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Wie wird die City für junge Kunden wieder attraktiver?

Shoppingstadt Hannover Wie wird die City für junge Kunden wieder attraktiver?

Die Umsätze stagnieren, Online-Handel wird zur großen Konkurrenz – Hannovers Geschäftsleute sind in Sorge. Eine große Handelsstudie zeigt jetzt: Eigentlich sind die Kunden ganz zufrieden mit ihrer Einkaufsstadt. Und doch muss sich was tun: Denn sie hat zu wenige Kunden unter 25.

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Hannoveraner gehen sehr gezielt einkaufen: Fast die Hälfte der befragten Passanten wollte nur ein oder zwei Geschäfte konsultieren.

Quelle: dpa

Hannover. Renata Biedrawa hat sich getraut. Gemeinsam mit ihrer Schwester hat sie in der Innenstadt ein Geschäft für Damenmode eröffnet. 200 Quadratmeter Verkaufsfläche in der Grupenstraße, fast die Hälfte des Sortiments bestückt das Geschäft Manimma aus eigener Kollektion. Lohnt sich das noch heutzutage, wo doch immer mehr Menschen im Internet einkaufen? „Es ist schwierig - aber wir bereuen es nicht“, sagt die Geschäftsfrau. Allerdings denke auch sie inzwischen darüber nach, ihre Ware zusätzlich im Internet anzubieten. „Eigentlich mögen wir die Beratung und das Gespräch mit den Kunden - aber ohne Internet geht es wohl nicht mehr“, sagt sie. Und liegt damit voll im Trend.

Dabei hat Hannover als Einkaufsstadt eigentlich mal wieder gute Noten bekommen. Im Grunde sind die Kunden zufrieden mit Sortiment und Ambiente, nicht ganz so sehr mit Sauberkeit und vor allem dem Parkplatzangebot. Das ist das Ergebnis der groß angelegten Studie „Vitale Innenstädte“, für die das Kölner Institut für Handelsforschung Passantenbefragungen in 121 Städten vorgenommen hat. Gut 1600 haben im Herbst in Hannover geantwortet. Das Gesamtergebnis ist die Schulnote 2,4: Es ist minimal schlechter als das Ergebnis der sieben Vergleichsstädte Berlin, Bremen, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Leipzig und Nürnberg (2,3), aber deutlich besser als der Schnitt aller teilnehmenden Städte (2,7). Was nicht verwundert: Große Städte mit ihrem umfangreichen Angebot schneiden in Passantenbefragungen immer besser ab als Kleinstädte.

Schaut man auf die Details der Auswertung, dann fällt vor allem dies auf: Im Vergleich zu anderen großen Einkaufsstädten ist die Kundschaft in Hannover zwar treuer und kommt relativ häufig in die Innenstadt, aber der Altersdurchschnitt ist höher. Insbesondere die jüngeren Käuferschichten bis 25 Jahre fehlen der Innenstadt. „Das ist ein Thema, das Sie untersuchen müssen“, sagt Studienleiter Markus Preißner. Denn die Jüngeren sind nicht nur Trendsetter und potenziell sehr langfristige Kunden, sondern auch ein Gradmesser dafür, wie sich die Attraktivität der Innenstadt entwickelt.

„Sie müssen sich fragen, wie Hannover attraktiver werden kann insbesondere für jüngere Altersgruppen“, drängt Preißner. Fehlen vielleicht trendige Geschäfte, die junge Kunden anziehen, fragt der Wissenschaftler vorsichtig: „Haben Sie eigentlich in Hannover Geschäfte wie Saturn-Connect, die smarte Techniken der Vernetzung und des digitalen Lifestyles in den Vordergrund stellen?“ In der Kölner Schildergasse gibt es dieses Angebot. In Hannover nicht. Wirtschaftsdezernentin Sabine Tegtmeyer-Dette verspricht: „Wir nehmen solche Anregungen mit - genau dafür ist die Studie hilfreich.“ In Auftrag gegeben haben das Werk der Handelsverband und die Wirtschaftsförderung der Stadt. Hannover ist zum ersten Mal dabei.

Kunden fehlen Deko-Artikel – und Sonntagsöffnungen

In Hannovers Innenstadt gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Das Angebot an Bekleidung und Schuhen, Uhren und Schmuck, Telekommunikationsangeboten, Optikartikeln und Drogeriewaren empfinden die befragten Passanten durchweg als gut. Bei Elektronikartikeln und insbesondere bei Wohnaccessoires sehen die Kunden Defizite, auch bei Sport- und Spielwaren könnte das Angebot besser sein. Auch bei Lebensmitteln sehen die Befragten Nachholbedarf. Hier könne mit einem größeren Angebot die „Alltagstauglichkeit“ der Innenstadt verbessert werden, sagt Studienleiter Markus Preißner. Da ein ungewöhnlich hoher Anteil an Kunden wöchentlich (44,4 Prozent) oder sogar täglich (12,7 Prozent) in der Innenstadt sei, könnten Artikel des täglichen Bedarfs die Magnetwirkung erhöhen.

