilien in den Pausen regelmäßig füttern. Wie lange sie das schon machen? „Ewig“, sagen die Siebtklässlerinnen. Karla hat zuhause selbst Rennmäuse, Achat-Schnecken und eine Katze, Merle besitzt zwei Wellensittiche und Fünftklässler Wim (11), der Tiere einfach gern beobachtet, hat Stabheuschrecken.

Je näher der Jury-Besuch rückt, desto größer wird die Aufregung. „Es ist aber eine positive Angespanntheit“, sagt Elternratsvorsitzende Aust. Der 15-jährige Sean will zur Feier des Tages auf alle Fälle ein Hemd und kein Hoodie anziehen. 

Von Saskia Döhner

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