Hannoveraner gehen sehr gezielt einkaufen: Fast die Hälfte der befragten Passanten wollte nur ein oder zwei Geschäfte konsultieren, die Durchschnitts-Verweildauer liegt bei etwa zwei Stunden. Mit den Ladenöffnungszeiten sind die meisten zufrieden – ein deutliches Minus gab es allerdings bei den Sonntagsöffnungen. Offenbar wünschen sich viele Kunden mehr als vier verkaufsoffene Sonntage.

Die überwiegende Mehrheit nennt die Innenstadt als bevorzugte Einkaufsstätte. Allerdings nutzen immer mehr Kunden das Internet. Die Zahl derjenigen, die sich selbst als „traditionelle Handelsverkäufer“ sehen, ist bundesweit in drei Jahren von 52 Prozent auf 32 Prozent gesunken, die der „begeisterten Online-Shopper“ von 11 auf 23 Prozent gestiegen – bei Jüngeren liegt die Zahl deutlich höher. 37,4 Prozent der Befragten sagen, dass sie seltener in Innenstädte fahren, weil sie auch online einkaufen. Und die Kunden werden informierter: Immer mehr vergleichen vor einem Einkauf im Internet Angebote. Fachleute sprechen davon, dass das Internet der „digitale Showroom des stationären Handels“ sei.     

Hannover hat als Einkaufsstadt ein riesiges Einzugsgebiet, es reicht bis Porta Westfalica im Westen, bis weit hinter Nienburg im Norden, bis Celle und Hildesheim - und sogar aus dem Raum Braunschweig kamen Passanten bei der Befragung. Trotzdem machen mit fast 64 Prozent die Hannoveraner den Großteil der an einem Donnerstag und einem Sonntag befragten Kunden aus - bei den Vergleichsstädten sind es knapp unter 60 Prozent. Von allen Befragten kommt der weitaus größte Teil mit Bussen und Bahnen: 61,3 Prozent und damit 6 Prozentpunkte mehr als in den Vergleichsstädten. Mit dem Auto sind es nur 20 Prozent (Vergleichsstädte: 25 Prozent).

Im Grundsatz sei das gut, sagt Dezernentin Tegtmeyer-Dette: „Sowohl für das Klima wie auch die Luftqualität ist es von Vorteil, wenn viele Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen.“ Allerdings gehören die Sorgen von Autofahrern zu den größten Minuspunkten in der Befragung: Die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Auto erhielt nur eine Note 3, die Parkmöglichkeiten wurden sogar nur mit 3,5 bewertet - schlechteste Einzelnote der gesamten Hannover-Auswertung. „Nehmen Sie das als Fingerzeig“, sagte Studienleiter Preißner bei der Vorstellung vor etwa 40 interessierten Zuhörern im Handelshaus.

Dezernentin Tegtmeyer-Dette betont, Hannover habe keine Parkplätze verloren in den vergangenen Jahren. Allerdings habe deren Zahl am Straßenrand abgenommen, zugleich seien in Parkhäusern Stellplätze hinzugekommen. Die Kaufleute sehen das mit Sorge. „Denken Sie auch an den Lieferverkehr“, mahnte Harald Winterberg vom Berufsbekleidungsgeschäft Christoph & Oschmann am Steintor: Durch den Wegfall von Straßenrandplätzen entstünden „dem Einzelhandel große Schwierigkeiten“.

Beim allgemeinen Ambiente schneidet die Innenstadt durchweg etwas schlechter ab als die Vergleichs-Großstädte. Dass es bei der Sauberkeit Minuspunkte gibt, wundert Studienleiter Preißner nicht: „Das ist fast überall ein Thema - trotzdem müssen Sie da wachsam sein.“ Deutliche Abstriche aber machen die befragten Passanten bei der allgemeinen Ausstattung, etwa mit Sitzmöbeln und Spielgeräten. „An der Schraube müssen alle Beteiligten drehen“, sagt Preißner. Gute Noten gibt es dagegen vor allem für den Punkt Lebendigkeit der Innenstadt, also den Erlebnischarakter. Dieser Punkt sei wichtig, sagt Monika Dürrer, neue Geschäftsführerin des Handelsverbands. Der Innenstadtbesuch solle ein Gesamterlebnis sein, mit einem Stadtbummel und vielleicht einem Cappuccinogenuss und dem Wissen, dass auch die Kinder Spaß am Einkaufserlebnis hätten. Ihr Fazit: „Auch die Digital Natives gehen gerne in die Stadt - aber wir müssen ihnen mehr bieten und jüngere Zielgruppen an das Einkaufserlebnis heranführen.“

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